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"Apokalyptische" Ausmaße Staatstrauer in Griechenland – Mehr als 70 Opfer bei Waldbränden

Von dpa

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Athen. Starker Wind trieb die Flammen mit rasender Geschwindigkeit vor sich her, mindestens 70 Menschen konnten sich nicht retten. Griechische Rettungskräfte sprechen von "Bildern der Apokalypse".

Griechenland in Schockstarre: Mindestens 70 Menschen sind bei schweren Bränden in der Nähe von Athen ums Leben gekommen. Rettungskräfte fürchten, in den unzähligen abgebrannten Häusern noch weitere Leichen zu finden. Ministerpräsident Alexis Tsipras rief am Dienstagmittag eine dreitägige Staatstrauer aus und versprach, das "Was" und "Warum" der Katastrophe aufzuklären. Viele ausländische Staaten boten Hilfe an.

Unter den Todesopfern sollen viele Kinder sein, berichtete das Staatsfernsehen ERT. Die Zahl der Verletzten gab eine Sprecherin der Feuerwehr am Dienstag mit mehr als 160 Menschen an, elf von ihnen sollen in Lebensgefahr schweben. "Es ist eine nationale Tragödie", sagte Innenminister Panos Skourletis. Das griechische Wirtschaftsministerium sagte den betroffenen Regionen 20 Millionen Euro Soforthilfe zu.

Zahlreiche Autos sind den Flammen zum Opfer gefallen. Foto: dpa/Thanassis Stavrakis/AP

Dreitägige Staatstrauer

Ministerpräsident Alexis Tsipras wandte sich am Dienstagmittag über das Fernsehen an die Bevölkerung. Es gehe jetzt darum, noch zu retten, was zu retten sei, und zusammenzustehen, sagte er und kündigte eine dreitägige Staatstrauer an. Tsipras bedankte sich bei den Feuerwehrleuten, den Rettungssanitätern und anderen Helfern und sagte an die Überlebenden gewandt: "Keiner soll ohne Hilfe bleiben - und nichts bleibt ohne Antworten."



Die Frage der Verantwortlichkeit wird in griechischen Medien bereits heiß diskutiert, unter anderem die Frage, warum die Orte nicht rechtzeitig evakuiert wurden und wie es um Hilfsmittel wie Löschflugzeuge stehe. Tsipras erteilte der Diskussion jedoch vorläufig eine Absage. Jetzt trauere Griechenland, das "Was" und das "Warum" würden im Anschluss geklärt.

Aus dem Ausland gab es zahlreiche Solidaritätsbekunden und Hilfsangebote. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Tsipras die Solidarität Deutschlands per Kondolenztelegram zu. "Sie können sich unserer Unterstützungsbereitschaft bei der Bewältigung der Brandkatastrophe sicher sein." Hilfe sei unterwegs von vielen EU-Ländern, twitterte EU-Ratspräsident Donald Tusk, Europa werde in diesen schwierigen Zeiten an der Seite seiner griechischen Freunde stehen.

Die Flammen sind unberechenbar. Hier brennt ein Leichtbau in der Nähe Athens. Foto: dpa/Lefteris Partsalis/XinHua

Auch Papst Franziskus sprach den Betroffenen seine Anteilnahme aus: Er sei "zutiefst betrübt" angesichts der Brände in Griechenland, teilte der Vatikan mit. Das katholische Kirchenoberhaupt ermutigte die Helfer, ihre Rettungsbemühungen fortzusetzen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin sollen ebenfalls Unterstützung angeboten haben, berichtete die halbstaatliche griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA.

Viele Einwohner flüchten

„Es ist das sogenannte schlimmste Szenario eingetreten", sagte der Chef des griechischen Zivilschutzes, Giannis Kapakis, im Fernsehen. Die Flammen wüteten in einem dicht mit Pinien bewaldeten Gebiet, wo es überall Ferienhäuser gibt. Viele Einwohner flüchteten in Panik, mehrere Kinder-Zeltlager mussten evakuiert werden. Strom, Telefon und Internet fielen in einigen Regionen aus. Wegen der starken Rauchbildung wurden die Autobahn und die Bahnstrecke zwischen Athen und Korinth gesperrt.

Eine Rauchwolke färbt Teile des Himmels über der Akropolis orange. Foto: dpa/Theodora Tongas

In der Region der Hafenstadt Rafina waren die Menschen in der Nacht zum Dienstag von den Flammen ins Meer getrieben worden - gut 700 Menschen wurden dort von Fischern, privaten Booten und der Küstenwache aus dem Wasser gerettet und in den Hafen von Rafina gebracht, berichtete der Bürgermeister der Stadt. Etliche Menschen harrten noch am Dienstagmorgen auf steilen Küstenabschnitten aus. Luftaufnahmen zeigen, dass ganze Stadtviertel der Ferienorte Rafina, Mati und Nea Makri in Schutt und Asche liegen.

Schwierige Bedingungen

Zurzeit herrschen in Griechenland Temperaturen um die 40 Grad. Zudem wehen in der betroffenen Region Windböen der Stärke sieben.

Die Region um die Stadt ist dicht bewaldet, zwischen den Pinien verstreut stehen Tausende Ferienhäuser und Wohnungen. Die Athener verbringen hier ihren Sommerurlaub. Als die Flammen kamen, brach Panik aus. Die Straßen seien von flüchtenden Menschen in Autos verstopft worden, es habe keinen Ausweg gegeben und keine Luft zum Atmen, berichteten Augenzeugen.

Die gewaltigen Rauchwolken, die bis nach Athen zogen und dort am Dienstag den Himmel verdunkelten, erschwerten zusätzlich zum starken Wind die Arbeit der Hubschrauber und Löschflugzeuge. Im Laufe des Tages konnten die Feuer jedoch weitgehend unter Kontrolle gebracht werden; am Dienstagabend dann sollte es in der Region regnen.


Tsipras ruft Staatstrauer aus

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat am Dienstag eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen, um der vielen Todesopfer der Brände bei Athen zu gedenken. Es gehe jetzt darum, noch zu retten, was zu retten sei, und zusammenzustehen, sagte Tsipras in einer kurzen Ansprache, die am Mittag vom griechischen Sender Skai übertragen wurde. Die Regierung gab die Zahl der bisher bestätigten Toten mit 50 an. Rettungskräfte gehen davon aus, dass sie noch steigen wird. 

Tsipras bedankte sich bei den Feuerwehrleuten, den Sanitätern und anderen Helfern und sagte an die Überlebenden gewandt: "Keiner soll ohne Hilfe bleiben – und nichts bleibt ohne Antworten." Die Frage der Verantwortlichkeit wird in griechischen Medien bereits heiß diskutiert. Tsipras erteilte der Diskussion jedoch vorläufig eine Absage. Jetzt trauere Griechenland, das "Was" und das "Warum" würden im Anschluss geklärt. Der Ministerpräsident wird am Mittag mit Ministern zu einer Krisensitzung zusammentreffen.

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