Nach Ausschreitungen in Hamburg Foto-Fahndung: Polizei sucht diese mutmaßlichen G-20-Gewalttäter

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Treffen der G20-Staaten im Juli 2017 war von schweren Ausschreitungen begleitet worden. Foto: dpaDas Treffen der G20-Staaten im Juli 2017 war von schweren Ausschreitungen begleitet worden. Foto: dpa

Hamburg. Den Unbekannten werden gefährliche Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch oder Plünderung vorgeworfen.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Hamburg haben Fotos von weiteren 101 mutmaßlichen G20-Gewalttätern ins Internet gestellt. Den unbekannten Verdächtigen würden schwere Straftaten wie gefährliche Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch oder Plünderung vorgeworfen, sagte Staatsanwalt Michael Elsner am Mittwoch. Polizeisprecher Timo Zill bat die Bevölkerung um Mithilfe bei der Identifizierung der Gesuchten.


Polizeipressesprecher Timo Zill erläuterte die Funktion der Öffentlichkeitsfahndung der Soko "Schwarzer Block". Foto: dpa


Die erste Öffentlichkeitsfahndung, die am 18. Dezember vergangenen Jahres gestartet worden war, sei sehr erfolgreich gewesen. 35 der 107 gesuchten Verdächtigen - knapp 33 Prozent - seien identifiziert worden. Bei normalen Fahndungen dieser Art liege die Erfolgsquote bei fünf bis zehn Prozent, erklärte Zill. Bereits am ersten Tag nach Veröffentlichung sei 2,5 Millionen Mal auf die Internetseite zugegriffen worden, insgeamt seien es inzwischen 3,8 Millionen Klicks. Es seien mehr als 300 sachdienliche Hinweise eingegangen.

101 neue Bilder von Tatverdächtigen wurden veröffentlicht. Foto: dpa


Während des Treffens der G-20-Staaten im Juli 2017 war Hamburg von schweren Ausschreitungen erschüttert worden.Tausende Gipfelgegner griffen Polizisten an, setzten Autos in Brand und plünderten Geschäfte. Die Soko "Schwarzer Block", an der auch Beamte aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei beteiligt sind, bearbeitet derzeit 3200 Ermittlungsverfahren. Insgesamt gebe es 733 Beschuldigte, von denen 140 Ausländer seien. 91 Fotos seien an die Behörden anderer EU-Länder weitergegeben worden. Die dort laufende polizei-interne Fahndung habe bereits erste Hinweise erbracht. 

Zur Verfügung stünden der Soko sieben Terabyte an Videodateien, sowie weitere zehn Terabyte aus externen Quellen, sagte Zill. 5900 relevante Dateien habe die Polizei über ihr Hinweisportal bekommen, 450.000 Stunden Videoaufnahmen von der Hamburger Hochbahn. Seit März setzten die Ermittler auch eine Gesichtserkennungssoftware als Hilfsmittel ein. In rund 100 Fällen sei es dadurch gelungen, konkreten Personen weitere Straftaten zuzuordnen.

Warum die Foto-Fahndung zulässig ist

Staatsanwalt Elsner betonte, dass das Mittel der Öffentlichkeitsfahndung in der Strafprozessordnung vorgesehen sei. Wenn ein Verdächtiger durch polizei-interne Ermittlungen nicht identifiziert werden könne, müsse die Staatsanwaltschaft bei erheblichen Straftaten die vorgesehenen Mittel ausschöpfen. Bei Delikten von geringerer Bedeutung wie Sachbeschädigungen komme die Öffentlichkeitsfahndung nicht in Frage. Jede Fotoveröffentlichung sei richterlich genehmigt. Bei einer Suche nach einem erkennbar Jugendlichen oder Heranwachsenden entscheide ein Jugendrichter über die Veröffentlichung des Fotos. Bislang habe nur in einem Fall das Gericht der Fahndung nicht zugestimmt, weil der Richter die Qualität des Fotos für nicht ausreichend hielt, sagte Zill.

Von den 35 durch die erste Fotofahndung identifizierten Beschuldigten seien inzwischen zwei angeklagt worden, in einem Fall sei ein Strafbefehl erlassen worden, sagte Elsner. In den übrigen Fällen dauerten die Ermittlungen an.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN