„TeamEscape"-Gründer im Interview Warum Escape Rooms immer noch so angesagt sind

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Wo steckt des Rätsels Lösung? Escape Rooms – wie die von „TeamEscape" – erfreuen sich großer Beliebtheit. Foto: TeamEscapeWo steckt des Rätsels Lösung? Escape Rooms – wie die von „TeamEscape" – erfreuen sich großer Beliebtheit. Foto: TeamEscape

Osnabrück. Codes knacken, Geheimtüren finden und das Rätsel lösen – Escape Rooms ziehen weiterhin zahlreiche Besucher an. Der ehemalige Osnabrücker Sebastian Gerding hat mit seiner Firma „TeamEscape" 2013 das wohl erste Escape Game in Deutschland herausgebracht. Im Interview spricht er über die stark gestiegene Qualität der Escape Rooms und den weiter anhaltenden Boom.

Herr Gerding, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Escape Rooms aufzubauen?

Ich habe zusammen mit meinem heutigen Kollegen studiert. Wir haben ziemlich theoretische Sachen gelernt und gedacht, dass wir etwas eigenes umsetzen müssen. Wir sind beide große Drei-???-Fans und eigentlich war dann an einem Abend die Entscheidung getroffen, dass wir so ein Escape Game aufmachen.

Sie denken sich die Storys und die Umsetzung selbst aus. Wie kommen Sie auf die Ideen?

Auch das wird ganz stark von den Drei ??? beeinflusst. Wir lassen viel aus Film, Fernsehen und Büchern einfließen. Als erstes steht ein Thema, zum Beispiel eine Schatzjäger-Geschichte. Die Rätsel fallen einem dann nach und nach von alleine ein. Vor allem, wenn man schon die ersten Möbelstücke für den Raum hat, kommen die Ideen von alleine.

Mittlerweile gibt es sehr viele Escape Rooms. Wird es mit der Zeit schwieriger, Geschichten und Rätsel zu entwickeln, die es woanders noch nicht gibt?

Das Schöne in der Branche ist, dass es sehr viele Einzelanbieter gibt, die alle ihre eigenen Ideen verarbeiten. Dadurch wird nichts geklaut oder kopiert. Ähnlich wie bei Filmen gibt es eine unendliche Auswahl an Themen. Auch Rätsel gibt es unendlich viele. Wenn man einen Raum gespielt hat, kann man noch zehn weitere spielen und es macht immer noch Spaß. Wir finden es gut, dass es so eine breite Streuung gibt. (Weiterlesen: 60 Minuten Zeit: Was ist ein Escape Room?)

Sie arbeiten mit verschiedenen Experten zusammen, wenn Sie die Rätsel erstellen und die Räume fertig machen. Aus welchen Bereichen kommen diese?

Wir arbeiten zum einen mit Bühnenbildnern und Theatermalern zusammen, um ein passendes Setting zu erschaffen. Obwohl wir noch viele Geschichten selber schreiben, greifen wir dabei mittlerweile auch zu Spielentwicklern. Wir haben Schreinermeister im Team, Leute für den Aufbau und Elektriker, um die Sicherheitsvorkehrungen erfüllen zu können. Mittlerweile ist das schon Fachpersonal, mit dem man einen Raum aufbaut.

Sebastian Gerding ist in Osnabrück zur Schule gegangen. Vor ein paar Jahren hat "TeamEscape" gegründet – den Marktführer in Sachen Escape Rooms in Deutschland. Foto: TeamEscape

Wo sind bei der technischen Umsetzung die größten Schwierigkeiten?

Geheimtüren sind am schwierigsten zu bauen. Alles Handelsübliche aus dem Baumarkt muss eigentlich andersherum eingesetzt werden. Geheimtüren schwenken häufig in den Raum hinein, wie man es sonst eigentlich nicht braucht.

Was macht eine richtig gute Story aus und kann man die Besucher heute noch mit Zahlencodes begeistern oder muss man da schon tiefer in die Trickkiste greifen?

Die Leute werden etwas anspruchsvoller. Das liegt daran, dass sie oft schon mehrere Escape Rooms gespielt haben. Was aus unserer Sicht immer wichtiger wird, sind Thema und Story. Beides muss konsequent durchgezogen werden. Die Besucher dürfen in den Räumen keine Gegenstände finden, die nicht in die Zeit passen. Das Gesamtbild muss stimmen. Und man braucht einen Wow-Effekt durch eine Geheimtür oder Lichteffekte.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Konzeption noch?

Ein Raum sollte logisch sein und man sollte alleine auf die Lösung kommen können. Er darf also nicht zu schwierig sein, aber auch nicht zu leicht. Und er muss mit einer unterschiedlichen Anzahl von Personen bespielbar sein. 

Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zur Eröffnung eines Raumes?

Früher ging das sehr schnell. Da dauerte es drei Monate. Mittlerweile haben wir andere Ansprüche. Es dauert jetzt wenigstens ein halbes Jahr bis neun Monate, bis ein Raum eröffnet wird.

Sie haben auch Filialen in Kairo oder Kuwait. Braucht man da andere Rätsel oder Geschichten als in Europa?

Es gibt ein paar Inhalte, die man in stark muslimisch geprägten Ländern ja nicht unbedingt umsetzen muss. Generell sollte man eher Themen wie eine Detektiv- oder Schatzsuchergeschichte wählen, die nicht anstößig sind. Thematiken, die in der jeweiligen Kultur nicht so frei gehandhabt werden wie in Deutschland, sollte man aussparen. In Kuwait hatten wir ein großes Problem, weil der Staat nicht erlaubt hat, Männer und Frauen gleichzeitig in den Raum zu lassen. Das hatten wir überhaupt nicht auf dem Schirm.

Ist die Nachfrage nach Escape Games in diesen Ländern trotzdem groß?

In Kuwait ist die Nachfrage in der Tat sehr groß. Das verfügbare Einkommen, das für Freizeit ausgegeben wird, ist dort höher als zum Beispiel in Deutschland. Dort ist es außerdem üblich, eher Freizeitzentren zu besuchen, in denen man den ganzen Tag verbringen kann. Da ist „TeamEscape" eine schöne Ergänzung. Unsere Filiale in Kairo musste aber leider wegen der Wirtschaftskrise in Ägypten 2017 schließen. (Weiterlesen: Osnabrücks erster Escape Room ist geöffnet – wir haben ihn getestet)

Warum sind Escape Rooms überhaupt so beliebt?

Jeder, der schon mal einen gespielt hat, weiß, warum es so viel Spaß macht. Das Besondere ist, dass man in einer Gruppe von Freunden oder als Familie etwas zusammen macht. Dabei ist es aber nicht wie beim Kinobesuch, bei dem man sich berieseln lässt. Man ist als Gruppe alleine in einem Raum und kann zusammen ein Abenteuer erleben.

Wie gut können die Leute heute denn noch im Team zusammen arbeiten?

Ich habe schon den Eindruck, dass Menschen noch sehr gut zusammenarbeiten können. Gerade bei Firmen wird das immer wichtiger. Die Anzahl an Firmenkunden steigt bei uns auch. Allerdings merken wir, dass mit der Zeit das Allgemeinwissen auf der Strecke bleibt. Weil man mit dem Smartphone schnell mal bei Google Wissen abfragen kann, merken wir uns manche Daten nicht mehr…

Fällt es den Leuten schwer, sich im Escape Room ohne Smartphone durchzuschlagen?

Wir bitten die Besucher, ihre Handys vor dem Spiel in ein kleines Kästchen zu legen, damit sie eben nicht dem Reiz erliegen, doch mal schnell den Taschenrechner zu benutzen oder Google einzuschalten. Denn oftmals gab es zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, noch gar keine Handys. Außerdem sollen sie das Abenteuer auch erleben können.

Ist schon mal eine Gruppe in einem Raum vergessen worden?

Noch nie. Da es immer eine eins zu eins Betreuung gibt, kann das auch eigentlich nicht passieren. Wir hatten aber einmal eine Gruppe, die vier Stunden lang in dem Raum war. Wir hatten Zeit und die Gruppe wollte auf keinen Fall Hilfe haben. Dann hat sie sich an einer Stelle verhaspelt und lange, lange durchgehalten, bis sie rausgekommen ist.

Es ploppen ständig neue Anbieter auf. Glauben Sie, dass der Markt bald gesättigt ist?

Das weiß ich nicht. Es gibt aber so viele Menschen, die noch nie gespielt haben, und so viele Geschichten, die noch nicht erzählt wurden, dass sich der Markt noch nicht gesättigt hat. Was sich inzwischen aber geändert hat, sind die Startbedingungen. Was früher mit wenig Budget und auf die Schnelle möglich war, ist heute so nicht mehr machbar. Da sind die Anforderungen doch extrem gestiegen.

Was kostet es heute, einen Escape Room einzurichten?

Für ein Raumkonzept, das man jetzt eröffnet, sollte man nicht weniger als 30.000 Euro einplanen. Dadurch, dass so viele Anbieter auf den Markt gekommen sind, hat sich der Standard sehr stark geändert. Die Qualität ist stark gestiegen, es sind mehr technische Effekte drin: Musik, Lichtshow, hochwertiges Inventar und Bühnenbild.

Und wie lange hält ein Raum?

Aktuell gehen wir davon aus, dass ein Raum in der Stadt durchaus drei Jahre laufen kann. Unseren ersten Raum „Mr. Nobodys erster Fall“ haben wir Ende 2013 eröffnet und den gibt es heute tatsächlich immer noch. Wir betreiben ihn als Retrokonzept. Er hat schon einige Renovierungen hinter sich, macht den Leuten aber immer noch Spaß.

Werden die Eintrittspreise steigen, wenn immer mehr Technik eingebaut und aufwendiger gearbeitet werden muss?

Bei Team Escape werden sich die Preise nicht erhöhen. Für die anderen Anbieter kann ich natürlich nicht sprechen.

In Japan wird auch schon mit 4D und Virtual Reality gearbeitet. Gibt es das in Deutschland auch schon?

Es gibt schon die ersten Virtual-Reality-Räume, die sind dann aber komplett VR. Wir haben uns auch darüber unterhalten, ob das ein gangbarer Weg für uns ist. Wir könnten uns vorstellen, VR unterstützend einzubauen. Aber eigentlich ist das Schöne an den Escape Rooms wie sie heute sind, dass alles echt und zum Anfassen ist – und nicht virtuell. Ich glaube, dass die Leute das auch zukünftig schätzen werden.

Immer mehr Escape Rooms haben eine konkrete Marke zum Thema, sei es „Die Drei ???“ oder „Das verrückte Labyrinth“. Ist das ein neuer Trend?

Es stimmt, einige große Marken und Anbieter haben die Escape Games entdeckt. Das sieht man daran, dass es viele Brettspiele und Filmkooperationen gibt. Das ist aber eher ein Werbegag, glaube ich. 

Apropos Brettspiele. Profitieren die realen Escape Games vom Erfolg der Brettspiele?

Die meisten Escape Games bieten die Brettspiele an für Leute, denen es Spaß gemacht hat, und die es zuhause auch noch mal spielen wollen. Die Anbieter haben ein bisschen was davon, aber es profitiert eher der Spielwarenladen, der die Spiele verkauft. (Weiterlesen: Was taugen die Escape-Room-Spiele für zu Hause?)

Was für Pläne hat Team Escape für die Zukunft?

Wir beschäftigen uns mit Zusatzprodukten und Angeboten in Firmen, bei denen auch hundert Personen im Teambuildingbereich zusammenarbeiten können. Außerdem bieten wir bereits die ersten Routen einer iPad-Schnitzeljagd im Freien an, bei der man durch die Stadt läuft, Rätsel löst und die Welt retten muss. (Weiterlesen: „Mord in GMHütte“ nach Feierabend in Rekordzeit aufgeklärt)

Als Sie damals den ersten Escape Room eröffnet haben, haben Sie da damit gerechnet, dass das Spiel so gut ankommen wird?

Wir wussten, dass es Rätsel schon immer gab und sie den Leuten auch schon immer Spaß gemacht haben, aber nein: Es war überhaupt nicht abzusehen, dass es eine derartige Erfolgsgeschichte wird. Wir haben wirklich gedacht, wir machen einen kleinen Laden auf und gehen dann nach dem Studium einem normalen Job nach. Es war eher ein Hobby- und Leidenschaftsprojekt und weniger eine Geschäftsidee. Wir wurden eines besseren belehrt und mittlerweile sind Escape Games mein Traumjob. Es ist ein absoluter Vollzeitjob, den man auch mit Leidenschaft und in Vollzeit betreiben muss.


Der Escape-Room-Anbieter „TeamEscape"

Sebastian Gerding (32) hat „TeamEscape" 2013 zusammen mit seinem Freund und Studienkollegen Fabian Hecht (31) gegründet. Ende desselben Jahren haben sie ihren ersten Escape Room „Mr. Nobodys erster Fall" in Köln eröffnet. Inzwischen haben bei „TeamEscape" mehr als 700.000 Menschen gespielt. Das Unternehmen betreibt 20 Filialen in 15 Städten in Deutschland; auch international sind sie vertreten. Neben den beiden Gründern arbeiten bei „TeamEscape" heute acht Festangestellte sowie 54 Gamemaster. Außerdem gibt es einige Franchisenehmer. Gerding wurde in Warendorf und ging in Osnabrück zur Schule.

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