Manipulation von Aufnahmetests "Schlimmster Sexismus": Universität hindert Frauen am Studieren

Von Maximilian Matthies

Proteste vor der Tokyo Medical University gegen die Diskriminierung von Frauen bei Aufnahmeprüfungen. Foto: imago/AFLO/Rodrigo Reyes MarinProteste vor der Tokyo Medical University gegen die Diskriminierung von Frauen bei Aufnahmeprüfungen. Foto: imago/AFLO/Rodrigo Reyes Marin

Tokio. Weibliche Bewerber hatten geringe Chancen auf ein Studium – die Hochschule in Japan verfälschte Aufnahmeprüfungen.

Frauen, die sich für ein Medizinstudium an der Tokyo Medical University interessierten, sollten draußen bleiben: Jahrelang manipulierte die Hochschule Testergebnisse bei Aufnahmeprüfungen wie jetzt eine interne Untersuchung ergab. Dadurch sollten Männer bevorzugt werden. Die Praxis habe seit dem Jahr 2006 bestanden, teilte ein Anwalt der Hochschule mit. Das berichtet "Spiegel Online".

Der aktuelle Direktor der Hochschule, Tetsuo Yukioka, entschuldigte sich am Dienstag für die Manipulationen. Er selbst habe davon nichts gewusst. Seiner Ansicht nach habe es an einem Verständnis für Regeln der modernen Gesellschaft gemangelt, "wonach Frauen aufgrund ihres Geschlechts nicht anders behandelt werden sollten". Demnach hätte die Manipulationen niemals stattfinden dürfen, so etwas solle sich künftig nicht wiederholen. Möglicherweise könnten benachteiligte Frauen noch nachträglich für ein Medizinstudium zugelassen werden. 

Den Manipulationen lag offenbar ein konkretes Verfahren zugrunde. So seien zuerst die Ergebnisse aller Bewerber um 20 Prozent herabgesetzt worden. Männliche Bewerber erhielten dann noch 20 Punkte extra, nur nicht jene, die bei dem Test bereits zuvor mindestens vier Mal durchgefallen waren. Durch die Männer-Bevorzugung wollte die Hochschule wohl verhindern, dass Frauen ihre Karrieren nach einer möglichen Schwangerschaft verkürzen oder unterbrechen würden. Ein mit der Untersuchung befasster Anwalt bezeichnete das Vorgehen als "schlimmsten Sexismus".


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN