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Chronologie des U-Boot-Falls Höchststrafe im Mordprozess für Erfinder Peter Madsen

Von dpa

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In Kopenhagen hat das Gericht am Mittwoch gegen 13 Uhr das Urteil im Mordprozess gegen Peter Madsen verkündet. Foto: imago/Ritzau Scanpix.In Kopenhagen hat das Gericht am Mittwoch gegen 13 Uhr das Urteil im Mordprozess gegen Peter Madsen verkündet. Foto: imago/Ritzau Scanpix.

Kopenhagen. Früher galt Peter Madsen in Dänemark als verrücktes Genie. Jetzt sieht ihn ein Gericht als perversen Lustmörder ohne jedes Mitgefühl. Entsprechend hart ist die Strafe. Sein Opfer hatte keine Angst vor ihm gehabt. Nur vor dem U-Boot, in dem es starb.

Keiner der Richter nimmt Peter Madsen die Geschichte vom tragischen Unfalltod einer Reporterin in seinem U-Boot ab. Während sie seine Verteidigung in der Luft zerreißen, sitzt der Erfinder völlig emotionslos da. Minutenlang zuckt kein Muskel. Das passt zu dem Menschen, den Psychologen als emotional schwer gestört, als frei von Werten beschreiben. „Unglaubwürdig", sagt Richterin Anette Burkø. Das ist das entscheidende Wort. Das Gericht hält ihn für den kaltblütigen Mörder von Kim Wall, für einen Sexualverbrecher. Madsen bekommt die Höchststrafe: Er muss lebenslang ins Gefängnis.

„Hier ist die Rede von einem zynischen und geplanten sexuellen Übergriff und Mord von besonders brutalem Charakter an einer zufälligen Frau", sagt die Richterin.

Die Geschichte, die sie nach dem Urteilsspruch vom Mittwoch noch einmal erzählt, ist eine Horrorgeschichte, die man in einem Thriller als übertrieben abgetan hätte: Lange vor der schicksalsträchtigen Sommernacht vom 10. auf den 11. August 2017 habe der 47-Jährige sein Verbrechen geplant. Mehrere Frauen fragte er, ob sie mit ihm auf Tour kommen wollten. Alle lehnten ab - die 30-jährige Wall nicht. Ein zufälliges Opfer, „zur falschen Zeit am falschen Ort", sagt Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen. 



Die 30-Jährige ist investigative Journalistin, hat bereits aus Uganda und Sri Lanka berichtet, schrieb für den „Guardian", die „New York Times" und das renommierte „Time"-Magazin. „Sie fand Geschichten, wo immer sie hinreiste", erzählt ihre Mutter. „Kim hatte eine einzigartige Fähigkeit, den Menschen zu sehen." Der Mensch in ihrer nächsten Story sollte Madsen sein. Vor der Tauchfahrt habe sie zwar etwas Angst gehabt, erzählte ihr Freund dänischen Medien. Doch eher wegen des beklemmenden Gefühls unter Wasser als wegen Madsen.

Niemand ahnte, welche perversen Sex-Fantasien der Erfinder hegte. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass er die junge Frau im U-Boot fesselte, auf Brüste, Bauch und Geschlechtsteile einstach und sie dann tötete. Ob er sie tatsächlich enthauptete, können Mediziner nicht mehr feststellen. Die Leiche fand man in Einzelteilen Tage und Wochen später im Meer, erst Torso und Kopf, dann Beine und Arme.

Haltlose Behauptungen aufgestellt

Madsens eigene Erklärung, Wall sei bei einem tragischen Unfall an Abgasen erstickt, passe in vielen Punkten nicht zusammen, findet das Gericht. Genau wie seine Behauptung, dass Wall bereits tot war, als er auf sie einstach.

Vor dieser tragischen Sommernacht war Peter Madsen in Dänemark als ziemlich verrückter, doch genialer Wissenschaftler bekannt. Ein extremer Mensch, über den Bücher geschrieben und Dokumentarfilme gedreht wurden. Ein Mann, der mit einer selbstgebauten Rakete ins All fliegen wollte. Ein selbstfixierter Spinner im olivgrünen Arbeitsoverall, der sich mit seinen Partnern explosiv streiten konnte, im Grunde aber harmlos war. 


Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen (Mitte) hatte die Höchststrafe gefordert. Foto: AFP


Nach dem Prozess kann und will dies niemand mehr behaupten. Vor Gericht wirkte er oft, als halte er sich für den Klügsten im Raum. Die Details, die zu Tage kamen, sind so entsetzlich und grausam, dass die Richter irgendwann baten, nur noch das Notwendigste sehen zu müssen. Madsen war fasziniert vom Tod – in seiner brutalsten Weise. Er schaute Videos, auf denen Menschen hingerichtet und enthauptet werden – echte Filme, keine Fiktion. Die Bilder sahen im Prozess nur Richter, Verteidigung und Anklage. Die Geräusche der sterbenden Menschen jedoch hörten alle.

Sexuell erregt von Folter

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen ist überzeugt, dass diese Videos Madsen sexuell erregten – und dass er sie deshalb im U-Boot nachstellte. Madsen selbst beteuert, die Filme hätten für ihn keinen sexuellen Wert. Es gehe ihm lediglich darum, emotional berührt zu werden. Doch das glaubt ihm die Staatsanwaltschaft nicht.

Weil sie Sperma in der Unterhose fand, die Madsen in der Mordnacht trug. Weil Zeugen aussagten, der Erfinder habe davon geträumt, in der „Nautilus" Snuff-Pornos zu drehen, Morde vor laufender Kamera. Bei der letzten Fahrt hatte Madsen eine Kamera an Bord, die Speicherkarte ist verschwunden.

All das seien jedoch keine Beweise, nur „Annahmen und schwache Indizien", hatte Verteidigerin Betina Hald Engmark argumentiert. Sie warnte das Gericht, sich nicht auf ein Bauchgefühl zu verlassen. Nach dem Urteilsspruch ist schnell klar: Das wird die Verteidigung nicht akzeptieren, sie wird in Berufung gehen.

Psychologen: Gefahr für die Gesellschaft

Doch die Indizien der Anklage waren stark. So stark, dass die Richter die Höchststrafe aussprachen. Lebenslang wird in Dänemark eigentlich selten für einen einzelnen Mord verhängt – nur, wenn die Umstände extrem sind. Im Durchschnitt werden lebenslang Verurteilte nach 15 Jahren begnadigt, doch dafür hat Madsen keine Garantie. Es gibt Verbrecher, die wirklich bis zum Tod im Gefängnis blieben.

Psychologen halten das bei Madsen für angebracht. Er sei eine Gefahr für die Gesellschaft, sagen sie. Es mangele dem Mann an Empathie, er sei pervers und narzisstisch. Gefühle zeigt er maximal, wenn es um ihn selbst gehe. Ein einziges Mal kamen ihm im Prozess die Tränen: Als er von der SMS erzählt, die er seiner Frau nach Walls Tod schrieb. „Ich bin ein wenig auf Abenteuer mit Nautilus. Alles gut. Fahre in ruhiger See und Mondlicht. Tauche nicht. Küsse und Umarmungen für die Katzen." Es sollte der Abschied sein.

Wall schickte kurz davor auch eine SMS an ihren Freund. Heute erscheinen ihre Worte grausam prophetisch: „Ich lebe übrigens noch", schrieb die junge Frau. 


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