Umstrittene Sperrzonen Kinderverbote in Lokalen: Diese Fälle sorgten für Aufsehen

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2015 brachten die Betreiber des Düsseldorfer Biergartens "Sonnendeck" Verbotsschilder für Kinder vor dem Eingang ihres Sandbereichs an. Foto: dpa/Federico Gambarini2015 brachten die Betreiber des Düsseldorfer Biergartens "Sonnendeck" Verbotsschilder für Kinder vor dem Eingang ihres Sandbereichs an. Foto: dpa/Federico Gambarini

Hamburg. Ein Restaurant auf Rügen macht momentan Schlagzeilen, indem es Kinder aussperrt. Es ist allerdings nicht der erste Fall.

Ab 17 Uhr haben Kinder keinen Eintritt mehr: Das Rügener Restaurant "Omas Küche und Quartier" in Binz machte in dieser Woche Schlagzeilen, nachdem es angekündigt hatte, Kinder unter 14 Jahren künftig zeitweise auszusperren und gleichzeitig damit warb: "Das erste kinderfreie Restaurant in Binz und auf ganz Rügen, zumindest ab 17 Uhr – Gäste ab 14 Jahre herzlich willkommen!", heißt es auf der Homepage des Lokals. Vor 17 Uhr haben "Eltern und Großeltern darauf zu achten, dass die lieben Kleinen sich auch entsprechend benehmen, artig mit ihrem Arsch am Tisch sitzen bleiben, nicht alles angrabbeln und weder andere Gäste noch Kellner nerven." 

In den sozialen Netzwerken gehen die Meinungen über die Maßnahme stark auseinander, sie reichen von Kommentaren wie "das Allerletzte" und "echt krank" bis zu "endlich jemand, der aufgrund oftmals mangelhafter Erziehung der Kinder Rücksicht auf die anderen Gäste nimmt".

In einem Gespräch mit der "Welt" begründet Restaurant-Inhaber Rudolf Markl diesen Schritt damit, dass ein Arbeiten mit Kindern in seinem Restaurant nur noch unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen sei. "Die Freiheit der Kinder hört da auf, wo die Freiheit der anderen Gäste beschnitten wird", sagt er – betont aber gleichzeitig, dass es nicht direkt gegen den Nachwuchs gehe, sondern gegen "ignorante Eltern"

Ruhebereiche und Poller gegen Kinderwagen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Restaurant zu einer solchen Maßnahme greift. Das "Café Niesen" im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, nur ein paar Schritte vom Mauerpark entfernt, machte vor rund acht Jahren bundesweit auf sich aufmerksam, als es eine "kinderfreie Zone" einrichtete. Die Betreiber hatten damals ein Schild mit der Aufschrift "Neu: Für Ältern ohne Kinder“ an eine Tür geklebt, durch die es in einen Raum für Menschen geht, "die ein bisschen mehr Ruhe möchten", wie es einer der Betreiber damals im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" formulierte. Man habe das Angebot auf Wunsch vieler Gäste eingerichtet und 98 Prozent der Kunden seien begeistert gewesen. Außerdem habe man die Sache mit einem Augenzwinkern gesehen – und deshalb auch Eltern "mit ä wie Ältere" geschrieben. Trotzdem ließen die Kritiker auch dort nicht lange auf sich warten. 

Deutlich drastischer sind ein paar Monate später die Betreiber eines anderen Berliner Cafés vorgegangen: Im Eingang der "Barn Roastery" steht ein dicker Betonpoller, der verhindern soll, das Kinderwagen in die Räume geschoben werden. An der Tür davor klebt ein Piktogramm, das dieses Verbot zusätzlich verdeutlichen soll. 

Sorgte für viel Aufsehen: Der Poller gegen Kinderwagen im Eingang des Cafés "Barn Roastery" in Berlin. Foto: dpa/Ole Spata

Auch dieser Fall schlug hohe Wellen, schaffte es bis in den britischen Guardian. Die "Barn Roastery" begründete das Verbot mit einem erhöhten Rauch- und Brandrisiko durch den Kaffeeröster, außerdem gehöre es zum Konzept, dass die Gäste ihren Kaffee "in Ruhe zelebrieren" können. Allein für Rollstuhlfahrer könne der Poller entfernt werden. 

"Den Kindern machen wir keinen Vorwurf"

Viel Gegenwind haben vor drei Jahren auch die Betreiber des Biergartens "Sonnendeck" im Düsseldorfer Stadtteil Lörick erfahren. Sie hatten den Sandbereich ihres direkt am Rhein gelegenen Lokals zu Beginn der Saison 2015 gleichzeitig für Kinder und Hunde gesperrt, nachdem sich diese dort zuvor jahrelang aufhalten durften – und dieses Verbot mit entsprechenden Hinweisschildern gekennzeichnet. Auf den Liegestühlen sollten sich die Gäste auch tatsächlich entspannen können. 

Auch wenn es dafür ebenfalls viel Kritik gab: "Wir würden es nicht mehr rückgängig machen", sagt "Sonnendeck"-Betriebsleiterin Annabell Schmidt heute im Gespräch mit dieser Redaktion. "99 Prozent der Besucher haben dafür Verständnis." Da Eltern zuvor einfach nur dabei zugesehen hätten, wie ihre Kinder andere Gäste mit Sand bewerfen, Aschenbecher und Gläser damit befüllen und Schlamm auf den Bänken verteilen, sei man zu einer Konsequenz gezwungen gewesen. 

Schmidt aber betont, ebenso wie ihr Rügener Kollege Markl, dass nicht die Kinder die Schuldigen seien. "Es sind die Eltern, die sie einfach unbeaufsichtigt lassen. Den Kindern machen wir keinen Vorwurf." 

In Düsseldorf haben sich die Gemüter nach der Sperrung übrigens schnell wieder beruhigt. Nachdem der 500 Quadratmeter große Ruhebereich für unter 14-Jährige gesperrt wurde, errichteten die Café-Betreiber auf einem anderen Teil des 3500-Quadratmeter-Areals einen neuen Spielplatz – ebenfalls umzäunt, um ihn von Hunden frei zu halten. Die dürfen sich dafür auf dem restlichen Gelände austoben.


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