Aufräumarbeiten Unwetterschäden im Norden nach Gewitter – Häuser einsturzgefährdet

Von dpa

Eine Hauswand ist nach einer Überflutung zerstört. Ein Unwetter in dem Ort in der Nähe von Hamburg hat am Vortag für viele Überschwemmungen und Schäden gesorgt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpaEine Hauswand ist nach einer Überflutung zerstört. Ein Unwetter in dem Ort in der Nähe von Hamburg hat am Vortag für viele Überschwemmungen und Schäden gesorgt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Hamburg. Starker Regen, große Hagelkörner: Ein heftiges Unwetter wütet an Vatertag im Osten Hamburgs und Teilen Schleswig-Holsteins. Die Aufräumarbeiten dauern an, die Höhe des Schadens ist nicht absehbar. Bei einigen Häusern besteht Einsturzgefahr.

Einsturzgefährdete Häuser, vollgelaufene Keller und überflutete Straßen: Das starke Unwetter in Teilen Hamburgs und Schleswig-Holsteins hat am Vatertag große Schäden angerichtet. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, auch am Freitag liefen die Arbeiten mancherorts noch weiter. „Zur Zeit ist noch Action“, sagte am Mittag Feuerwehrsprecher Christian Höft in Oststeinbek (Kreis Stormarn) östlich von Hamburg. Rund 200 Einsätze wurden allein in der 9000-Seelen-Gemeinde gezählt, verletzt wurde aber niemand. „Es wurde durchgepumpt, es gab keine Pause heute Nacht.“

Dabei hatte der Donnerstag so sonnig begonnen, doch am Nachmittag krachte es heftig. Aber nur sehr lokal, im Westen von Hamburg etwa war kaum etwas zu spüren. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gab es zwei Schwerpunkte: Im Hamburger Osten und bei Quickborn. „Der Hotspot in Hamburg-Billstedt hatte maximale Niederschlagsmengen von bis zu 80 Liter pro Quadratmeter innerhalb von zwei Stunden“, sagte DWD-Meterologe Karsten Kürbis. „Das ist ein sehr seltenes Ereignis, dass es so extreme Mengen gibt in kurzer Zeit.“ Hagel mit einem Durchmesser von etwa drei bis vier Zentimetern sei heruntergekommen. „Das ist schon heftig“, betonte Kürbis.

Knapp 1200 Einsätze verzeichnete die Hamburger Feuerwehr. Im Stadtteil Lohbrügge hinterließ die Kraft der Wassermassen an Himmelfahrt furchtbare Spuren: Der Parkplatz eines Mehrfamilienhauses mit neun Wohnungen wurde weggerissen, zurück blieb ein riesiges Erdloch. Darin lag ein umgekipptes Auto. Die Anwohner mussten das Haus sofort verlassen, denn die Hauswand ist aufgerissen. Es bestand Einsturzgefahr. Sie kamen bei Verwandten und Bekannten unter.

„Man steht so unter Schock“, sagte Bewohnerin Julia Knobloch, die Augen der 25-Jährigen füllten sich mit Tränen. „Man hat Angst um die Erinnerungsstücke, die man wiederhaben möchte.“ Die Mieter durften zwar am Freitag noch nicht zurück in ihre Wohnungen, Helfer holten aber mehrere Tiere aus dem Haus. Ob es noch einmal bewohnbar sein werde, müsse noch geprüft werden, sagte Markus Tanne vom Vorstand der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille.

Straßen standen bis zu einem Meter unter Wasser, wie die Feuerwehr berichtete. Im Bereich Lohbrügge/Bergedorf waren mehrere Menschen auf überschwemmten Straßen in Autos eingeschlossen. Einen Rollstuhlfahrer brachten die Rettungskräfte aus seiner Wohnung, in der das Wasser mehr als einen halben Meter hoch stand, in Sicherheit. Die Regenmassen sorgten für zahlreiche überflutete Keller. Auch im Unfallkrankenhaus Boberg musste der Keller leer gepumpt werden. Der Betrieb war nach Angaben der Behörden aber nicht gefährdet.

Die Bundesstraße 5 war zeitweise komplett gesperrt. Im Stadtteil Berne musste die Strecke der U1 über 300 Meter dichtgemacht und der Bahndamm gesichert werden. Die Hochbahn richtete einen Ersatzverkehr zwischen den Stationen Berne und Farmsen ein.

50 Mitarbeiter von Feuerwehr und THW sicherten nach einem Deichbruch der Glinder Au mit Tausenden von Sandsäcken eine Mühle in Kirchsteinbek. „Der Deich war in mindestens zwölf Meter Breite eingerissen“, sagte Feuerwehrsprecher Werner Nölken am Freitag. Eine Unterspülung des Mühlenbetriebs war befürchtet worden. „Es sieht gut aus“, meinte Nölken.

Die Veranstalter des 829. Hafengeburtstages hatten derweil Glück: „Es war, als ob ein Schutzschild über dem Hafengeburtstag gelegen hätte“, sagte DWD-Meteorologe Robert Scholz. Die Landungsbrücken blieben bis auf einige Regentropfen verschont.

Ein starker Gewitterschauer löste auch im Kreis Pinneberg in Quickborn und der Gemeinde Hasloh Dutzende Feuerwehreinsätze aus. Ab dem Nachmittag seien rund 130 Einsatzkräfte mehrerer Freiwilliger Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks Barmstedt ausgerückt, teilte der Kreisfeuerwehrverband Pinneberg mit.

Ein Auto liegt in Hamburg-Lohbrügge in einer Senke die nach heftigem Regen entstanden ist. Das anliegende Wohnhaus musste wegen der Unterspülung evakuiert werden. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

„Oststeinbek im Ausnahmezustand“, hieß es bei der dortigen Freiwilligen Feuerwehr. Flüsse und Bäche schwollen wegen der Regenfälle enorm an, aus Gullys sprudelte es. Eine historische Wassermühle sei unbewohnbar, es bestehe Einsturzgefahr, sagte Feuerwehrsprecher Höft. „Ein solches Unwetter haben wir in den letzten Jahrzehnten nicht erlebt.“