Konservierte Kinderkörper Überreste von 74 Kindern aus Anatomie in Halle bestattet

Von afp

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Die CT-Aufnahme des Leichnams eines acht Monate alten Säuglings zeigt Heike Kielstein, Institutsdirektorin der Anatomie an der Universität in Halle/Saale auf einem Display in ihrem Büro. Foto: dpaDie CT-Aufnahme des Leichnams eines acht Monate alten Säuglings zeigt Heike Kielstein, Institutsdirektorin der Anatomie an der Universität in Halle/Saale auf einem Display in ihrem Büro. Foto: dpa

Halle. In Halle sind die Überreste von 74 Kindern aus dem anatomischen Institut der Universität beerdigt worden. Doch wer die Kinder waren, wird man wohl nie erfahren.

Ihre Asche wurde am Donnerstag auf der Ehrengrabstätte der Universität auf dem Gertraudenfriedhof beigesetzt, wie die Uni mitteilte. Die in Phenol konservierten Kinderkörper stammten aus der Zeit zwischen 1920 und den 1940er Jahren und hatten jahrzehntelang in dem Institut gelegen. Ihre Identität konnte bis zuletzt nicht aufgeklärt werden.

Tod durch Krankheiten

Im Sommer 2013 hatte ein Medizindoktorand begonnen, das Kapitel aufzuarbeiten. Die Kinder, von denen mehr als 60 Früh- und Totgeborene, fünf Kleinkinder und weitere drei zwischen zwölf und 14 Jahre alt waren, stammten demnach alle aus ärmeren Familien in Halle. Sie starben unter anderem an Lungenentzündungen, Fehlbildungen des Gehirns und Skeletts oder an damals noch nicht behandelbaren Infektionen.


28.Im Keller des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Universität Halle/Saale unterhält sich Institusdirektorin Heike Kielstein mit Präparator Hans-Joachim Heine. Foto: dpa


Keines der Kinder kam den Untersuchungen zufolge gewaltsam zu Tode. Damals war es nach Angaben der Universität üblich, dass verstorbene Kinder insbesondere aus ärmeren Familien oder von ledigen Frauen, von Hebammen und Geburtshelfern in die Anatomie gebracht wurden. Die Körper wurden konserviert und für die Forschung und in der Ausbildung von Medizinstudenten eingesetzt. Zwischen 1920 und 1945 kamen so mehr als 2600 Kinder in das Institut.

Vier Jahre lang wurden die 74 Kinderleichen anhand der Knochen und teilweise im Computertomografen untersucht, um Rückschlüsse auf Alter und Todesursache zu erhalten. Nicht geklärt werden konnte die Identität. Wichtige Aufzeichnungen dazu und Identifikationsdokumenten fehlen. 


Ein Gedenkstein erinnert an die 74 Kinderleichen. Foto: dpa


Auf dem Friedhof erinnert nun ein großer heller Stein, den die Friedhofsverwaltung stiftete, an die 74 Kinder. Auf ihrem letzten Weg wurden sie unter anderem von Professoren und Angestellten des Instituts, vom Dekan der medizinischen Fakultät und Studenten begleitet.


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