Ein Jahr als Inselpolizist auf Pellworm Knochen im Watt und schlechtes Wetter

Von dpa

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Seit einem Jahr ist Markus Stephan nun einziger Polizist auf Pellworm. Foto: Carsten Rehder/dpaSeit einem Jahr ist Markus Stephan nun einziger Polizist auf Pellworm. Foto: Carsten Rehder/dpa

Pellworm. Kein Streifenwagen, keine Arrestzelle, dafür Knochen im Watt und Fahrten mit dem Rettungskreuzer. Seit einem Jahr ist Markus Stephan nun einziger Polizist auf Pellworm. Bereut hat er den Wechsel von Krefeld auf die Nordseeinsel nicht.

Auf Pellworm ist er einfach „Markus der Polizist“. Seit dem 1. Mai 2017 tut Markus Stephan aus Krefeld offiziell Dienst in der Ein-Mann-Wache auf der Nordseeinsel. Wie hat er das erste Jahr fernab großer Dienststellen und Kriminalfälle erlebt? „Die Bilanz ist durchaus positiv“, sagt der 47-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Auch wenn es nicht immer ganz einfach war.

„In den ersten Monaten war es schwierig, Privates und Berufliches unter einen Hut zu kriegen“, gibt Stephan zu. Der Umzug und die Einrichtung des neuen Zuhauses auf der einen Seite und auf der anderen Seite das Einfinden in den neuen Job. „Das System Polizei Schleswig-Holstein tickt ja nun mal doch ganz anders. Angefangen beim Computersystem.“ Zum Schreiben einer Anzeige habe er beispielsweise anfangs eine Stunde oder länger gebraucht, in Nordrhein-Westfalen war er nach einer halben Stunde fertig. „Die Erfahrung fehlte.“ Hinzu kam die Anforderung, der einzige zu sein, das gefühlte „Rund-um-die-Uhr-im-Dienst“ sein. Und natürlich das Wetter, das sich in seinem ersten Jahr auf der Insel nicht von seiner besten Seite zeigte. „Als Start war das schon eine Härteprobe.“

Dennoch, weg will Stephan nicht mehr. „Die Insel an sich ist eine positive Erfahrung.“ Da sind zum einen die Leute, die ihn „total positiv“ aufgenommen haben. Und zum anderen seine Arbeit. „Das ist wirklich das schöne, es ist wirklich von A bis Z alles dabei“, sagt der groß gewachsene sportliche Mann. Ihn freut vor allem, dass er auf Pellworm als Polizist wirklich noch Freund und Helfer sein kann.

Auf der Insel mit 1100 Einwohnern ist vieles anders. Nicht nur dass der Inselpolizist traditionell seinen Privatwagen auch als Dienstwagen nutzt. Auch die Einsätze unterscheiden sich manchmal deutlich von denen auf dem Festland und vor allem denen in einer großen Stadt wie Krefeld. Natürlich habe er es auch mit normalen Sachen wie einfachen „Bitte-schnall-Dich-an“-Fällen und Internetbetrügerein zu tun, sagt Stephan.

„Aber es gibt auch Dinge, die man nur auf einer Insel erlebt.“ So wie den Knochenfund im Watt, den Urlauber ihm meldeten. „Die waren wirklich so groß, dass sie vom Menschen hätten sein können.“ Stephan fotografierte die Knochen, vermaß sie und schickte die Daten an die Rechtsmedizin nach Kiel. Aus der Landeshauptstadt kam die Entwarnung, menschlicher Herkunft waren die Knochen nicht. Stephan ermittelte und recherchierte selbst noch ein bisschen weiter. Sein Ergebnis: „Das ist wahrscheinlich ein Seehund gewesen.“ Die Knochen zieren als Andenken an den außergewöhnlichen Fall nun das Büro des Inselpolizisten.

Andersherum sind manche Vorfälle, die für die Polizei auf dem Festland alltägliche Routine sind, auf der Insel speziell. Zumindest die Art, wie die Dinge angepackt werden müssen. Der Umgang mit renitenten Randalieren gehört beispielsweise dazu. Auf Pellworm gibt es keine Gewahrsamzellen, wo die Unruhestifter untergebracht werden können. Diese werden dann schon mal notdürftig fixiert mit dem Seenotrettungskreuzer von der Insel gebracht. „Da hat man dann direkt eine Nachtfahrt mit dem Rettungskreuzer.“ Dieses Improvisieren gefällt Stephan. „Das macht es interessant und nie langweilig.“

Als Abwechslung vom Inselleben arbeitet Stephan noch als Einsatztrainer. In Nordrhein-Westfalen hat er dies viele Jahre hauptamtlich gemacht. Hier in Schleswig-Holstein trainiert er neben seinem Job als Inselpolizist mit den Kollegen vom Festland und den anderen Inseln, etwa wie bei einem Terrorfall vorgegangen werden soll. „Das ist dann noch mal ein ganz anderer Fokus.“


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