Juso-Chef über Homosexualität Kühnert: "Unwahrscheinlich, dass ich mich in jemanden aus der Jungen Union verliebe"

Von tdet

Für viele junge Homosexuelle ist nach Einschätzung von Kühnert ein Coming-out auch heute noch schwierig. Foto: Michael Kappeler/dpaFür viele junge Homosexuelle ist nach Einschätzung von Kühnert ein Coming-out auch heute noch schwierig. Foto: Michael Kappeler/dpa

Berlin. SPD-Politiker Kevin Kühnert hofft, dass sein öffentliches Coming-out anderen jungen Homosexuellen den Schritt im eigenen Lebensumfeld leichter macht.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung sprach der 29-Jährige ausführlich über seine Homosexualität. "Ich selbst war so 15, 16 Jahre alt, als ich mein Coming-out hatte - die Situation hat sich gar nicht so tief in mein Gedächtnis eingraviert. Das liegt vermutlich daran, dass ich Glück hatte. Bei mir war ziemlich schnell alles fein. Das wünsche ich anderen auch."

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Dem Juso-Chef sei es im Rahmen seines Coming-out wichtig gewesen, "einfach offen und selbstverständlich darüber zu sprechen, dass ich schwul bin. Weil es noch immer viele junge Menschen gibt, für die das Coming-out schwierig ist. Mir haben einige 16-Jährige geschrieben, die sich bei mir für die Ermutigung bedankt haben."

Wer in der Öffentlichkeit steht, wird immer wieder nach einer Freundin gefragt

Die Diskussionen um Homosexualität, insbesondere mit Blick auf in der Öffentlichkeit stehende Personen, würden in Kühnerts Augen auch zukünftig nie ganz abreißen - dafür sei Sexualität viel zu sehr ein Thema, das alle Menschen stets bewege und interessiert. Wer in der Öffentlichkeit stehe, müsse sich beispielsweise darauf einstellen, im Zweifel immer wieder nach einer Freundin gefragt zu werden.

Auch würden kleinere Gruppen immer Gesprächsthema der Mehrheitsgesellschaft sein: "Linkshänder eher als Rechtshänder, Homosexuelle mehr als Heterosexuelle." Wichtig sei in diesem Zusammenhang aber stets "die Selbstverständlichkeit, dass jeder so leben kann, wie er will und wie er ist."

Trennung von Beruf und Privatem möglich?

Auf die Frage, ob er Job und Privates trenne oder sich beispielsweise in einen Kollegen der Jungen Union verlieben könne, sagte Kühnert der Berliner Zeitung: "Das ist sehr unwahrscheinlich. Ich fände es zwar öde, immer nur gleich tickende Menschen um mich herum zu haben. Aber ich habe keine Lust in meinem privatesten Umfeld permanent über Grundsätzliches streiten zu müssen. Die große Stärke einer Partei, Gewerkschaft oder ähnlichen Interessensorganisation ist, dass man sich in gewissen Grundstandards einig ist, ohne das jedes Mal ausdiskutieren zu müssen."


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