Nach Unglück in Genua Zustandsnoten: So sicher sind Deutschlands Brücken

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Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat im März Noten für alle Brücken in Deutschland veröffentlicht, wie auch für die Rheinbrücke A40, die hier zu sehen ist. Foto: dpaDie Bundesanstalt für Straßenwesen hat im März Noten für alle Brücken in Deutschland veröffentlicht, wie auch für die Rheinbrücke A40, die hier zu sehen ist. Foto: dpa

Hamburg. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat kürzlich aktuelle Zahlen zur Sicherheit der gut 40.000 Brücken in Deutschland veröffentlicht.

Es sind schreckliche Szenen, die sich Dienstagmittag in Genua auf der Morandi-Brücke auf der Autobahn A10, der berühmten Urlaubsverbindung "Autostrada dei Fiori", ereignen. Ein 100 bis 200 Meter langes Stück der vierspurigen Autobahn stürzte 40 Meter in die Tiefe und forderte dutzende Leben. Die Ursache ist noch nicht geklärt, allerdings ist die Brücke mehr als 50 Jahre alt und soll laut einer ARD-Korrespondentin marode gewesen sein. Wie es um die Brücken – Autobahnbrücken und Brücken an Bundesstraßen mit Ortsdurchfahrten – in Deutschland bestellt ist, meldete die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im März diesen Jahres in Form von Noten. 

Jede achte Brücke "nicht ausreichend" oder schlechter

Dabei werden sechs Notenbereiche unterschieden: 1,0 – 1,4 (sehr guter Zustand), 1,5 – 1,9 (guter Zustand), 2,0 – 2,4 (befriedigender Zustand), 2,5 – 2,9 (ausreichender Zustand), 3,0 – 3,4 (nicht ausreichender Zustand) und 3,5 – 4,0 (ungenügender Zustand). Zunächst die gute Nachricht: Von den nahezu 40.000 Brücken an Bundesfernstraßen in Deutschland bekamen etwa 87 Prozent mindestens die Note ausreichend oder besser. 

Jedoch wurden elf Prozent lediglich mit "nicht ausreichend" und knapp zwei Prozent sogar nur mit "ungenügend" bewertet. Das bedeutet: Mehr als 5000 Brücken in Deutschland erfüllen die Anforderungen der Bundesanstalt für Straßenwesen nicht ausreichend oder ungenügend. 

Voreilige Schlüsse sollten aus dieser Benotung aber nicht gezogen werden, wie das BASt erläutert: "Die Zustandsnote bildet die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung. Sie lässt die Dringlichkeit notwendiger Maßnahmen erkennen, gibt jedoch keinen Aufschluss über Art und Umfang der Schäden oder die Kosten der Instandsetzungsmaßnahme." 

Sollte tatsächlich eine Beeinträchtigung der Standsicherheit oder Verkehrssicherheit festgestellt werden, "so werden selbstverständlich sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, um die erforderliche Sicherheit weiterhin zu gewährleisten", erklärt die BASt.

Auch der Norden betroffen

Unter den schlechtbenoteten Brücken stehen auch einige in Norddeutschland. Viele davon sind mit der Note 3,4 gerade noch an der schlechtesten Bewertung "ungenügend" vorbeigerutscht wie in Tönning (Schleswig-Holstein), Stönkvitz (Mecklenburg-Vorpommern), Kuchelmiß (Mecklenburg-Vorpommern) oder diverse Brücken im Verlauf der A7 auf Höhe Elbmarsch (Niedersachsen). Allerdings schnitt beispielsweise eine Brücke in Bremerhaven (Bremen) mit der Note 3,8 und somit deutlich im ungenügenden Bereich ab. 

Großteil der Autobahnbrücken ist älter als 30 Jahre

Die Morandi-Brücke in Genua ist vor mehr als 50 Jahren in Betrieb genommen worden und wurde als marode bezeichnet. Auch in Deutschland ist der Großteil der Autobahnbrücken 30 Jahre oder älter – gut 40 Prozent wurden zwischen 1965 und 1979 in Betrieb genommen, weitere 35 Prozent zwischen 1970 und 1984. Lediglich sechs Prozent wurden hingegen in den vergangenen acht Jahren fertiggestellt. 





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