Power-Napping zwischendurch „Deutsche Vita“ dank Hitzesommer?

Von dpa

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Ein Mann mit Sonnenhut ruht sich auf einer Wiese im Schatten aus. Foto: Sebastian KahnertEin Mann mit Sonnenhut ruht sich auf einer Wiese im Schatten aus. Foto: Sebastian Kahnert

Berlin. Wetter wie in Italien - aber kann der Deutsche auch Dolce Vita? Ein Annäherungsversuch.

2018 geht wohl als das Jahr des ewigen Sommers und der großen Trockenheit in die Geschichte ein. Aber reicht Wetter wie in Italien oder Spanien, um auch hierzulande lockerer zu leben?

Gibt es ein Dolce Vita, pardon: „Deutsche Vita“ - mit Liebe zur Hitze, spätem Essen und Siesta? Einige langfristige Entwicklungen deuten auf mehr Lässigkeit im angeblich traditionell so verstockten Deutschland hin, andere nicht.

Die größte kulturelle Änderung dürfte der Untergang des Abendbrotes sein. Auch wenn die meisten Deutschen wohl noch nicht so spät zu Abend essen wie Südeuropäer oder die ganz späten Argentinier, tut sich was im Land der Abendbrötler zwischen Sylt und Oberstdorf.

Vor etwa 15 Jahren hieß es noch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, eine Auflösung der klassischen Mahlzeitenstruktur sei nicht erkennbar. Mehr als 60 Prozent in Deutschland nähmen „das Abendessen zwischen 18.00 und 20.00 Uhr“ ein.

Vor neun Jahren dann verbreitete das Marktforschungsunternehmen GfK, das Abendessen werde am häufigsten zwischen 19.00 und 20.00 Uhr eingenommen, „am Wochenende gerne auch etwas später“. Damals überwog noch knapp die kalte Brotzeit, doch hieß es bereits: „Die jüngere Generation tendiert zu unregelmäßigeren Essenszeiten und stärkerem Außer-Haus-Verzehr.“ Neuere Daten hat GfK nicht.

Seitdem dürfte sich der von Urlauben beeinflusste Trend aber verstärkt haben, abends auch mal warm und zeitlich flexibler zu essen. Statt nur Stulle gibt es in Deutschland immer öfter Pizza, Pasta, Döner, Burger, thailändische oder vietnamesische Küche.

Überraschend ist außerdem angesichts der vielen Jammerei über die Hitze, dass eine Mehrheit in Deutschland die große Wärme eigentlich mag. So sagten Anfang August 54 Prozent in einer Emnid-Umfrage für die Zeitung „Die Welt“, dass sie sich trotz Hitze und Dürre über „das tolle Wetter“ freuten. 44 Prozent empfinden die Hitze als Belastung. Bei den Menschen ab 50 überwiegt die Zahl derer, die diesen Hochsommer belastend finden.

Und wie sieht es mit Siesta aus? Lediglich 29 Prozent sagten in einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse (TK), die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, dass sie sich tagsüber ein Nickerchen wünschten. Im Januar war es natürlich kalt und deshalb die Gemütslage eine andere. Und bei vielen siegte wahrscheinlich auch die Vernunft bei der Antwort auf diese Frage - der Mittagsschlaf kollidiert bekanntlich meist mit dem Arbeitsleben.

Interessant aber war in diesem Zusammenhang, dass damals ein Vertreter der Krankenkasse TK sagte, man sehe die Arbeitgeber in der Pflicht, durch Gleitzeitregelungen und Rückzugsräume die Möglichkeit für ein sogenanntes Power-Napping (also kurzer Tagschlaf) zu schaffen. Das sei gut für die Gesundheit der Arbeitnehmer - und komme damit auch den Arbeitgebern zugute.

Allerdings klang dann die Unterstützung aus der Wissenschaft für die Power-Napping-Idee so ganz und gar nicht nach Dolce Vita, sondern nach deutscher Disziplin: Ein kurzer Schlaf am Nachmittag bringe nämlich neben mehr Wohlbefinden auch Produktivitätszuwächse, sagte Schlafexperte Utz Niklas Walter, Chef des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) in Konstanz.

Studien zufolge sei ein Schlaf von maximal 15 Minuten besonders empfehlenswert, da das unmittelbar die Leistung für etwa drei Stunden verbessere. Walter: „Wer seinem Schlafbedürfnis zur richtigen Zeit nachgeben kann, ist hinterher leistungsfähiger und effizienter.“


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