Revanche geglückt Volles Rooäää: Comiczeichner Brösel kesselt los

Von dpa

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Hartenholm. Ohauerha! Das Motorrad „Red-Porsche-Killer“ schlägt erstmals den Sportwagen: Comiczeichner Brösel gelingt 30 Jahre nach dem ersten „Werner“-Rennen die Revanche gegen seinen Freund Holgi.

30 Jahre hat der norddeutsche Comiczeichner Rötger Feldmann alias Brösel auf diesen Moment gewartet. Und dann geht am Sonntag auf dem schleswig-holsteinischen Flugplatz Hartenholm alles doch ganz schnell.

Nach gut zehn Sekunden braust Brösels Motorrad „Red-Porsche-Killer“ vor dem roten Sportwagen seines Widersachers, dem Kieler Gastwirt Holger (Holgi) Henze, nach rund 200 Metern durchs Ziel. Der Porsche 911 von 1968 ist geschlagen. Entsprechend groß fällt der Jubel Tausender „Werner“-Fans an der Strecke aus.

Glücklich zeigt sich der 68 Jahre alte Brösel direkt nach Durchfahrt der Ziellinie. „Eiskalt abgeledert“, sagt Feldmann. „Das war super.“ Nach der Revanche verspüre er Erleichterung. „Jetzt ist gut, jetzt können wir mal 'nen Eierlikör trinken.“ Der erstmals unterlegene Porsche-Fahrer Henze zeigt sich im Ziel als guter Verlierer: „Herzlichen Glückwunsch! Das war sehr knapp und er hat zurecht gewonnen.“

Brösel habe nur ein paar Meter Vorsprung gehabt im Ziel. An seinem Porsche habe die Maschineneinstellung nicht so gepasst, so Holgis erstes Fazit. „Ich muss nochmal analysieren, was da los war.“ Er habe im Rennverlauf zwar aufgeholt, aber bei der kurzen Strecke sei es für ihn und seinen Sportwagen schwer gewesen. Brösel widerspricht: „Ich hab' ja gar nicht Vollgas gegeben.“

Vier Tage lang haben die Fans auf dem Flugplatz Hartenholm ein Motorsport- und Musikfestival gefeiert. Rund 80 Bands sind auf vier Bühnen aufgetreten, darunter - wie bereits 1988 - die Gruppe BAP, aber auch Fury in the Slaughterhouse, Santiano und natürlich Torfrock („Beinhart“). An die Dimensionen des Originals reicht die Neuauflage jedoch nicht heran. Für das Festival haben die Veranstalter in diesem Jahr rund 35 000 Tickets verkauft.

1988 sollen es auf jenem kleinen Flugplatz auf dem Land dagegen 200 000 Besucher gewesen sein, die den „größten Knaller seit Ben Hur“ vor Ort verfolgen wollten. So genau weiß das allerdings niemand. Denn das Rennen hatte die Region in ein Verkehrschaos gestürzt, der Anreiseverkehr auf der Autobahn 7 staute sich damals bis nach Hamburg. Die Fans störte das nicht, sie feierten eine Riesenparty.

Die Geschichte des „Werner“-Rennens geht zurück auf ein Wortgefecht in den frühen 1980er Jahren im Kieler „Club 68“ des Kneipenwirts Henze. Brösel soll dessen roten Porsche dabei als Wanderdüne und Salzstreuer bezeichnet haben. Holgi verspottete die Horex des Zeichners daraufhin als Vorkriegsschrott und Geraffel. Diese Nacht inklusive des vereinbarten Rennens fand Eingang in den „Werner“-Band „Eiskalt!“.

Brösel erlangte mit seiner Comicfigur „Werner“, einem „Bölkstoff“ trinkenden Klempnerlehrling und Motorrad-Enthusiasten, bundesweit Bekanntheit. 13 „Werner“-Comics und zahlreiche Sonderbände sind erschienen, fünf „Werner“-Filme lockten rund 14,5 Millionen Menschen in die Kinos.

Rund 280 000 D-Mark steckte der Zeichner nach eigenen Angaben damals in den Bau seines Motorrads mit vier Horex-Motoren zu je 40 PS. Doch Brösel unterlag Holgi 1988 wegen eines Schaltfehlers in Hartenholm binnen Sekunden. 2004 auf dem Lausitzring bei einer ersten Neuauflage vor 30 000 Zuschauern erging es ihm nicht besser: Gleich drei Mal düste der rote Porsche 911 T, Erstzulassung 1968, locker ins Ziel, während die Maschine des Zeichners aufgrund technischer Probleme jeweils nach wenigen Metern stehen blieb. Doch an diesem Sonntag in Hartenholm verliert der 300-PS-starke Porsche.

Eines ist am Sonntag trotz umgekehrten Ausgangs aber gleich. Brösel lässt sich auf dem Schmähturm vor seinen Fans mit flüssigem Dreck bewerfen, genaue Rezeptur unbekannt. Aus alter Verbundenheit stellt sich der Gewinner neben seinen dieses Mal unterlegenen Weggefährten Holgi. Doch vielleicht ist dies nicht das letzte Rennen Sportwagen gegen „Red-Porsche-Killer“ gewesen. Der Unterlegene Porsche-Fahrer schaut bereits nach vorn: „Jetzt kann ich ja eine Revanche fordern.“


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