Heute erinnert viel an Ballermann Das indische Goa war das Sehnsuchtsziel der Hippies

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Auf den Spuren der Hippies am Strand in Anjuna. Foto: Picture alliance/Rainer HackenbergAuf den Spuren der Hippies am Strand in Anjuna. Foto: Picture alliance/Rainer Hackenberg

Osnabrück Auf Ibiza und Formentera sammelten die Aussteiger erste Reiseerfahrungen. Auf dem Hippietrail ging es dann weiter via Balkan in die Türkei, den Iran, Afghanistan, Pakistan und schließlich nach Indien. Die ehemalige britische Kolonie war das Sehnsuchtsziel der Hippies.

Einige von ihnen hofften, in den religiösen Meditationszentren des Landes, den sogenannten Ashrams, „erleuchtet“ zu werden. Wichtige Inspirationsquelle für diese Sinnsuche war der Roman „Siddhartha“ von Hermann Hesse. In der 1922 erschienenen Erzählung begibt sich der Siddhartha, Sohn eines indischen Brahmanen auf die Suche nach Erkenntnis.

Hotspot für Aussteiger

Der Hotspot für Aussteiger aber war Ende der Sechzigerjahre der am Arabischen Meer gelegene Bundesstaat Goa im Südwesten Indiens. Grund waren nicht nur die palmengesäumten, endlosen Sandstrände. Auch bewusstseinserweiternde Drogen waren hier jederzeit und für wenig Geld zu haben.

Den Rausch schlief man dann in schäbigen Palmhütten aus, die billig zu mieten waren.

Am Abend traf sich das bunte Völkchen an den Stränden wieder. Die Männer, in Lungis genannte Röcke gewickelt, und die Frauen, mit indischem Silberschmuck behangen, warteten hier andächtig auf den Moment, wo die Sonne im Meer versank. Doch noch bekannter als für dieses grandiose Naturschauspiel waren die Strände für ihre ausschweifenden Partys und Exzesse.

Vorläufer der Psytrance

Die Flowerpower-Generation genoss das Gefühl grenzenloser Freiheit unter Palmen. Hier wurde auch die Goa-Kultur geboren, aus der sich später die Musikrichtung Psytrance entwickelte, die seit den 1990er-Jahren eine Untergruppe der Technokultur darstellt. Auch viel Prominenz pilgerte damals in die ehemalige portugiesische Kolonie: Die Kommunardin Uschi Obermaier soll hier mit LSD Bekanntschaft gemacht haben. Auch die Rolling Stones und Beatles kamen vorbei. Madonna soll Goa sogar mehrfach besucht haben.

Deutsche eröffnen „Lila Café“

Später nahmen sich viele Rucksacktouristen die Reisekultur der Hippies zum Vorbild. So kamen 1978 auch die Deutschen Elisabeth und Ingo nach Goa. Ihr „Lila Café“, in dem sie ihren Gästen köstliches selbst gebackenes Brot und Kuchen anbieten, ist nicht nur bei deutschen Touristen beliebt. In den Achtzigern folgten die ersten Pauschalurlauber.

Massentourismus bringt Ballermann-Atmosphäre

Aus dem Geheimtipp wurde ein Allerweltsziel. Wenige Jahre später brach der Massentourismus über das einstige Hippieparadies herein: An einigen Stränden sieht es heute so aus wie am Ballermann auf Mallorca.

Auch der berühmte Hippiemarkt unter Palmen, der 1975 in Anjuna gegründet wurde, ist nicht mehr das, was er mal war. Bis in die Neunzigerjahre boten die Aussteiger hier Selbstgemachtes aus ihren Kreativwerkstätten an. Heute verkaufen gewiefte Händler Massenware. Die wenigen ergrauten Alt-Hippies unter den Marktbeschickern kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben.

Mafiabanden

Das ganz große Geld machen in Goa jetzt Mafiabanden mit Drogen- und Mädchenhandel.

So bleibt auch Ingo nur, von alten Zeiten zu schwärme: Zum Beispiel davon, wie die US-Schauspieler Gregory Peck, David Niven und Roger Moore in den späten 70er-Jahren in den Drehpausen für den Film „Die Seewölfe kommen“ in seinem Café abhingen. Goas goldene Zeiten sind vorbei.


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