Moin-Region, Aldi-Äquator und Schrippen-Zone Fünf kreativere Arten, Deutschland zu unterteilen

Von Anna Behrend und Lorena Dreusicke

Deutschland lässt sich auf nach der regional üblichen Begrüßung unterteilen: Wo sagt man "Moin", wo "Guten Tag"? Bild: mit Stepmap erstelltDeutschland lässt sich auf nach der regional üblichen Begrüßung unterteilen: Wo sagt man "Moin", wo "Guten Tag"? Bild: mit Stepmap erstellt

Hamburg. Ex-SPD-Chef Kurt Beck will Bundesländer zusammenlegen. Dabei gäbe es kreativere Arten, das Land zu unterteilen.

Der deutsche Föderalismus sei reformbedürftig, sagte jüngst Kurt Beck, früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Das Saarland könne ihm zufolge für mehr Verwaltungseffizienz mit seinem größeren Nachbarn fusionieren. Die Debatte um den Zusammenschluss benachbarter Bundesländer ist nicht neu. Dabei gibt es regionale Gepflogenheiten, die eigentlich ganz andere Landesgrenzen erfordern würden, wie ein paar – unterhaltsame – Beispiele zeigen.

Seit 2003 führen Forscher der Universitäten Liège und Salzburg regelmäßig Befragungen dazu durch, wie sich Sprache regional unterscheidet. Die Ergebnisse fassen Sie im "Atlas zur deutschen Alltagssprache" zusammen. So fragten die Forscher beispielsweise: "Was sagt man, wenn man am Nachmittag ein Geschäft betritt?"

Die Moin-Region

Während man der Erhebung nach in katholischen Gegenden im Süden einen symbolischen Gruß an den Herrgott richtet, verschluckt der Norddeutsche eher noch Silben bis zu einem knappen "Moin".

Eine andere Frage der Forscher lautete: "Welche Biersorte bekommt man typischerweise, wenn man an Ihrem Ort im Lokal ein Bier bestellt (ohne weitere Angabe, was für eine Sorte man haben will)?"

Der Export-Bezirk

Die Bier-Ideologie im Rheinland ist klar geteilt: In Köln bekommt man ein Kölsch, in Düsseldorf ein Alt. In Bayern hat das Helle Tradition, in Baden-Württemberg das Export. Die meisten Deutschen bekommen jedoch standardgemäß ein Pils gezapft.

Auch auf die Frage der Forscher, wie man "meist zum Frühstück gegessene kleine Backware aus Weizenmehl" nennt, ergaben sich erhebliche regionale Unterschiede.

Die Schrippen-Zone

Für das hochdeutsche Brötchen gibt es Dutzende regionale Bezeichnungen. Grob einteilen lassen sie sich in die Wecken- (Baden-Württemberg), Schrippen- (Berlin), Semmel- (Bayern) und Brötchen- (Restdeutschland) Fraktionen.

1961 teilten sich die Aldi-Brüder das Geschäft auf und teilten damit auch die Bundesrepublik unter sich auf: Der Aldi-Nord-Aldi-Süd-Äquator verläuft durch Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen.

Der Aldi-Äquator

Das Sortiment der Nord- und Süddiscounter ist mittlerweile ähnlich. Teils haben identische Produkte aber andere Markennamen, wie Schokolade von Choceur (Süd) beziehungsweise Château (Nord).

Und noch ein Beispiel gefühlter Wahrheit: Der Hamburger Traditionsverein kämpfte lange um den Verbleib in der Bundesliga – zuletzt vergeblich. Wer den Schaden hat...

Die HSV-Insel

In den sozialen Netzwerken geistern weitere kreative regionale Abgrenzungen umher. Auf Reddit wurde etwa die Karte verbreitet "6 ways to divide Germany". Die lokalpatriotischen Diskussionen in der Kommentarspalte darunter deuten allerdings daraufhin, dass es in Wirklichkeit hunderttausende Möglichkeiten gibt, die Bundesrepublik zu unterteilen.


Hinweis zu unseren Grafiken

Die Grafiken sind stark vereinfacht, da nicht alle lokalen sprachlichen Eigenheiten abgebildet werden können. Statt exakter Wirklichkeitswiedergabe sollen sie der groben Einordnung – und bestenfalls Belustigung – dienen.

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