Ritterserie Zwischen Auszeichnung und Hilfe

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Die britische Königin Elizabeth II. entscheidet, wer zu den 24 „Knight of the Garter“ gehört. Alljährlich versammeln sich die Ordensritter des Hosenbandordens in zum „Garter Day“ in Windsor Castle. Nach einem gemeinsamen Essen in der Waterloo Chamber prozessieren die Ritter, angeführt von der britischen Königin, zum Gottesdienst in die St. George’s Chapel, in der jeder Ritter seinen festen Platz hat. Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpaDie britische Königin Elizabeth II. entscheidet, wer zu den 24 „Knight of the Garter“ gehört. Alljährlich versammeln sich die Ordensritter des Hosenbandordens in zum „Garter Day“ in Windsor Castle. Nach einem gemeinsamen Essen in der Waterloo Chamber prozessieren die Ritter, angeführt von der britischen Königin, zum Gottesdienst in die St. George’s Chapel, in der jeder Ritter seinen festen Platz hat. Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa

Osnabrück. Wenn Adelige Ordensgemeinschaften ins Leben riefen, hatte das oft einen machtpolitischen Grund: Die Aufnahme in den Kreis der Auserwählten sollte Adel und Ritter an die Häuser binden. Bis heute ist diese Aufnahme eine Auszeichnung für besondere Verdienste, andere haben sich stärker geöffnet.

Die ehemaligen Premierminister Winston Churchill und Margeret Thatcher, Prinz William oder König Felipe von Spanien, sie alle haben eines gemeinsam: Sie gehören dem ältesten heute noch bestehenden Ritterorden und einem der exklusivsten Großbritanniens an, dem Hosenbandorden (Order of the Garter). Nur 24 sogenannte „Knight Companion“ ernennt der Souverän des Landes aufgrund ihrer Verdienste, jeweils auf Lebenszeit. Damit einher geht für Männer der Adelstitel „Sir“, für Frauen „Lady“. Wem er oder sie heute diese Auszeichnung verleiht, ist die alleinige Entscheidung des Monarchen. Das gilt auch für die zusätzlichen Ritter: Mitglieder der königlichen Familie sowie ausländische Monarchen.

Diese Exklusivität ist auch der Grund, warum seit der Stiftung des Ordens durch König Edward III 1348 in diesem Jahr erst das 1011. Mitglied hinzugekommen ist.

Um die Entstehung des Ordens ranken sich Legenden: War es wirklich das Strumpfband einer Tanzpartnerin des Königs, welches sowohl das Motto „Honi soit qui mal y pense“ (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt) als auch den Namen des Ordens inspiriert hat? Wissenschaftler gehendavon aus, dass der Garter, der heute von Männern am linken Bein und von Frauen am linken Arm getragen wird,aus einer Schwertbefestigung hervorgegangen ist.

Dagegen hat der Orden vom Goldenen Vlies, ebenfalls einer der exklusivsten heute, eine christliche Dimension. Anlässlich der Vermählung von Prinzessin Isabella von Portugal und Philipp dem Guten, Herzog von Burgund, stiftete der Burgunder Herzog den Orden 1430 den angesehensten Adeligen seiner Länder. Die Verleihung sollte die Idee des „Miles Christianus“, des christlichen Soldaten, stärken. Pretium non vile laborum (Kein geringer Preis der Arbeit), lautet das Motto. Mit dem Tod des letzten spanischen Königs aus dem Hause Habsburg teilte sich der Orden in zwei Linien: die österreichische und die spanische. Als sogenannter Hausorden wird das Widderfell als Ordenszeichen noch heute vom Oberhaupt des Hauses Habsburg verliehen. Anders als beim Hosenbandorden bleibt die Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft jedoch der Adelstitel ebenso wie der katholische Glaube. Auch in einem anderen Punkt sind die Briten moderner: Der Orden vom Goldenen Vlies ist ausschließlich Männern vorbehalten. Einzig in der spanischen Linie, dessen Großmeister König Felipe von Spanien heute ist, gibt es ein weibliches Mitglied: Thronfolgerin Leonore von Spanien wurde 2015 aufgenommen.

Es gibt jedoch nicht nur weltliche Orden, die als Auszeichnung dienen, sondern auch jene, die ihre Aufgabe in der karitativen Unterstützung sehen. Zu ihnen zählt heute der „Deutsche Ritterorden St. Georg“, einer von vielen deutschen und internationalen Orden, die den Schutzpatron im Namen tragen. „Wir helfen dort, wo es sonst keiner tut“, sagt Großmeister Markus Olden. Finanziert werden die unterstützten Projekte durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Events, so Olden. „Jeder hat die Möglichkeit beizutreten.“ Wobei nur Männer zu Rittern geschlagen werden, Frauen tragen den Titel Ordensdamen. Auch die Glaubensrichtung spielt keine Rolle. „Wir sind sowohl in der katholischen als auch der evangelischen Kirche zuhause.“

Die aktuell rund 60 Mitglieder verteilen sich auf ganz Deutschland, die USA und die Schweiz. Kann man mit einer so geringen Zahl überhaupt etwas ausrichten? „Die Zahl der Mitglieder ist nicht entscheidend, denn die benötigte Hilfe hört nie auf. Egal, ob man mit 60, 100 oder 300 Mitgliedern unterstützt“, sagt Markus Olden. Einmal im Jahr finde ein großes Treffen statt, jeden Monat würden sich die Mitglieder der einzelnen Regionen zusammensetzen, Neuigkeiten austauschen und Projekte besprechen.

Trotz aller Weiterentwicklung und einer gewissen Öffnung haben die prestigeträchtigen Orden ihren Pomp bis heute nicht verloren. So ziehen die Träger des Hosenbandordens einmal im Jahr, am St.-George-Day, in ihren prächtigen Roben durch den Innenhof von Schloss Windsor zur St. George’s Chapel, seit Beginn die spirituelle Heimat es Ordens. Bis heute sind die Wappen aller Träger des Hosenbandordens dort zu sehen – oder fast. Während des Zweiten Weltkriegs wurden unliebsame Mitglieder entfernt.


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