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Lebensgefährliche Brandverletzungen Zwei Obdachlose an Berliner S-Bahnhof angezündet

Von dpa

Brandspuren sind nach dem Angriff auf zwei Obdachlose am Cajamarcaplatz am S-Bahnhof Schöneweide am abgesperrten Tatort zu sehen. Foto: dpa/Britta PedersenBrandspuren sind nach dem Angriff auf zwei Obdachlose am Cajamarcaplatz am S-Bahnhof Schöneweide am abgesperrten Tatort zu sehen. Foto: dpa/Britta Pedersen

Berlin. Wieder werden arglose Obdachlose in Berlin attackiert. Ein Unbekannter übergießt sie mit einer Flüssigkeit und zündet sie an. Mit schweren Brandverletzungen werden sie ins Krankenhaus gebracht.

Zwei obdachlose Männer sind in Berlin angezündet und lebensgefährlich verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hat ein unbekannter Täter die beiden Männer und ihren Besitz am Sonntagabend vor dem Bahnhof Schöneweide mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen. Die Tat ereignete sich gegen 23 Uhr. Zeugen aus einem benachbarten Imbiss kamen zu Hilfe und löschten die Flammen. Alarmierte Sanitäter leisteten Erste Hilfe. Konkrete Hinweise zu dem Täter oder einem Motiv waren zunächst nicht bekannt. Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen.

Die 47 und 62 Jahre alten Männer hatten ihr Quartier auf dem Vorplatz des Bahnhofs im Osten der Hauptstadt aufgeschlagen. Nach dem Brandanschlag wurden sie in ein Krankenhaus gebracht. Wegen der Verletzungen konnten sie noch nicht von der Kriminalpolizei befragt werden, wie ein Sprecher sagte. Die Opfer haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Mehr Informationen zu ihnen gab es zunächst nicht.

Noch in der Nacht untersuchten Experten von der Kriminalpolizei den Tatort. Fotos zeigen, wie sie in dem zum Teil verbrannten Lager der Obdachlosen zwischen Einkaufswagen, Decken, Kissen und Kleidungsstücken nach Spuren suchen. Beamte befragten in der Nacht und am Montag die Zeugen. Die Polizei prüft, ob der Bahnhofsplatz mit Kameras überwacht wird. Falls sich der Täter im Bahnhof aufhielt, könnte er von den dortigen Kameras gefilmt worden sein.

Motiv des Täters unklar

In Medienberichten war am Montagmorgen zunächst von zwei Angreifern die Rede. Ein Polizeisprecher sagte: "Wir haben nur Kenntnis von einem Täter." Das sei das Ergebnis der ersten Ermittlungen am Tatort.

Ob der Täter möglicherweise aus dem rechtsextremistischen Milieu oder aus aggressiven, aber unpolitischen Kreisen kommt oder selber zum Obdachlosenmilieu gehört, war am Montag noch völlig unbekannt.

Die Opfer lagerten an einem Fahrstuhlschacht auf dem Bahnhofsvorplatz, der zwischen dem Bahnhofsgebäude, einem großen Einkaufszentrum und einer Hauptverkehrsstraße liegt. Der Tatort war also von allen Seiten sehr gut zu sehen - besonders weil der größere Bahnhof und die Umgebung mit Imbissen und Kneipen gerade an einem warmen Sommerabend noch gut frequentiert ist.

Der Fall erinnert an eine Brandattacke auf einen Obdachlosen am Weihnachtsabend 2016, die deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Eine Gruppe Jugendlicher hatte am U-Bahnhof Schönleinstraße im Stadtteil Neukölln versucht, einen schlafenden Mann anzuzünden. Fahrgäste konnten Schlimmeres verhindern, der Obdachlose blieb unverletzt. Knapp ein halbes Jahr später wurde der Haupttäter zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, drei Mittäter erhielten Jugendstrafen von jeweils acht Monaten Haft auf Bewährung.


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