Recht auf Vergessen Namen von Sedlmayr-Mördern dürfen weiterhin genannt werden

Von Maximilian Matthies

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Der Sarg von Schauspieler Walter Sedlmayr: Er wurde mit einem Hammer und einem Küchenmesser ermordet. Foto: Istvan Bajzat/dpa/ArchivDer Sarg von Schauspieler Walter Sedlmayr: Er wurde mit einem Hammer und einem Küchenmesser ermordet. Foto: Istvan Bajzat/dpa/Archiv

Straßburg. Die Namen der Sedlmayr-Mörder dürfen in den Archiven stehen bleiben. Mit dem Urteil stärkt der Europäische Gerichtshof auch die Pressefreiheit.

Die Mörder des Schauspielers Walter Sedlmayr haben kein Recht darauf, dass ihre Namen aus online archivierten alten Pressetexten getilgt werden. Das entschied am Donnerstag der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Konkret richtete sich die Beschwerde der Männer gegen eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH). Dieser hatte ihre Unterlassungsklagen gegen drei deutsche Medienhäuser abgewiesen: den "Spiegel", das Deutschlandradio und den "Mannheimer Morgen". Über deren Webseiten konnten Internetnutzer archivierte Artikel oder Beiträge einsehen, in denen die Namen der Mörder genannt oder Bilder von ihnen gezeigt wurden. Die beiden Beschwerdeführer sahen dadurch ihr Menschenrecht auf Achtung des Privatlebens verletzt.

Der Schauspieler Walter Sedlmayr. Foto: Frank Mächler/dpa/Archiv

Dieser Argumentation folgten die Straßburger Richter nicht. Die Pressefreiheit erlaube es Journalisten, selbst zu entscheiden, welche Details sie veröffentlichen – zumal dann, wenn wie beim Mord an Sedlmayr ein großes öffentliches Interesse bestehe, urteilten sie. Bedingung dafür sei, dass die Medien nicht gegen ethische Normen verstoßen. Zweifel an der Wahrhaftigkeit der betreffenden Texte gebe es nicht. Auch seien die Beiträge nur beschränkt für Leser zugänglich gewesen – ein Teil verbarg sich hinter einer Paywall, ein anderer war Abonnenten vorbehalten. Die Männer hätten außerdem einst selbst Medien um Berichterstattung in eigener Sache gebeten.

"Ungeheurer Schlag gegen die Funktionsfähigkeit der Presse" 

Hätten die Männer in Straßburg Recht bekommen, hätte das womöglich gravierende Folgen gehabt: Medien müssten ihre Online-Archive durchkämmen und in ähnlichen Fällen Namen anonymisieren, sagte dazu Karl-Nikolaus Peifer, Professor unter anderem für Medienrecht an der Uni Köln. "Das wäre ein ungeheurer Schlag gegen die Funktionsfähigkeit der Presse."

Beide Seiten können innerhalb von drei Monaten gegen das Urteil vorgehen. Die beiden Beschwerdeführer waren im Mai 1993 wegen des Mordes an Sedlmayr verurteilt worden, sie kamen 2007 und 2008 aus der Haft frei. Sedlmayr wurde in der Nacht des 16.7.1990 in seiner Wohnung mit einem Hammer und einem Küchenmeser umgebracht. Er war damals 64 Jahre alt. 

(Mit Material der dpa)


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