Oktoberfest in Bestform Wiesn-Bilanz: Viel Bier, kuriose Promi-Auftritte und ungewöhnliche Fundstücke

Von dpa, Gregory Straub und Ankea Janßen

Rund 6,3 Millionen Besucher kamen zum Volksfest nach München. Foto: Felix Hörhager/dpaRund 6,3 Millionen Besucher kamen zum Volksfest nach München. Foto: Felix Hörhager/dpa

München. Das Oktoberfest ist nach einem Traumstart zu alter Bestform aufgelaufen. Es lockte mehr Gäste an als in den Vorjahren – trotzdem hatten Polizei und Sanitäter weniger zu tun. Zu den prominenten Gästen zählten auch Bill Clinton und Arnold Schwarzenegger.

Sommer, Sonne, entspannte Gäste: Eine Bilderbuch-Wiesn geht zu Ende. Es kamen mehr Gäste - trotzdem gab es weniger Sexualdelikte, weniger Maßkrugschlägereien - und es mussten auch weniger Gäste in der Sanitätsstation behandelt werden. Nach Schätzung der Festleitung drängten in den zwei Festwochen rund 6,3 Millionen Gäste auf das Volksfest. Das waren 100.000 Besucher mehr als 2017, obwohl das Fest zwei Tage kürzer war. Trotz der gestiegenen Gästezahl ging die Zahl der Straftaten um knapp neun Prozent zurück.

"Es war ein Superwiesn", sagte der Wiesnchef und zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Sonntag zum Abschluss des Festes. Bei mildem Herbstwetter verteilten sich die Besucher gut auf Zelte, Biergärten und Fahrgeschäfte – ein Grund für friedliche Stimmung. Wirte, Schausteller und Marktkaufleute hatten zufriedene Gesichter.

7,5 Liter Bier, 124 Ochsen und 48 Kälber 

In den zwei Festwochen tranken die Wiesngäste wie im Vorjahr 7,5 Millionen Liter Bier, brachten aber einen besseren Appetit mit: Beim Essen wie auch bei alkoholfreien Getränken gebe es zehnprozentige Zuwächse, sagte Schmid. Besonders gefragt waren Gerichte wie Enten, Haxn, Schweinsbraten und Käsespätzle. Die Gäste verspeisten aber weniger Ochsen (124 statt 127) und Kälber (48 statt 59) als im Vorjahr. Das Plus in der Küche und Alkoholfreiem passe zu der veränderten Besucherstruktur: Es seien mehr Familien gekommen - und auch die Generation 60 plus habe verstärkt mitgefeiert, sagte Schmid.

Viele Amerikaner zu Besuch

Angesichts des warmen Wetters schickte mancher auf dem Wiesn-Postamt sogar seine warme Kleidung nach Hause. Ansonsten wurden von dort Wiesnherzen und Maßkrüge in alle Welt versandt. Rund 100 000 Gäste wurden aber auch beim Klauen von Krügen erwischt. Nachdem in den Vorjahren Terrorsorgen die Stimmung dämpften, kamen diesmal wieder mehr Amerikaner. Sie führten die Top Ten der ausländischen Gäste an, die aus mehr als 60 Nationen anreisten.

Weniger Straftaten, aber mehr Gewalt gegen Polizeibeamte

Die Polizei registrierte weniger Sexualdelikte (minus 32 Prozent), weniger Maßkrugschlägereien (minus 25 Prozent) und weniger Taschendiebstähle (minus 13 Prozent). Statt in fremde Taschen griffen die Diebe allerdings häufiger in abgelegte Jacken. "Das Taschen- und Rucksackverbot macht sich hier bemerkbar", sagte der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins. Die Beamten stellten bei ihren Rundgängen bei Verkäufern ohne Genehmigung auch 122 Luftballons sicher, die dann zunächst auf der Wache schwebten.

Auf Twitter dokumentierte die Münchner Polizei ihre Einsätze unter dem Hashtag #wiesnwache auch mal mit einem Augenzwinkern:


Doch es gab auch einen Wermutstropfen: Es gab mehr Gewalt gegen Polizeibeamte (plus 5 Prozent), 15 Beamte wurden verletzt. Das zeige aber auch, dass die Polizei bei den Richtigen eingeschritten sei – und damit zu dem friedlichen Verlauf des Festes beigetragen habe, sagte da Gloria Martins. Ein Todesfall nach einer Schlägerei überschattete das Fest - es sei eine tragische Tat gewesen, es seien weder ein Maßkrug noch Waffen im Spiel gewesen. Der 58-Jährige starb nach einem Faustschlag.

Alkoholvergiftungen und Schnittwunden

Der neue Sanitätsdienst Aicher Ambulanz behandelte knapp 5800 Patienten - weniger als das Rote Kreuz im Vorjahr (knapp 7000). In rund 700 Fällen war Gästen das Bier in der konsumierten Menge nicht bekommen. Sehr oft kamen Menschen mit Schnittverletzungen an Händen und Füßen durch Scherben und suchten Hilfe. "Unsere Chirurgen mussten fleißig nähen", sagte Sprecherin Ulrike Krivec. Die Helfer hätten im Schnitt 4,42 Minuten bis zum Einsatzort gebraucht – extrem schnell angesichts des Gedränges. Die Rettungsgassen hätten aber nicht so ganz funktioniert. "Auch auf der Wiesn muss die Rettungsgasse noch geübt werden." 

Ungewöhnliches Fundstück

Neben Hunderten Kleidungstücken, Geldbörsen, Ausweisen, Handys, Schlüsseln und Brillen wurden auch zwei Eheringe abgegeben  und zwar von einem Ehepaar.

Der Fund löste bei der Festleitung Rätselraten aus: "Die haben also beide ihre Ringe abgelegt, warum auch immer", sagte Wiesnchef Josef Schmid (CSU), der am Sonntag zum Abschluss des Volksfestes Bilanz zog. "Wer weiß, ob sie danach noch ein Paar waren." Ansonsten wurde kurz vor Schluss des Volksfestes doch noch das Fundstück abgegeben, das erstaunlicherweise in fast keinem Jahr fehlte: Ein Gebiss.

Großer Promiauflauf

Besuch aus Übersee: Hillary (70) und Bill Clinton (72) am Freitagabend für einen Hauch von Staatsbesuch auf der Wiesn gesorgt. Die Ex-Präsidentschaftskandidatin und der Ex-US-Präsident kamen begleitet von großem Polizeiaufgebot in das bei Promis beliebte Käfer-Zelt. Bill Clinton, platziert neben Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, zeigte sich in bester Laune – und in Lederhosen. Seine Frau verzichtete auf die Tracht, sie kam im rot-gemusterten Blazer.



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