Hintergrund noch unklar Drei Ausländer in Afghanistan entführt und getötet

Von dpa

Flagge von Afghanistan vor blauem Himmel. Foto: Imago/xblickwinkel/McPHOTO/K.xSteinkampxFlagge von Afghanistan vor blauem Himmel. Foto: Imago/xblickwinkel/McPHOTO/K.xSteinkampx

Kabul. Drei Ausländer werden in Kabul verschleppt. Später werden sie außerhalb der afghanischen Hauptstadt gefunden - tot.

In Afghanistan sind die Leichen von drei entführten Ausländern gefunden worden. Nach Angaben des Sprechers der Kabuler Polizei, Haschmat Stanaksai, wurden sie am Donnerstag gegen Mittag im Bezirk Musahi der Provinz Kabul entdeckt. Unbekannte hatten die drei Männer gegen 8.00 Uhr morgens (Ortszeit) in Kabul entführt.

Wie der Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, mitteilte, stammen die getöteten Männer aus Indien, Mazedonien und Malaysia. Zunächst hatte es geheißen, einer von ihnen stamme aus Indonesien, was sich allerdings nicht bestätigte.

Die Männer waren in der Nähe ihres Arbeitsplatzes in einer Industriezone im Osten Kabuls gekidnappt worden. Laut Rahimi arbeiteten sie für eine Logistikfirma, die ihren Hauptsitz in Paris hat und laut ihrer Website Kantinen für Militär, Schulen, Krankenhäuser oder Gefängnisse betreibt.

Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar. "Wir können nicht sagen, ob der Zwischenfall einen kriminellen oder terroristischen Hintergrund hat, aber eine Untersuchung läuft", sagte Rahimi. Lokale Medien berichteten, die Männer seien durch Kopfschüsse getötet worden. Die Täter seien entkommen.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Verbrechen. Zuletzt gab es Anzeichen dafür, dass die Entführungen von Ausländern in Kabul zurückgehen. Im Vorjahr gab es mindestens zwei Entführungen, im Jahr 2016 waren mindestens sechs Ausländer in der afghanischen Hauptstadt verschleppt worden. Im Sommer 2015 war eine Mitarbeiterin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in den Händen einer Entführerbande. Allerdings werden nicht alle Geiselnahmen von Ausländern öffentlich bekannt.

Die Entführer sind zum Teil kriminelle Banden, die versuchen, Lösegeld zu erpressen, zum Teil Extremisten. Es kommt zudem vor, dass kriminelle Banden die Verschleppten an Extremisten weiterverkaufen.

Die meisten Entführten kamen nach kurzer Zeit wieder frei. Zwei Professoren an der Amerikanischen Universität in Kabul, ein Amerikaner und ein Australier, sind allerdings seit bald zwei Jahren in den Händen der Taliban. Im Vorjahr hatten die Taliban erklärt, der Gesundheitszustand des Amerikaners verschlechtere sich zunehmend. Die US-Bundespolizei FBI hatte im Mai eine Belohnung von bis zu einer Million Dollar für Hinweise zum Verbleib des Amerikaners ausgesetzt.

Internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen haben ihr ausländisches Personal wegen der schlechten Sicherheitslage inzwischen zu einem großen Teil aus Afghanistan abgezogen. Jene, die weiter vor Ort sind, haben ihre Sicherheitsvorkehrungen zuletzt weiter verstärkt. Deutsche Organisationen wie die GIZ oder die Friedrich-Ebert-Stiftung sind aus dem Zentrum der Stadt in ein hoch gesichertes Lager am Stadtrand gezogen.


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