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„In fünf Minuten war es vorbei“ Viele Häuser nach Tornado am Niederrhein unbewohnbar

Von dpa

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Viersen. Dunkle Wolken, Donner, Erde in der Luft, peitschende Böen: Tausende haben im Raum Viersen eine bedrohliche Erfahrung mit Extremwetter gemacht. Manche stehen nun buchstäblich ohne Dach über dem Kopf da.

m Morgen nach dem folgenschweren Wirbelsturm bei Viersen am Niederrhein gehen die Aufräumarbeiten weiter. „Da gibt es viel zu tun - vor allem für die Dachdecker“, sagte ein Sprecher der Stadt Viersen am Donnerstag.

Der Tornado, der am Mittwochabend über mehrere Ortschaften gefegt war, deckte etwa 40 bis 50 Häuser ab, rund 150 Menschen erlitten materielle Schäden. Es gab zwei Verletzte: einen Feuerwehrmann und einen Autofahrer.

Es ist kurz vor 18 Uhr am Mittwochabend, als der Tornado in dem Ortsteil Boisheim auftaucht und in einem schmalen Streifen auch Nachbarortschaften erfasst. Ein 23-Jähriger, der aus seinem Fahrzeug aussteigt, wird durch herabstürzende Äste schwer verletzt. Es gibt auch einen Leichtverletzten.

Videos zeigen die Windhose

Aus dem Auto und dem Dachfenster filmen Augenzeugen die mächtige Windhose, die Erde und teilweise auch Hagel durch die Luft wirbelt, wie auf Videos in den sozialen Netzwerken zu sehen ist. Zahlreiche Bäume stürzen durch die Naturgewalt um. Auf der A61, auf Land- und Kreisstraßen gibt es massive Verkehrsbehinderungen.

Ein Wohnmobil liegt nach einem Wirbelsturm in einem Garten. Foto: dpa

Die Bahnstrecke zwischen Venlo und Mönchengladbach muss ebenfalls gesperrt werden, berichtet die Polizei in einer ersten Bilanz. Zumindest einige Nebenstraßen dürften für eine längere Zeit gesperrt bleiben. Wie hoch der Sachschaden ist, können die Behörden zuerst noch nicht beziffern.

Ein Wohnwagen, der durch die Luft wirbelt

Edith Schaul in Viersen-Boisheim steht gerade im Garten, als das Unwetter aufzieht. Erst Wolken, es donnert, dann wird auch Erde aufgewirbelt. Sie sucht schnell Schutz im Haus. „Ruckzuck, in fünf Minuten war es vorbei“, schildert sie wenige Stunden später.

Abgedeckte Dächer an vielen der Häuser, Baumreste und auch ein Wohnwagen, der durch die Luft gewirbelt in Büschen landete, hat die Windhose zurückgelassen. Noch bei Tageslicht machen sich die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW, Anwohner und Dachdecker daran, die Schäden zu beseitigen. Mit Besen, Leitern und Werkzeug.

Allein im 2000 Einwohner zählenden Viersen-Boisheim haben nach ersten Schätzungen 40 bis 50 Häuser nun Schäden. Mehrere von ihnen sind nach den Angaben der Stadt sogar so stark beschädigt, dass die Bewohner vorerst nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können. Es müssen Notunterkünfte her.

Schneise der Verwüstung

„Eine Windhose hat eine Schneise der Verwüstung durch den Kreis Viersen geschlagen“, berichtet der Kreis zunächst mit Verweis auf die Feuerwehr auf seiner Facebookseite. Es sei aber glücklicherweise örtlich begrenzt nur ein schmaler Streifen, wie sich bei den zahlreichen Einsätzen dann herausgestellt habe. Neben Viersen-Boisheim erfasste der Sturm auch Nettetal-Schaag, Schwalmtal-Dilkrath, Schwalmtal und teilweise auch Niederkrüchten.

Der Wirbelsturm, den Wetterunternehmer Jörg Kachelmann auf seiner Internetseite als „sehr eindrucksvoll“ bezeichnet, steht nicht allein da. In Deutschland seien in diesem Jahr bisher mindestens sechs Tornados beobachtet worden, schreibt Kachelmann.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Mittwochabend noch keine näheren Daten zum Tornado. Informationen, wie stark genau die Windhose war, ließen sich erst im Nachhinein rekonstruieren, wenn man die Schäden vor Ort bewerten könne, sagt ein DWD-Meteorologe in Offenbach.


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