Nach Katastrophe in Italien Genua: Autobahnbetreiber bestreitet Schuld am Brückeneinsturz

Von dpa

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Wer trägt die Hauptschuld am folgenschweren Brückeneinsturz? Foto: imago/Independent Photo AgencyWer trägt die Hauptschuld am folgenschweren Brückeneinsturz? Foto: imago/Independent Photo Agency

Genua. Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke sind wohl alle Vermissten geborgen. Die Suche nach den Verantwortlichen geht unterdessen weiter. Der Betreiber der Autobahnbrücke bestreitet, Schuld an dem Unglück zu sein.

Ein bei dem Brückeneinsturz in Genua verletzter Mann ist im Krankenhaus gestorben. Dies bestätigte ein Sprecher des San Martino Hospitals in der norditalienischen Stadt. Damit erhöht sich die inoffizielle Zahl der Todesopfer auf 43. 40 davon sind offiziell bestätigt, drei Leichen müssen über forensische Untersuchungen zunächst identifiziert werden. Ansa hatte am Samstagmorgen berichtet, es handle sich um ein 9-jähriges Mädchen und seine Eltern. Die drei seien am Dienstag mit dem Auto auf der Morandi-Brücke unterwegs gewesen, als die Straße unter ihnen nachgab.

Unterdessen weist die private Betreibergesellschaft Autostrade per l'Italia die Verantwortung für den verheerenden Brückeneinsturz von sich. «Wir denken nicht, dass die Voraussetzungen vorliegen, Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, dessen Ursache zunächst noch ermittelt werden muss», sagte Hauptgeschäftsführer Giovanni Castellucci auf einer Pressekonferenz am Samstag. Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte. Premierminister Giuseppe Conte hatte bereits am Freitag einen Prozess eingeleitet, um der Betreibergesellschaft ihre Lizenz zu entziehen.

Die Behörden hatten am Donnerstag zunächst gemeldet, dass noch 10 bis 20 Menschen vermisst würden. Am Freitag fiel die Zahl auf fünf, nachdem sich weitere Vermisste bei der Not-Hotline oder bei Verwandten gemeldet hatten. Auch ein vermisster deutscher Tourist meldete sich nach italienischen Medienberichten, um zu sagen, dass es ihm gut gehe.

Der Samstag wurde zum nationalen Trauertag erklärt. Am späten Vormittag fand eine Trauerfeier für die Todesopfer statt. «Auf Genua schaut derzeit die ganze Welt, in einer großen Umarmung aus Emotionen, Zuneigung und Erwartung», sagt Erzbischof Angelo Bagnasco.

Die Feuerwehrleute wurden bei ihrer Ankunft bei der Feier mit Applaus begrüßt. Zuvor hatte Präsident Sergio Mattarella den Unglücksort in Genua besucht, um den Rettern zu danken.

Bei der Zeremonie gab es lediglich 18 Särge: Einige Angehörige von Opfern nahmen aus Protest gegen die Regierung nicht an der Veranstaltung teil, wie Medien berichteten. Andere hielten Trauerfeiern in ihren eigenen Gemeinden ab, wie etwa im piemontischen Alessandria oder im süditalienischen Torre del Greco.

Nach der Trauerfeier kündigte die italienische Regierung an, weitere 28,5 Millionen Euro Soforthilfe bereitzustellen, zusätzlich zu den am Mittwoch angekündigten 5 Millionen Euro.

Der Versicherer Allianz ist gleich zweifach vom Brückeneinsturz im italienischen Genua betroffen: Der Konzern gehört nicht nur zu den Versicherern des Bauwerks, sondern ist auch an der Betreibergesellschaft Autostrade per l’Italia beteiligt, wie eine Allianz-Sprecherin am Samstag bestätigte. Zuvor hatte die «Welt am Sonntag» darüber berichtet.

Die Allianz gehöre als kleiner Partner einem Konsortium an, das das Bauwerk versichert habe, hieß es. Die Beteiligung bewege sich im einstelligen Prozentbereich.

Im Sommer 2017 hatte sich ein Konsortium aus Allianz, dem französischen Versorger EDF und dem niederländischen Fonds DIF mit 6,94 Prozent an Autostrade per l’Italia beteiligt. Auf den deutschen Versicherer entfallen 60 Prozent der Anteile an dem Konsortium.


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