Haben überwiegend die Gegner abgestimmt? Kritik an nicht repräsentativer Online-Befragung der EU-Kommission

Von afp

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Statistik-Professor Walter Krämer kritisiert die Ankündigung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, nach der Umfrage zur Zeitumstellung, dem Ergebnis entsprechend, die Winterzeit abzuschaffen. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpaStatistik-Professor Walter Krämer kritisiert die Ankündigung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, nach der Umfrage zur Zeitumstellung, dem Ergebnis entsprechend, die Winterzeit abzuschaffen. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Wunstorf. An der Aussagekraft der Befragung zur Abschaffung der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit sind Zweifel angebracht, wie der Statistik-Professor Walter Krämer erklärt. zuvor hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angekündigt, sich für die Abschaffung der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit in der Europäischen Union einzusetzen.

Juncker argumentiert dabei mit dem Ergebnis einer Online-Umfrage seiner Kommission. Statistik-Professor Walter Krämer entgegnete am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP: "Dergleichen Umfragen sind immer mit ganz großer Vorsicht zu genießen." Schließlich handele es sich nicht um eine repräsentative Umfrage mit zufällig ausgewählten Bürgern, erläuterte Krämer, der an der Technischen Universität Dortmund Statistik lehrt und das Buch "So lügt man mit Statistik" veröffentlicht hat. 

Haben nur Gegner der Zeitumstellung teilgenommen?

Im Fall der Umfrage der EU-Kommission zur Zeitumstellung sei vielmehr davon auszugehen, "dass die Leute, denen das Thema wichtig ist, die sich ärgern, wenn die Uhr umgestellt wird, mitgemacht haben." Menschen, die der Zeitumstellung positiv oder gleichgültig gegenüber stehen, hätten sich hingegen wahrscheinlich kaum beteiligt, sagte Krämer. Wenn Juncker und die EU-Kommission auf Grundlage dieser Umfrage eine Empfehlung zur Zeitumstellung abgeben, ist dies aus Krämers Sicht fragwürdig. 

"Bei anderen Leuten, die so etwas tun, würde man sagen, das sind Populisten", kritisierte der Wissenschaftler, der sich in seinen Publikationen immer wieder mit Irreführung durch Statistiken beschäftigt hat.Krämer riet der Kommission, etwas Geld in die Hand zu nehmen und ein renommiertes Umfrageinstitut mit einer repräsentativen Befragung zu beauftragen. Nur so könne sie ein realistisches Stimmungsbild erhalten.

Winterzeit, Sommerzeit oder beides? Welcher Typ sind Sie?

Die EU-Kommission hatte ihre "öffentliche Konsultation zur Sommerzeitregelung" am 4. Juli gestartet und am 16. August beendet. An der Internet-Umfrage beteiligten sich nach ihren Angaben 4,6 Millionen Menschen. Außer Privatpersonen durften auch Behördenvertreter, Unternehmen und Verbände teilnehmen. Medienberichten zufolge stammten gut drei Millionen Teilnehmer aus Deutschland.

Übermäßige Beteiligung von Deutschen

Auch wegen der übermäßigen Beteiligung von Deutschen sei die Umfrage nicht repräsentativ für das Meinungsbild in den 28 EU-Staaten, gab Krämer zu bedenken. Außerdem seien bei der Online-Befragung Menschen ausgeschlossen gewesen, die kein Internet nutzen.

Sommerzeit soll bleiben

Juncker hatte am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin" angekündigt, die EU-Kommission werde noch am selben Tag die Empfehlung beschließen, die Zeitumstellung abzuschaffen und dauerhaft auf die Sommerzeit umzusteigen. Danach seien die Mitgliedstaaten und das Europaparlament am Zug. Juncker sagte zur Begründung, es mache "keinen Sinn, Menschen zu fragen, was sie denken" und dies dann nicht umzusetzen.


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