Lage unter Kontrolle Waldbrand in Brandenburg: Techniker gehen Verdacht auf Brandstiftung nach

Von dpa

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Feuerwehrmänner bei Treuenbrietzen. Rund 600 Einsatzkräfte konnten den großen Waldbrand im Südwesten Brandenburgs am Freitagmorgen stark eindämmen. Foto: Michael Kappeler/dpaFeuerwehrmänner bei Treuenbrietzen. Rund 600 Einsatzkräfte konnten den großen Waldbrand im Südwesten Brandenburgs am Freitagmorgen stark eindämmen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Treuenbrietzen. Der Waldbrand bei Berlin ist unter Kontrolle, zwei Dörfer bleiben evakuiert. Der Vize-Landrat spekuliert über die Brandursache.

Noch während der Löscharbeiten in den Wäldern von Brandenburg haben Kriminaltechniker am Sonntag nach möglichen Hinweisen auf Brandstiftung gesucht. Da der Brand an drei Stellen gleichzeitig ausgebrochen war, könne eine solche Tat nicht ausgeschlossen werden, hieß es aus dem Innenministerium. Auch lägen „weitere Hinweise" vor, hatte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Samstag nach einer Lagebesprechung vor Ort gesagt. Details wolle man nicht nennen. „Die Ermittlungen laufen", sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker am Sonntag.

Der riesige Waldbrand südwestlich von Berlin war nach Expertenmeinung am Samstagnachmittag unter Kontrolle. „Das Feuer breitet sich derzeit nicht weiter aus", sagte Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel. Es gebe jedoch immer wieder offene Flammen und Glutnester. Die Feuerwehr versucht derzeit über Schneisen tiefer in das Gebiet bei Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark zu gelangen und von dort aus zu löschen.

Einsatzkräfte verletzt

Beim Kampf gegen den riesigen Waldbrand südlich von Berlin haben sich mehrere Einsatzkräfte verletzt. Sechs Feuerwehrleute hätten sich seit Donnerstag leichtere Verletzungen zugezogen, sagte eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur. So hätten die Helfer etwa giftige Rauchgase eingeatmet oder Verletzungen an der Hand erlitten. Rund 400 Einsatzkräfte waren am Abend noch vor Ort. 

Verdacht der Brandstiftung

Die Einsatzkräfte kämpften nach Behördenangaben mit drei Brandherden rund um Treuenbrietzen und einem Feuer bei Jüterbog. Der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU), äußerte angesichts des gleichzeitigen Ausbruchs an drei Stellen bei Treuenbrietzen den Verdacht, der Brand könne gelegt worden sein. Aus dem Innenministerium hieß es jedoch, man habe keinerlei Erkenntnisse zur Brandursache. Es könne nichts ausgeschlossen werden.

Stein berichtete weiter, dass ein Feuerwehrmann bei den Löscharbeiten von Rauchgas verletzt wurde und ärztlich behandelt werden musste. Die Löscharbeiten mit mehr als 440 Kräften würden am Wochenende andauern.

Im Kampf gegen den Großbrand bekommt die Feuerwehr Unterstützung von Panzern der Bundeswehr. Ein Pionierpanzer sollte am Samstag Schneisen in den Wald bei Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark brechen. Damit könne die Feuerwehr näher an die letzten Glutnester herankommen, sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Samstagnachmittag nach einer Lagebesprechung.

Wie ein Sprecher der Bundeswehr auf dpa-Nachfrage bestätigte, handelt es sich bei dem Fahrzeug um einen Pionierpanzer "Dachs" der beim Pionierbataillon "803" in Havelberg stationiert ist. Auch zwei weitere Löschfahrzeuge der Bundeswehr vom Truppenübungsplatz Lenin sollten am Samstag die Feuerwehr im Kampf gegen die Flammen unterstützen.

Feuer breitete sich schnell aus

Das Feuer hatte sich rasch ausgebreitet: Nach zunächst fünf Hektar Waldbrandgebiet stand zuletzt eine Fläche in Flammen, die 400 Fußballfeldern entsprach. Gleichzeitig wurden neue Feuer aus der Nachbargemeinde Jüterbog gemeldet. Nach Angaben der Stadtverwaltung standen dort mehrere Hektar Fläche auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Flammen.

Mehr als 500 Menschen mussten wegen des Feuers, das sich am Donnerstagnachmittag von zunächst fünf Hektar rasch auf Hunderte ausgebreitet hatte, ihre Häuser verlassen. Sie verbrachten die Nacht bei Bekannten und in einer Notunterkunft. Betroffen waren die Dörfer Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen südlich von Potsdam. Es brannte eine Fläche so groß wie 400 Fußballfelder.

Die Einsatzkräfte bekämpften den rund 400 Hektar großen Brand rund um die Ortschaft Treuenbrietzen (Kreis Potsdam-Mittelmark) am Morgen auch wieder mit Löschhubschraubern. 

Es brannte eine Fläche so groß wie 400 Fußballfelder. Foto: Imago/Marius Schwarz

Das betroffene Areal ist den Behörden zufolge mehr als halb so groß wie die Schadensfläche der mehr als 400 vorhergehenden Brände im Land seit Jahresbeginn zusammengenommen. "Wir haben schon einige große Waldbrände in der Region gehabt. In dieser Dimension, wo es sich zwischen den Ortschaften bewegt, haben wir das noch nicht gehabt", sagte der Bürgermeister von Treuenbrietzen, Michael Knape.


Eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark sagte, sie rechne mit tagelangen Löscharbeiten rund um Treuenbrietzen. Die Glut reiche 40 bis 50 Zentimeter tief in den Waldboden. Wann die Bewohner der evakuierten Orte Klausdorf und Tiefenbrunnen in ihre Häuser zurückkehren können, war der Sprecherin zufolge am Freitagnachmittag weiter unklar. "Wir prüfen alle vier Stunden, ob die Sperrung aufgehoben werden kann." Die Häuser der Dörfer konnten bislang vor den Flammen geschützt werden. Der Ort Frohnsdorf war bereits am Freitagmittag wieder freigegeben worden. 

Boden mit Munition belastet 

Rund 600 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Wald liegen, erschwerten die Löscharbeiten. Feuerwehrleute können sich nicht gefahrlos bewegen. "Wir kommen stellenweise nicht ran, nur von befahrbaren und geräumten Wegen", sagte ein Sprecher der Einsatzleitstelle. Die Kräfte sind daher auf Unterstützung aus der Luft angewiesen, etwa von Helikoptern. Unter anderem vom Technischen Hilfswerk (THW) kam die Forderung, dass Löschflugzeuge auch in Deutschland verfügbar sein sollten.

Das Feuer wirkte sich auch auf den Bahnverkehr aus. Betroffen sei die Strecke zwischen Wannsee und Jüterbog, teilte die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) auf ihrer Internetseite mit. Demnach enden die Regionalbahnen des privaten Eisenbahnunternehmens bereits in Treuenbrietzen. Fahrgäste mussten auf Busse umsteigen. "Teilweise ist aber auch ein Ersatzverkehr nicht möglich, weil die Straßen gesperrt sind", sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag. Der Flugverkehr dagegen ist bislang nicht beeinträchtigt. "Die Flieger starten alle", sagte eine Flughafensprecherin am frühen Freitagmorgen in Berlin.

Rauchschwaden über Berlin

Südwestwind hatte die Rauchschwaden in der Nacht zum Freitag in die Hauptstadt hineingetragen. Die Bewohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten, erklärte die Feuerwehr. Außerdem sollten Lüftungsanlagen kontrolliert werden. Am Freitagvormittag drehte sich der Wind allerdings und der Rauch zog aus der Stadt ab.  Am Donnerstagabend waren zunächst lediglich die südöstlichen Stadtteile betroffen gewesen. In Spitzenzeiten seien es bis zu 50 Notrufe gewesen, die hätten abgearbeitet werden müssen, hieß es.

Wann das Feuer gelöscht ist, kann noch niemand sagen. Foto: Imago/Marius Schwarz

Eine Sprecherin des DWD erklärte am Freitag, es könne in der Nacht zu Samstag aber erneut zu einer Rauchbelastung in Berlin kommen.

Das Bild wurde in Bad Schmiedeberg im Landkreis Wittenberg aufgenommen, ca. 60 Kilometer entfernt vom eigentlichen Brandherd. Foto: dpa/Sascha Graf



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