Serie Ritterorden damals und heute Heute noch aktiv: der Ritterorden vom Heiligen Grab

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Erkennungszeichen der Ritter vom Heiligen Grab: Das fünffache, rote Kreuz. Foto: dpaErkennungszeichen der Ritter vom Heiligen Grab: Das fünffache, rote Kreuz. Foto: dpa

Osnabrück. Die einen bezeichnen den Orden als elitäre Gemeinschaft, andere sehen ihn als Spenden-Organisation mit Vereinsleben. Für Hermann Sommer bedeutet seine Mitgliedschaft im Ritterorden vom Heiligen Grabe vor allem Gebet, Nächstenliebe und Gemeinschaft.

Hermann Sommer ist einer von 1500 deutschen Rittern und Damen vom Heiligen Grab zu Jerusalem. „Darüber sind sehr persönliche Freundschaften entstanden. Man teilt vieles, das man einem normalen Bekannten nicht erzählen würde“, sagt Hermann Sommer. Das Opfer für das Heilige Land ist für den 80-Jährigen aber ebenso wichtig.

Die Wurzeln des Ordens reichen zurück bis ins 14. Jahrhundert. Damals erlaubte der Papst den Franziskanern, die sich um das Grab Jesu kümmerten, adeligen Pilgern den begehrten Ritterschlag an dieser heiligen Stätte zu erteilen. Eine Art Beleg für den persönlichen Erfolg – wie die Pilgerurkunde, die Absolventen des Jakobsweges bekommen. 1868 gründete Jahr Papst Pius IX. den Ritterorden in seiner heutigen Form.

Keine Feldzüge

Von Anfang an ging es bei den Grabesrittern nicht um Kreuzzüge, schimmernde Rüstungen und Schwerter. Zu Beginn schlugen noch Franziskaner die Pilger zu Rittern – und verbanden diese Ehre geschickt mit dem Zahlen von Almosen. Die Ritter versprachen, sich um die Kirche in Israel zu kümmern. Heute ist die Investitur, also das Einkleiden als Ritter oder Dame Aufgabe der sogenannten Großpriore, der geistlichen Leiter des Ordens. In Deutschland ist das zum Beispiel Kardinal Reinhard Marx.

Am Kern der Sache hat sich bis heute nicht viel geändert: Wer bei den Grabesrittern mitmachen will, lässt sich nicht nur auf eine christliche Gemeinschaft ein, sondern auch auf regelmäßige Spenden. Damit unterstützen die Grabesritter Christen in Israel, Palästina und Jordanien – in erster Linie sind das Palästinenser christlichen Glaubens. Das Geld fließt in den Unterhalt von Kirchen, Schulen, Kindergärten und Altenheimen. Die Ritter unterstützen aber auch die Ausbildung von Priestern, Lehrern und Studenten. Der Wahlspruch des Ordens: „Deus lo vult“ – übersetzt: Gott will es.

Geld im Zentrum?

Was mit dem Geld passiert, schauen sich die Mitglieder regelmäßig vor Ort an, erzählt Hermann Sommer. „Ich bin ein Dutzend Mal mit anderen Rittern im Heiligen Land gewesen. Das ist anders, als dort als Tourist unterwegs zu sein. Wir begegnen den Menschen, um die wir uns kümmern. Die Dankbarkeit dieser Menschen ist für mein Leben sehr wichtig geworden.“

Steht eigentlich das Geld im Zentrum der Vereinigung? Immerhin sammelt der Orden im Gegensatz zu Fundraising-Organisationen kein Geld bei anderen ein, sondern bringt die Mittel zur Unterstützung der Christen in Israel selbst auf. Herrmann Sommer meint: „Das Wesentliche ist die Liebe zum Heiligen Land und zu den Menschen, die dort leben. Ich bin der Meinung: Die Aufnahme darf nicht am Geld scheitern.“

Mantel und Jerusalemkreuz

Im Gegensatz zu anderen Vereinigungen kann man jedoch nicht einfach einen Mitgliedsantrag ausfüllen. Neue Mitglieder werden angesprochen. Sie müssen – so heißt es – bereit sein, den Katholizismus im Heiligen Land in besonderer Weise zu fördern. Mindestalter: 25 Jahre.

Wer diese Hürde überwunden hat, wird in einer feierlichen Messe in den Ritterorden aufgenommen, bekommt ein Jerusalemkreuz – ein rotes Kreuz mit vier kleinen Kreuzen, einen Ordensmantel und einen Ritterschlag. Neue Mitglieder sind häufig älter als 50 Jahre, das Durchschnittsalter liegt dementsprechend über 60.

Der Ritterschlag, der zuvor im Geheimen vollzogen wurde, findet heute öffentlich statt. Der Orden hat aktuell nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder in 36 Staaten.

Frauen erwünscht

Interessant: Schon 1888 durften Frauen in den Orden eintreten – mit gleichen Rechten und Pflichten. In Deutschland führte das allerdings nicht zu einer gleichmäßigen Zusammensetzung: Nur 17 Prozent der Mitglieder sind Damen.

Wenn man einmal vom christlichen Kern des Ritterordens absieht, gibt es viele Parallelen zum klassischen deutschen Vereinsleben: Etwa einmal im Monat trifft man sich. Zweimal im Jahr werden in feierlichen Gottesdiensten neue Mitglieder aufgenommen, dazwischen gibt es mal ein Wochenende im Kloster mit Gottesdiensten und Vorträgen und natürlich die Reisen nach Israel.

Wenn Hermann Sommer, wie in der vergangenen Woche, ein neugeborenes Urenkelkind in Berlin besucht, planen seine Frau und er die Reise nicht, ohne an Ordensmitglieder zu denken. Sie besuchen dann auch noch einen Ordensbruder.


Interview mit Detlef Brümmer, Statthalter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und damit höchster Repräsentant des Ordens in Deutschland.

Herr Brümmer, was ist denn heute überhaupt noch ritterlich an den Rittern vom Heiligen Grab?

Ritterlich sein heißt dienen. Ein Ritter hat früher seinem Herrn oder seiner Aufgabe gedient. Wir dienen heute drei großen Zielen: dem Heiligen Land, indem wir für die Christen dort sorgen, dem Glauben, indem wir ihn privat und öffentlich bekennen, und drittens Kirche und Gesellschaft. Das ist das Gegenteil von Selbstverwirklichung. Wir sagen: Wir wollen etwas für andere tun. Das bedeutet auch, dass wir Opfer bringen wollen, insbesondere für die Menschen und die Stätten im Heiligen Land – das alles auf der Grundlage der Spiritualität des Heiligen Grabes.

Inwieweit hängt die Mitgliedschaft am Geldbeutel eines Bewerbers?

Wir haben einen Jahresbeitrag in Höhe von 360 Euro. Darüber hinaus hängt es von den Möglichkeiten des Einzelnen ab. Für den einen sind 100 Euro zusätzliche Spende viel, für den anderen sind 1000 Euro wenig. Die Summen sind alle nicht geheim: Der Orden bringt weltweit jährlich 12 Millionen Dollar auf, also rund 10,6 Millionen Euro. Wir in Deutschland haben mit rund 1500 Mitgliedern daran einen Anteil zwischen 1,7 und 2 Millionen Euro – pro Mitglied sind das also im Schnitt um die 1300 Euro. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Auch geistliche Ordensbrüder ohne eigenes Einkommen sind bei uns Mitglied. Für sie bringt dann die Gemeinschaft vor Ort den Jahresbeitrag auf.

17 Prozent der Mitglieder in Deutschland sind Frauen. Warum ist dieser Anteil so gering?

Der Anteil der Frauen als Mitglieder wächst wie bei allen öffentlich tätigen Gemeinschaften auch bei uns langsam. Männer sind vielleicht auch eher bereit, in einem Rittermantel aufzutreten. Aber die Gleichberechtigung ist uns sehr wichtig. Alle Laienämter können bei uns auch von Frauen ausgeübt werden. Wir haben in Deutschland zum Beispiel eine Kanzlerin – das ist die Geschäftsführerin nach dem Statthalter und viele Frauen in wichtigen Ämtern der deutschen Statthalterei.

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