Ritterserie Johanniter: Von Rittern und Rettern

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Osnabrück. Ein weißes, achtspitziges Kreuz auf rotem Grund – das verbinden wohl die meisten Menschen mit dem Johanniterorden. Oder doch eher mit den Maltesern? Tatsächlich führen beide Ordensgemeinschaften das gleiche Kreuz. Das ist kein Wunder, denn sowohl die katholischen Malteser als auch die protestantischen Johanniter haben gemeinsame Wurzeln.

Rund 150 Jahre später wandelte sich der Orden von der Spitalbruderschaft zu einem geistlichen Ritterorden, der auch militärische Aufgaben im Land der Kreuzfahrer übernahm. In Europa entstanden bald in nationalen Zusammenschlüssen sogenannte Zungen. Der heutige Johanniterorden ging aus der brandenburgischen Sektion (Balley) des ursprünglichen Ordens hervor, der nach seiner Ansiedlung auf Malta 1530 auch Malteserorden genannt wurde. Auch nach der Reformation blieben die protestantischen brandenburgischen Ritter lange Zeit lose in den Gesamtorden eingebunden. Erst 1852 entstand in Preußen der Johanniterorden als eigenständiger, rein evangelischer Ritterorden. Bis heute sind Malteser und Johanniter in einer Allianz miteinander verbunden.

Die Geschichte des deutschen Johanniterordens lässt sich nicht kompakter zusammenfassen als in seinem offiziellen Namen: Die Balley Brandenburg des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. Der altrechtliche Verein mit Sitz in Potsdam zählt heute nach eigenen Angaben rund 4000 Mitglieder, die sogenannten Ritter. Eigenständige Johanniterorden gibt es noch in Großbritannien, den Niederlanden und Schweden.

Ihren Wurzeln als Spitalbruderschaft sind die Johanniter treu geblieben. Über diverse Werke und Einrichtungen engagieren sie sich in der Kranken- und Altenpflege. Die Ordensregel verpflichtet die Mitglieder zu einem Doppelauftrag: Eintreten für den Glauben und Einsatz für Kranke und andere Hilfsbedürftige. Der Orden betreibt deutschlandweit in der Johanniter GmbH 13 Krankenhäuser, Fach- und Rehakliniken sowie Dutzende Altenpflegeeinrichtungen. Der breiten Öffentlichkeit sind die Johanniter vor allem durch die Rettungswagen geläufig, die für den Verein Johanniter-Unfall-Hilfe unterwegs sind. Präsident der Unfall-Hilfe ist seit Ende 2017 der frühere Leiter der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise. „Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist eine christliche Hilfsorganisation“, sagt Weise. „Diesen Anspruch bringen wir in dem, was wir tun, zum Ausdruck.“ (Hier weiterlesen: Frank-Jürgen Weise im Interview)

Tradition wird großgeschrieben beim Johanniterorden, an dessen Spitze der sogenannte Herrenmeister steht, aktuell Oskar Prinz von Preußen. Das Amt ist ihm quasi in die Wiege gelegt: Seit 1693 wurden ausnahmslos Hohenzollernprinzen zu Herrenmeistern gekürt. Obwohl sie nirgends festgeschrieben ist, hält der Orden an dieser Tradition fest. „Dadurch, dass wir eine über 900 Jahre alte Organisation sind, fühlen wir uns sehr der Tradition verpflichtet“, sagte Oskar von Preußen einmal in einem Interview. „Wir müssen nicht jedem Zeitgeist oder jeder Strömung hinterherhecheln, sondern können die Organisation ganz in Ruhe durch mal aufgeregte und mal weniger aufgeregte Zeiten steuern.“

Wer heute Ritter bei den Johannitern werden will, kann sich nicht bewerben, sondern muss von einem Mitglied angesprochen werden. Aufgenommen werden nur evangelische Männer, die nach einigen Jahren als Ehrenritter zum sogenannten Rechtsritter geschlagen werden.


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