EU fordert mehr Schutz Journalistin in Montenegro angeschossen – Hunderte demonstrieren

Von afp

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"Stoppt die Gewalt" steht auf dem Schild, das ein Demonstrant vor Montenegros Regierungsgebäude hochhält. In jüngster Zeit hat es in den Balkanstaaten mehrere Anschläge auf Journalisten gegeben. Foto: AFP"Stoppt die Gewalt" steht auf dem Schild, das ein Demonstrant vor Montenegros Regierungsgebäude hochhält. In jüngster Zeit hat es in den Balkanstaaten mehrere Anschläge auf Journalisten gegeben. Foto: AFP

Podgorica. Unbekannte haben im Balkanstaat Montenegro die Enthüllungsjournalistin Olivera Lakic angeschossen. Der Europarat reagierte mit Bestürzung und rief zum Schutz von Journalisten und unabhängigen Medien auf. In Podgorica demonstrierten hunderte Menschen.

Lakic wurde nach Angaben der Polizei am Dienstag in der Hauptstadt Podgorica angeschossen, die Verletzung am rechten Bein sei aber nicht lebensgefährlich. Es handelte sich um den insgesamt dritten Angriff auf die Journalistin. 

Lakic berichtete in ihrer Zeitung "Vijesti" von dem Überfall: Ein Mann habe sich ihr vor ihrem Haus genähert und "auf das Bein geschossen". Zwei weitere Männer seien weggerannt. "Ich bin sprachlos. Wie lange passiert so etwas noch in Montenegro?"

Die Polizei sperrte die wichtigsten Straßen von Podgorica, um den Angreifer zu fassen. Dieser konnte zunächst aber nicht festgenommen werden.

Bislang kein Angriff aufgeklärt

Während der vergangenen 15 Jahre wurden in Montenegro insgesamt rund ein Dutzend Angriffe auf Journalisten verübt. Keine der Taten wurde bislang aufgeklärt. Erst im vergangenen Monat war eine Bombe vor dem Haus eines bekannten Reporters in der nördlichen Stadt Bijelo Polje explodiert.

Polizisten sichern den Tatort. Foto: AFP

Am Mittwochabend demonstrierten mehrere hundert Menschen im Zentrum von Podgorica für einen besseren Schutz für Journalisten. "Vijesti"-Verleger Zeljko Ivanovic äußerte vor den Demonstranten Zweifel am Aufklärungswillen der Behörden: "Ich bin nicht optimistisch, was die Ermittlungen angeht." Der montenegrinische Ministerpräsident Dusko Markovic hatte zuvor eine "schnelle und effektive" Untersuchung in Aussicht gestellt.

"Trend stoppen"

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, äußerte sich "schockiert und traurig" über den neuen Angriff auf Lakic. Die Arbeit von Journalisten und unabhängigen Medien sei "wesentlich für das Funktionieren jeder Demokratie", erklärte Jagland. Angriffe auf Journalisten seien daher immer auch Angriffe auf die Demokratie. Leider häuften sich derzeit solche Attacken. "Wir müssen alles tun, um diesen Trend zu stoppen", forderte Jagland.

Die Menschenrechtskommissarin der paneuropäischen Länderorganisation, Dunja Mijatovic, rief die Regierung in Montenegro auf, die Sicherheit der Journalistin zu gewährleisten. Die für die Anschläge Verantwortlichen müssten identifiziert und vor Gericht gestellt werden.

Die EU, in der Montenegro bis zum Jahr 2025 Mitglied werden will, sowie internationale Menschenrechtsorganisationen drängten die Behörden Montenegros zur Aufklärung der Angriffe.




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