zuletzt aktualisiert vor

Bundesweite Razzia auch in Niedersachsen Über 100 Festnahmen bei Schlag gegen Rotlicht-Bande

Von dpa


Goslar/Düsseldorf/Siegen. Die Bundespolizei hat im Zusammenhang mit ihrer groß angelegten Aktion gegen eine Bande im Rotlichtmilieu mehr als 100 Personen vorläufig festgenommen Im Rahmen der bundesweiten Razzia wurden auch in Niedersachsen und Bremen elf Objekte durchsucht.

Die Polizisten durchsuchten jeweils zwei Bordelle in Hannover und Bremen. Die anderen Einsatzorte waren Delmenhorst, Goslar, Göttingen, Oldenburg, Wolfsburg, Bad Pyrmont und Bad Nenndorf. Insgesamt seien in zwölf Bundesländern 62 Bordelle und Privatwohnungen durchsucht worden. Die Bundespolizei nahm mehr als 100 Personen vorläufig fest. Sieben Haftbefehle wurden vollstreckt.

Bundesweite Aktion

Die Groß-Razzia, an der bundesweit mehr als 1500 Beamte beteiligt waren, richte sich gegen eine Bande im Rotlichtmilieu, deren Kern aus 15 bis 20 Personen deutscher und thailändischer Nationalität bestehen soll, hieß es bei der Bundespolizei.

Ihnen werde Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung von Prostituierten vorgeworfen. Die mutmaßlichen Täter sollen mehrere Hundert Frauen und Transsexuelle mit gefälschten Visa aus Thailand nach Deutschland eingeschleust haben, um sie hier zur Prostitution zu zwingen.

Den Opfern seien in Deutschland die Pässe abgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. „Sie wurden in einer Art Rotationsverfahren von Bordell zu Bordell gebracht und mussten alles eingenommene Geld abgeben.“

Hauptbeschuldigte in NRW

Zur genauen Zahl der betroffenen Prostituierten und zu ihrem Alter gab es zunächst keine Angaben. Die Ermittlungen richteten sich bundesweit gegen 17 Hauptverdächtige, sagte der Sprecher.

Während es nach den bisherigen Angaben in Niedersachsen keine Festnahmen gab, wurden in Nordrhein-Westfalen mehrere Haftbefehle vollstreckt. Hauptbeschuldigte soll eine 59 Jahre alte Frau aus Thailand sein. Sie sei in Siegen verhaftet worden.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nannte die Großrazzia der Bundespolizei einen beispiellosen Schlag gegen „ein bundesweit verzweigtes Netzwerk“. „Viele hunderte Frauen und Männer waren der menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre und Landesgrenzen hinweg ausgeliefert“, teilte Seehofer mit.

Die Durchsuchungen, die von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt veranlasst worden seien, waren am Mittwochvormittag noch nicht abgeschlossen. Es handele sich um die größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der Bundespolizei, betonten mehrere Direktionen am Mittwochmorgen via Twitter.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN