Hilfe aus Mitleid Nach Festnahme: Mann bringt Einwanderern Pizza vorbei

Von Christopher Chirvi

54 Einwanderer ohne Papiere hatten hungrig hinter dem Lkw gewartet. Auch einer der Schmuggler hatte sich zunächst in die Gruppe gemischt, wurde aber später festgenommen. Foto: imago/ZUMA Press54 Einwanderer ohne Papiere hatten hungrig hinter dem Lkw gewartet. Auch einer der Schmuggler hatte sich zunächst in die Gruppe gemischt, wurde aber später festgenommen. Foto: imago/ZUMA Press

San Antonio. "Es geht dabei nicht um die Rasse." Die spontane Aktion eines Mannes aus San Antonio sorgt in den USA für Aufsehen.

Er musste helfen, sagt er: Als Armando Colunga die Einwanderer im Fernsehen sah, die festgenommen hinter einem Lkw saßen, machte er sich auf den Weg. Wie der lokale TV-Sender KSAT berichtete, waren die 54 Einwanderer ohne Papiere von Schleusern über die mexikanische Grenze nach San Antonio geschmuggelt worden. Dort saßen sie nun fest - hinter dem Lkw, in dem sie gekommen waren. Der jüngste von ihnen war 16 Jahre alt.

Colunga habe sich verantwortlich gefühlt, sagte er gegenüber CNN. Also stieg er in seinen Truck und fuhr los. "Meine Hauptmotivation war: Wer weiß, wie lange die schon da sitzen?" Unterwegs kam er an einer Filiale der Schnellrestaurantkette Little Caesars vorbei und kaufte Pizza. "Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob es genug ist - ich dachte nur, sie müssten alle etwas essen", so Colunga. 

Zunächst hatte er zwar die Befürchtung, die Polizei würde ihn vielleicht nicht durchlassen - aber zwei Beamte begleiteten ihn ohne zu zögern zum abgesperrten Bereiche, wo ein dritter Polizist die sieben großen Pizzen an einen Feuerwehrmann weitergab, der das Essen schließlich verteilte. Wie sich herausstellte, hatten die Menschen Wasser dabei - aber tatsächlich noch nichts gegessen. 

Die Polizisten hätten gesagt, er müsse das nicht tun, so Colunga. Er aber entgegnete: "Nein, das muss ich nicht. Aber das sind meine Leute." Armando Colunga habe selbst mexikanische Wurzeln und fühle mit den vielen Einwanderern, die aus dem Süden über die Grenze kommen. "Aber auch wenn es sich um Afrikaner oder weiße Londoner gehandelt hätte - ich hätte dasselbe getan. Es geht dabei nicht um die Rasse."

Er hoffe einfach nur, einen guten Beitrag geleistet zu haben, sagte der "Pizzalieferant" im lokalen Fernsehen - insbesondere gegen die vorherrschende Einwandererfeindlichkeit in der Region. "Sie kommen nicht her, um eine Straftat zu begehen. Sie kommen her, weil sie sich ein besseres Leben erhoffen und arbeiten wollen", sagte er. "Ich habe das nicht für die Aufmerksamkeit gemacht. Es war einfach etwas, was ich tun musste. Es sind schließlich Menschen."


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