Erhöhtes Risiko Studie belegt: Starkes Übergewicht fördert zwölf Krebsarten

Von Tobias Bosse

Fettleibikeit fördert das Krebsrisiko von zwölf verschiedenen Arten. Foto: dpaFettleibikeit fördert das Krebsrisiko von zwölf verschiedenen Arten. Foto: dpa

London. Eine neue Studie des World Cancer Research Funds zeigt, dass durch Adipositas das Krebsrisiko von zwölf verschiedenen Arten steigt.

Die Deutschen waren noch nie so dick wie heute. Das belegt der Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aus dem vergangenen Jahr: Demnach sind 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen übergewichtig, bei Arbeitstätigen sind es am Ende des Berufslebens gar Dreiviertel aller Männer beziehungsweise mehr als die Hälfte der Frauen.

Und auch die Dicken werden immer dicker: Von 1999 bis 2013 nahm der Anteil adipöser Männer um 40 Prozent und der adipöser Frauen um 24,2 Prozent zu. Das ist besonders besorgniserregend, denn nach einer kürzlich veröffentlichten Studie des World Cancer Research Funds (WCRF) begünstigt Fettleibigkeit das Krebsrisiko von zwölf verschiedenen Arten. Die non-profit Organisation zeigt nicht nur das Problem auf, sondern liefert auch einen Zehn-Punkte-Plan mit, um diese oft tödliche Krankheit zu verhindern.

WCRF's Zehn-Punkte-Plan zur Vermeidung von Krebs: 

  • Halten Sie Ihr Gewicht im gesunden Rahmen und versuchen Sie im Alter keine Kilos mehr drauf zu packen. 
  • Seien Sie körperlich aktiv.
  • Ernähren Sie sich mit viel Vollkorn, Früchten, Gemüse und Bohnen
  • Nehmen Sie wenig salz-, fett- oder zuckerhaltige Nahrung zu sich
  • Limitieren Sie rotes und industriell verarbeitetes Fleisch wie Speck und Salami
  • Trinken Sie wenig zuckerhaltige Getränke
  • Alkoholkonsum einschränken
  • Nehmen Sie keine Nahrungsergänzungsmittel, holen Sie sich die Vitamine und Mineralien von gesundem Essen
  • Kinder mit der Brust stillen – hilft Mutter und Kind
  • Nach der Krebsdiagnose, sollten Sie den Empfehlungen der WCRF folgen
Außerdem hat der World Cancer Research Fund einen Gesundheits-Test zur Verfügung gestellt, mit dem man sein Krebsrisiko unter Angabe seines persönlichen Lebensstils ermitteln kann.

Stoppt den "modernen Lifestyle"

Bis zu 40 Prozent der Krebserkrankungen können verhindert werden, sagte der World Cancer Research Fund in seinem neuesten Bericht. Zwar sei Rauchen immer noch die häufigste Ursache für Krebs, aber Adipositas werde diesen zweifelhaften Titel innerhalb der nächsten Jahrzehnte einnehmen. Um das zu verhindern, rät der WCRF nachdrücklich dazu, den "modernen Lifestyle" sowie die Bewerbung von Fast-Food zu beenden. 

Anstatt ständig auf Bildschirme zu schauen, muss man körperlich aktiver werden – das schützt. Außerdem sollte auf übermäßigen Konsum von industriell verarbeitetem sowie rotem Fleisch verzichtet werden, denn es steigert insbesondere das Darmkrebsrisiko ebenso wie andere Formen von Krebs. Auch bei der Getränkeauswahl gilt Vorsicht: Zuckerhaltige Getränke machen dick und Alkohol ist nicht nur kalorienreich, sondern erhöht das Krebsrisiko für Darm, Brust, Leber, Mund, Rachen, Bauch und Speiseröhre.

Allerdings sei es auch nicht damit getan, auf Salami und Zucker zu verzichten. Es müsse ein gesellschaftliches Umdenken in Bezug auf Ernährung stattfinden, wenn man diese bedenkliche Entwicklung aufhalten will. Das bedeutet, weniger Fertigessen und Fast-Food. 

Kleine Veränderungen – Große Wirkung

Natürlich gibt es aber auch Ausnahmen, die jedoch nicht zur Regel mutieren dürfen, wie Prof. Linda Bauld, Expertin für Krebsforschung- und Vorsorge bestätigt: "Dieser Bericht stützt, was wir längst wussten: Der Schlüssel zur Minimierung von Krebsrisiken liegt in unserer gesamten Lebensweise. Nicht rauchen, ein gesundes Gewicht beibehalten, gesund essen und trinken und körperlich aktiv sein. Ab und an einen Streifen Speck oder ein Glas Wein ist nichts, weshalb man sich Sorgen machen muss. Es sind die Dinge, die man jeden Tag tut. Zunächst können kleine Veränderungen, wie auf zuckerhaltige Getränke zu verzichten oder mehr zu Fuß zu gehen, bereits einen großen Effekt auf die Gesundheit haben."


Unsere Forschungen haben gezeigt, es ist unwahrscheinlich, dass eine spezielle Ernährung oder Nahrungsmittel als einzige Ursache für Krebs genannt werden kann. Es sind bestimmte Ernährungsweisen, gepaart mit dem Grad körperlicher Bewegung über ein gesamtes Leben, die darüber entscheiden, ob es wahrscheinlich ist, an Krebs zu erkranken oder nicht.Dr. Kate Allen, WCRF’s executive director of science and public affairs.

Was die Politik tun kann

Aber auch die staatlichen Regierungen werden von der WCRF in die Pflicht genommen. Eine bestimmte Politik im Gesundheitswesen sollte demnach die Werbung von Fertigessen und Fast-Food zu Discountpreisen regulieren und reduzieren. Außerdem sollten Programme entwickelt werden, die es den Menschen attraktiver machen, sich körperlich zu ertüchtigen. 

Bereits vor zehn Jahren identifizierte der WCRF einen Zusammenhang zwischen Adipositas und sieben Krebserkrankungen. Der neueste Bericht spricht nun von fünf weiteren Krebsarten, die als direkte Folge von Adipositas auftreten können. Das sind alle zwölf Krebsarten, die durch Fettleibigkeit begünstigt werden: Leber, Eierstock, Prostata, Bauch, Mund und Rachen, Darm, Brust, Gallenblase, Niere, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse und Gebärmutter. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN