Vor der Weltmeisterschaft Russische Hooligans drohen Schwulen und Transgendern mit Mord

Von Tobias Bosse

Russische Fußballfans während des EM-Gruppenspiels zwischen England und Russland vor zwei Jahren. Foto: dpaRussische Fußballfans während des EM-Gruppenspiels zwischen England und Russland vor zwei Jahren. Foto: dpa

Moskau. Eine englische Bewegung setzt sich für die Rechte homosexueller Fußballfans ein - bei russischen Hooligans stößt das auf Ablehnung.

Der Fußball ist in den vergangenen Jahren ein Symbol für Vielfalt jeglicher Art geworden. Das ist offenbar aber noch nicht bei allen Fußballfans angekommen. Denn wie die englischen LGBT Fans berichten, haben sie im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft Morddrohungen von russischen Hooligans per Mail erhalten.

"Wenn wir euch finden, stechen wir euch ab!"

Die LGBT Fans sind eine Bewegung, die sich für die Rechte von Lesbischen, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern einsetzt. Aus dieser Bewegung heraus entstand die Fangruppe "Pride in Football", welche nun Adressat der russischen Morddrohungen war. 

In den Emails soll damit gedroht worden sein, die Fans der Fangruppe "Pride in Footbal" mit gezielten Attacken anzugreifen, sollten sich diese in Russland während der WM blicken lassen. Einige Drohungen seien so extrem gewesen, dass sie der Polizei übergeben wurden, sagte ein Sprecher der Gruppe, der aus einer Email zitiert: "Wenn wir euch finden, stechen wir euch ab!"

Richtlinien geißeln LGBT Fans

Erst letzte Woche hatte die Football Supporters' Federation – eine Organisation, die sich für die Rechte von englischen Fußballfans einsetzt – gemeinsam mit dem englischen Fußballverband und dem englischen Außenministerium Verhaltensrichtlinien für die LGBT Fans erarbeitet und darin festgelegt, dass sie ihre Sexualität nicht öffentlich zur Schau stellen sollen. Ob darin auch das schwenken der "Regenbogen-Fahne" inbegriffen ist, sei noch nicht klar.

Joe White, Pride in Football's Kampagnen-Leiter, sagt zwar, man müsse sehr vorsichtig sein, aber trotzdem wird er keine Angst haben, er selbst zu sein, wenn er in Russland ist. Und weiter: "Es ist nicht so, dass sich anderen meine Zunge in den Hals stecken werde. Ich gehe nur da raus, um den Fußball und das Erlebnis der Weltmeisterschaft zu erleben."

Aktivisten hoffen auf ein Umdenken

Dabei ist gleichgeschlechtlicher Sex in Russland bereits seit 1993 nicht mehr per Gesetz verboten. In der russischen Gesellschaft wird diese Gesetzesänderung aber kaum angenommen. Vergangenes Jahr belegte Russland den 48 von 49 Plätzen in einer europäischen Rangliste in Sachen Rechte für Homosexuelle und Transgender. 

Aktivisten hoffen allerdings, dass sich Russland unter den Augen der Welt anders präsentieren will und zumindest die Möglichkeit zur Promotion von Gleichberechtigung zulässt.