Eid ul-Adha Ursprung, Ablauf und Bedeutung: Was Sie über das islamische Opferfest wissen sollten

Von Anna Behrend, Benjamin Beutler und Christopher Chirvi

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Sowohl am ersten Morgen des Opferfests als auch am ersten Morgen des Fastenbrechenfests wird gemeinsam gebetet – in der Moschee oder auf einem speziell dafür vorgesehenen offenen Platz. Foto: dpa/Saudi Press AgencySowohl am ersten Morgen des Opferfests als auch am ersten Morgen des Fastenbrechenfests wird gemeinsam gebetet – in der Moschee oder auf einem speziell dafür vorgesehenen offenen Platz. Foto: dpa/Saudi Press Agency

Mekka. Schächten in Deutschland, der Ursprung von Eid ul-Adha und der islamische Kalender: Fragen und Antworten zum Opferfest.

Für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit beginnt am Dienstag das Opferfest. Das Eid ul-Adha (عيد الأضحى) genannte Fest ist das wichtigste im Islam und wird zum Ende der Wallfahrt nach Mekka (Hadsch) gefeiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Folgenden:

Bei gläubigen Muslimen ist es üblich, zur Feier des Festes ein Tier zu opfern. Warum?

Das Fest soll an die Bereitschaft Abrahams erinnern, einen Sohn zu opfern, um Gott seinen Glauben zu beweisen. In dieser überlieferten Geschichte stoppt Gott ihn allerdings und lässt ihn stattdessen ein Tier opfern. Deswegen wird bei gläubigen Muslimen bis heute ein Tier geopfert – wenn sie es sich finanziell leisten können. Ein Teil des Fleisches wird dann an Bedürftige verteilt, zudem ist es üblich, allen Freunden und Verwandten die besten Wünsche zu versichern. 

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Warum ist die Schlachtung hierzulande umstritten?

Geschlachtet werden in der Regel Schafe, aber auch andere domestizierte Tiere wie Ziegen, Rinder und Kamele. Beim Schächten, dem rituellen Schlachten, wird das Tier ohne Betäubung mit einem Schnitt quer durch die Halsunterseite getötet, wobei die großen Blutgefäße sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden. Der Grund dafür ist, dass gläubige Muslime auf den Verzehr von Blut verzichten, da es im Islam als unrein gilt. 

In Deutschland ist diese Form der Schlachtung zwar grundsätzlich verboten, nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (Schächturteil) werden muslimischen Metzgern aber Ausnahmegenehmigungen zum betäubungslosen Schächten erteilt. Voraussetzung ist, dass das Fleisch von Personen verzehrt wird, denen zwingende religiöse Vorschriften den Verzehr des Fleisches nicht geschächteter Tiere verbieten.

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Opfern Muslime also auch in Deutschland Tiere zum Fest?

In Niedersachsen wurde für dieses Jahr eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Ein Schlachtbetrieb habe mit einer Sondergenehmigung eine niedrige dreistellige Zahl von Tieren geschächtet, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover am Montag mit. Der Großteil des nach islamischem Ritus geschlachteten Fleisches in Deutschland wird importiert. Auch in den Vorjahren hatte Niedersachsen zum Opferfest das Schächten von jeweils etwa rund 200 Tieren durch einen Schlachtbetrieb erlaubt.

Seit wann wird Eid ul-Adha gefeiert? 

Zur Erinnerung an die bereits erwähnte Geschichte, die im Koran in Sure 37,99–113 erzählt wird, führte der Prophet Mohammad das Opferfest während seiner ersten Pilgerfahrt ein. Bis heute reisen dazu jedes Jahr Millionen Muslime nach Mekka. 

Was hat diese Pilgerreise für eine Bedeutung?

Die Wallfahrt nach Mekka, die Hadsch, ist die Fünfte Säule des Islam und damit eines der wichtigsten Gebote für Muslime. Jeder Muslim sollte diese Wallfahrt einmal im Leben unternehmen, die nur dann als Hadsch bezeichnet wird, wenn sie während des Pilgermonats Dhul Hidscha unternommen wird. Außerhalb dieser Zeit spricht man von der "Kleinen Pilgerfahrt" – der Umra. Die vier weiteren Säulen setzen sich aus dem öffentlichen Glaubensbekenntnis, dem täglichen rituellen Gebet, der sozialen Spende und dem Fasten während des Ramadan zusammen.

Warum führt die Pilgerfahrt nach Mekka?

Mekka ist die heiligste Stadt des Islams, da der Prophet Mohammed dort geboren wurde und nach islamischer Überlieferung die ersten Offenbarungen empfangen hat. Mekka war jedoch schon in vorislamischer Zeit ein Pilgerort. 


Wie läuft das Opferfest ab?

Sowohl am ersten Morgen des Opferfests als auch am ersten Morgen des Fastenbrechenfests wird gemeinsam gebetet – in der Moschee oder auf einem speziell dafür vorgesehenen offenen Platz. Die Besonderheit dabei ist, dass die Ansprache (meist durch den Imam) nach dem Gebet, und nicht davor erfolgt, wie es beim Freitagsgebet üblich ist. Für Sunniten ist die Teilnahme Pflicht, Ausnahmeregelungen gelten für Gläubige, die sich auf der Pilgerfahrt nach Mekka befinden.

Anschließend werden die Moschee oder der Friedhof besucht, um verstorbenen Verwandten und Freunden zu gedenken. Danach wird die Verwandtschaft und Bekanntschaft besucht und gemeinsam im festlich geschmückten Haus gegessen. Zudem werden Geschenke verteilt – an Bedürftige und insbesondere Kinder, die sich in größeren Städten zu kirmesartigen Festen mit Karussells und Süßigkeiten zusammenfinden.

Warum findet es jedes Jahr an einem anderen Tag statt?

Im vergangenen Jahr fand das Opferfest am 1. September statt, dieses Jahr am 21. August. Der Grund dafür ist der islamischen Kalender, der sich komplett nach dem Mond richtet. Seine Jahre bestehen aus zwölf Mondmonaten, die 29 oder 30 Tage lang sind, ein Jahr ist im Durchschnitt etwa 354 1⁄3 Tage lang – also etwa elf Tage kürzer als die etwa 365 1⁄4 Tage langen Sonnenjahre der christlichen Zeitrechnung. Dadurch verschiebt sich auch das Opferfest im Sonnenkalender rückwärts um meist elf Tage pro Jahr und kann zu jeder Jahreszeit stattfinden. 2019 findet das Opferfest am 11. August statt.



(mit dpa)


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