zuletzt aktualisiert vor

A19 nach Sperrung wieder frei Flixbus umgekippt – 22 Menschen bei Unfall nahe Rostock verletzt

Von dpa und Susan Ebel

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Fernbus, der auf der A19 bei Rostock in den Graben gekippt ist, ist geborgen worden. Foto: dpaDer Fernbus, der auf der A19 bei Rostock in den Graben gekippt ist, ist geborgen worden. Foto: dpa

Malchow. Bei dem Unfall mit einem Fernbus auf der A19 in Mecklenburg-Vorpommern sind am Freitag 22 Menschen verletzt worden. Einige davon schwer. Die Sperrung der Autobahn ist aufgehoben worden.

Der bei Rostock verunglückte Fernbus des Unternehmens Flixbus kam aus Schweden und war mit zwei Busfahrern an Bord unterwegs. Das sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Freitag. Die Buslinie führe von Schweden über Dänemark nach Berlin. Laut Fahrplan starten die Fernbusse auf dieser Linie um 23.40 Uhr in der dänischen Hauptstadt.

Mehr als 60 Passagiere saßen nach Unternehmensangaben in dem Fahrzeug. Dieses war am Freitagmorgen aus zunächst ungeklärter Ursache auf der A19 bei Linstow nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und in einen Graben gefahren. Laut Polizei kippte er schräg zur Seite. 16 Menschen waren nach erster Einschätzung verletzt worden, acht davon schwer. Eine Frau wurde unter dem Bus eingekeilt. Später wurde die Zahl der Verletzten auf 22 korrigiert. "Wir können noch nicht abschließend sagen, wie viele Personen insgesamt mit Verletzungen betroffen sind", sagte Michael Fengler, Pressesprecher vom Landkreis Rostock. 

Nach dem Unfall auf der A19 bei Rostock stehen zahlreiche Reisende neben dem Bus. Foto: Stefan Tretropp

Zum Zustand der beiden Busfahrer konnte die Polizei noch keine genauen Angaben machen. Der Busfahrer, der zum Zeitpunkt des Unfalls hinter dem Steuer saß, wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Er wird am Nachmittag vernommen. Ein Atemalkoholtest vor Ort ergab, dass der Fahrer nüchtern war.

Neben zahlreichen Rettungskräften wurden auch vier Rettungshubschrauber zur Unfallstelle beordert.

Die Autobahn in Richtung Berlin war von etwa 6.30 Uhr bis etwa 13 Uhr komplett gesperrt. In den kommenden Stunden wird die Fahrbahn in Richtung Berlin für Reparaturarbeiten noch einmal halbseitig gesperrt, teilte das Polizeipräsidium Rostock eben via Twitter mit. 

Umfassende Sicherheitskontrollen bei Flixbus

Auf Anfrage bei Flixbus teilte der Pressesprecher des Unternehmens, Martin Mangiapia, sein Bedauern über den Unfall mit. Der Fernreisebus sei im Auftrag von Flixbus planmäßig zwischen Rostock und Berlin unterwegs gewesen. Von Seiten der Firma seien außerdem Sicherheitsvorkehrungen wie Gurte an den Sitzen vorhanden gewesen. "Kontinuierliche, umfassende interne und externe Sicherheitskontrollen machen den Fernbus zu einem der sichersten Verkehrsmittel. "

In unangemeldeten Kontrollen prüft etwa der TÜV SÜD Auto Plus klar definierte Sicherheitsaspekte wie Bereifung, Karosserie oder Beleuchtung. Durch klar geregelte Lenk- und Ruhepausen wird sichergestellt, dass Flixbus-Fahrer jederzeit konzentriert am Steuer sitzen. Eine rund um die Uhr besetzte Betriebssteuerung steht den Fahrern zudem jederzeit zur Verfügung – sie überwacht auch den Verkehr und kann während der Fahrt Hilfestellung leisten," teilte Flixbus mit.


"Fernbusse sind sicher."Christian Hief, ADAC-Sprecher

Der ADAC sieht derweil kein Sicherheitsproblem bei Fernbussen. „Das Risiko, mit einem Reisebus zu verunglücken, ist 14 Mal geringer als mit dem eigenen Auto", sagte der Sprecher des ADAC Hansa, Christian Hief, am Freitag nach dem Flixbus-Unglück. „Fernbusse sind sicher." Nach der Bahn seien sie das sicherste Verkehrsmittel. Die Zunahme von Busunfällen in den vergangenen Jahren liege vor allem an der stark gestiegenen Zahl von Busreisen. So seien in Deutschland mittlerweile weit mehr als 20 Millionen Fahrgäste pro Jahr mit den Bussen unterwegs, sagte Hief.  

Auf eigenen Instinkt vertrauen

Die Ursachen seien in der Regel keine technischen Mängel, sondern meist trotz zahlreicher gesetzlicher Regelungen der „Faktor Fahrer". Durch Assistenzsysteme seien gerade moderne Busse aber trotzdem sehr sicher. Fahrgäste sollten dennoch aufmerksam bleiben, empfahl Hief. Wenn Reifen oder das gesamte Fahrzeug in jämmerlichen Zustand seien, solle man besser nicht ein- oder bei der nächsten Gelegenheit aussteigen.

Gleiches gelte, wenn der Fahrer einen übermüdeten, unkonzentrierten oder vielleicht sogar angetrunkenen Eindruck mache. „Wenn ich ein ungutes Gefühl habe, sollte man auf seinen Instinkt vertrauen", sagte Hief. „Aber das wichtigste ist: Es gibt eine Anschnallpflicht in Bussen und die ist nicht ohne Grund da." Im Ernstfall könne der Beckengurt Leben retten. 


Schwere Busunfälle auf deutschen Straßen

Der Unfall eines Reisebusses auf der A19 ist eines von vielen Busunglücken auf deutschen Straßen in den vergangenen Jahren. Viele Unfälle waren deutlich folgenschwerer als der am Freitag in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Überblick:  

  • Juni 2018: Bei stockendem Verkehr fährt ein Bus auf der A5 bei Karlsruhe auf einen Müllwagen auf. Eine Frau stirbt, weitere 31 Menschen werden verletzt.  
  • Juli 2017: 18 Menschen sterben in den Flammen, als auf der Autobahn 9 in Bayern ein Reisebus auf einen Sattelzug auffährt und sofort in Brand gerät. 30 weitere werden verletzt.  
  • Oktober 2015: Ein mit Schülern aus Sachsen besetzter Bus verunglückt auf der A4 bei Erfurt. Er kommt nach einem Überholmanöver von der Straße ab und kippt um. Ein Junge stirbt.  
  • Dezember 2014: Bei einem Busunfall auf der A4 bei Bad Hersfeld in Hessen kommen fünf Menschen ums Leben. Der Bus stieß mit einem schlingernden Auto zusammen und stürzte eine Böschung hinab.  
  • Juli 2014: Elf Menschen sterben, als auf der A4 bei Dresden ein Reisebus aus Polen auf einen ukrainischen Bus auffährt.  
  • September 2010: 14 Polen sterben bei Berlin, als ihr Bus von einem Auto gerammt wird und gegen einen Brückenpfeiler kracht.  
  • November 2008: Nahe Hannover geht auf der A2 ein Reisebus wegen eines technischen Defekts in Flammen auf. 20 Mitglieder einer Reisegruppe auf dem Rückweg von einer Kaffeefahrt kommen ums Leben. 

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN