Den "Drachenlord" im Visier Hass-Demo gegen YouTuber: Polizei riegelt bayrisches Dorf ab

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Die Polizei hatte vor Ort viel zu tun – zahlreiche Platzverweise wurden ausgesprochen. Screenshot: Youtube/ShaneTSGTVDie Polizei hatte vor Ort viel zu tun – zahlreiche Platzverweise wurden ausgesprochen. Screenshot: Youtube/ShaneTSGTV

Altschauerberg. Knapp Zehntausend wollten kommen, am Ende waren es Hunderte: In Bayern musste die Polizei ein gesamtes Dorf abriegeln, weil Internetjünger dem "Drachenlord" einen Besuch abstatten wollten. Der Streit zwischen ihm und seinen Widersachern schwelt seit Monaten.

Ursprünglich hatte die bayrische Polizei in der Region Franken mit dem DFB-Pokal-Spiel in Fürth alle Hände voll zu tun - Tausende besuchten dort am Montagabend die Partie gegen Borussia Dortmund. Doch plötzlich musste ein Teil des Unterstützungskommandos (USK) dort abgezogen werden, um im rund 25 Kilometer entfernen Dorf Altschauerberg eine andere brisante Lage im Griff zu behalten: Einen über Social Media organisierten Auflauf von rund 200 jungen Menschen.

Sie waren gekommen, um "dem 'Drachenlord' das Fürchten zu lehren" – einem Youtube-Künstler, der in der Szene höchst umstritten ist. "Drachenlord", bürgerlich Rainer W., veröffentlicht seit Jahren Videos und hält Livestreams ab – darin geht es vor allem um Metal-Musik, Videospiele und um seinen Alltag. Seine Aussagen sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen, unter anderem lud er sämtliche seiner Widersacher persönlich in das 40-Seelen-Dorf ein und drohte ihnen mit Gewalt. Viele folgten dieser Einladung – und betonen immer wieder, friedliche Absichten zu haben.

Bereits mehrere TV-Dokus befassten sich mit den realen Folgen des Internetmobbings gegen den "Drachenlord":



Mittlerweile reisen täglich Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet an. Die Aufnahmen landen immer wieder im Netz. Auf ihnen ist oftmals auch Rainer W. zu erkennen, wie er versucht, die ungebeten Gäste zu vertreiben. Einen unrühmlichen Höhepunkt fand dieses Treiben, als Unbekannte das Grab von W.s Vater schändeten. 

Versammlungsverbot erlassen

Für Montag bekundeten knapp Zehntausend Menschen ihr Interesse für das "Schanzenfest" auf Facebook: Die "Haider", wie Rainer W. seine Gegner selbst nennt, kündigten an, gesammelt vor dem Haus des "Drachenlords" aufzutauchen. Zuvor hatten die Sicherheitsbehörden ein Versammlungsverbot erlassen, im Netz warnten sich die Anreisenden gegenseitig, dass sie mit Anzeigen und Bußgeldern rechnen müssten. 



Zahlreiche Menschen fanden sich dennoch im nahegelegenen Emskirchen ein, um von dort zur sogenannten "Drachenschanze" zu laufen, dem Wohnhaus W.s – doch die Polizeiabsperrungen sorgten dafür, dass keiner der Besucher sein Ziel erreichte, alle Zufahrtsstraßen wurden kontrolliert. Bis mindestens Dienstagmittag durften nur noch Anwohner in das Dorf. 

Die Lage war zuvor dennoch angespannt, es gab offenbar mehrere Versuche, an verschiedenen Stellen Feuer zu legen, Feuerwerkskörper wurden gezündet. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gab es mehrere Festnahmen, zahlreiche Platzverweise wurden ausgesprochen.


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