Nach Mord in Berlin Droht der Hauptstadt ein Clan-Krieg? Polizei befürchtet Racheakte

Von vim und dpa

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Ein Kriminaltechniker steht am Tatort nahe eines Eiswagens am Tempelhofer Feld in Berlin-Neukölln. Foto: dpa/Paul ZinkenEin Kriminaltechniker steht am Tatort nahe eines Eiswagens am Tempelhofer Feld in Berlin-Neukölln. Foto: dpa/Paul Zinken 

Berlin. Die Polizei befürchtet nach dem gewaltsamen Tod eines bekannten Straftäters, dass die Gewalt zwischen den verfeindeten Familien eskaliert. Droht der Hauptstadt ein Clan-Krieg?

Bei schönem Wetter ist das Tempelhofer Feld im südlichen Berlin ein beliebtes Ausflugsziel: Paare liegen auf dem Rasen, Jogger drehen ihre Runden, Kinder spielen Fußball. Mitten in diesem Idyll fielen am frühen Sonntagabend Schüsse. Ein 36-jähriger Mann wurde mehrfach getroffen, er erlag seinen Verletzungen wenig später in einem Krankenhaus.

Laut übereinstimmender Medienberichte handelt es sich bei dem Opfer um Nidal R., der vor Jahren als Berlins schlimmster Intensivtäter bekannt wurde. Er soll zum Clan-Milieu der Hauptstadt gehören. Aufgrund von Nidal R. und seiner langen Liste an Vergehen gründete die Berliner Polizei 2003 das Sonderdezernat für Intensivtäter, um schneller und gezielter gegen die jugendlichen Straftäter vorgehen zu können. Der 36-Jährige wurde erst vor wenigen Monaten aus dem Gefängnis entlassen.

Polizeiaufgebot vor dem Krankenhaus

Über die näheren Hintergründe der Tat ist noch nichts bekannt. Die Polizei hatte am Sonntagabend über Twitter zwar die Festnahme eines Verdächtigen verkündet, dies aber kurze Zeit später zurückgezogen. Nach den Schüssen sollen mehrere Personen vom Tatort geflüchtet sein. Am Sonntagabend zeigte sich die Polizei mit einem Großaufgebot vor dem Benjamin Franklin Klinikum, in das Nidal R. gebracht worden war. Rund 150 Menschen hatten sich Polizeiangaben zufolge vor dem Krankenhaus versammelt, wütende Familienangehörige versuchte sich Zugang zu verschaffen. Die Polizei bat auf Twitter darum, nicht zur Klinik zu kommen. "Es darf heute Nacht niemand zu ihm."

Es war nicht das erst Mal, dass auf Nidal R. geschossen wurde. Seine Familie soll immer wieder in Konflikte mir anderen Großfamilien geraten sein. Der staatenlose Palästinenser wurde im November 2010 vor einem Café in Neukölln von zwei Kugeln getroffen und leicht verletzt. Vor Gericht verweigerte er später die Aussage. Es wird vermutet, dass die Familien die Sache lieber unter sich geklärt haben – ohne die Justiz. 

Droht ein Clan-Krieg?

Ein solches Verfahren wird auch nach dem Tod von Nidal R. befürchtet. Laut einem Bericht des "Tagesspiegels" wurde das Landeskriminalamt hinzugezogen. Das LKA rechne damit, dass es zu Racheakten kommen könnte, zahlreiche Beamte sollen bereits Kontakt zur Familie des Opfers aufgenommen haben. 

In Berlin sind die Clans mit ihren mafiösen Strukturen in den vergangenen Monaten vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Ende August wurden bei einer Razzia gegen den organisierten Drogenhandel mehrere Männer festgenommen. Sie sollen mit ihren Autos einen Lieferservice für Rauschgift betrieben haben. Kurz davor beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft aus dem Besitz einer Großfamilie 77 Wohnungen und Häuser im Wert von mehr als neun Millionen Euro. Es geht um den Verdacht der großangelegten Geldwäsche.

"Wir dulden keine rechtsfreien Räume"

Berlins neue Polizeichefin Barbara Slowik hatte im August unterstrichen, es werde mit Nachdruck gegen kriminelle Teile von Clans ermittelt: "Wir dulden keine rechtsfreien Räume", sagte Slowik. Nach ihren Angaben sind 25 Prozent der Organisierten Kriminalität in der Stadt arabischen Clans zuzurechnen.

Arabischstämmige Großfamilien mit kriminellen Mitgliedern leben vor allem in Berlin, im Ruhrgebiet, in Niedersachsen und Bremen. In der Hauptstadt sollen es mindestens zwölf Clans mit mehreren hundert Mitgliedern sein. Von 68 großen Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität richteten sich zuletzt 14 gegen diese Strukturen.


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