Von Fotograf Ronaldo Schemidt World Press Photo 2018 zeigt brennenden Demonstranten in Venezuela

Von afp

Dieses Foto von Ronaldo Schemidt ist das World Press Photo 2018. Foto: dpaDieses Foto von Ronaldo Schemidt ist das World Press Photo 2018. Foto: dpa

Amsterdam. Das Foto von einem brennenden Demonstranten in Venezuela ist das World Press Photo 2018. Aufgenommen worden ist es von dem AFP-Fotografen Ronaldo Schemidt.

Der Fotograf Ronaldo Schemidt hatte das Bild im vergangenen Jahr während der Proteste in Caracas aufgenommen, bei denen sich regierungskritische Demonstranten schwere Zusammenstöße mit der Polizei lieferten. Das World Press Photo 2018 zeigt einen rennenden Mann mit Gasmaske, der grell leuchtende Flammen hinter sich herzieht.

Bei dem Demonstranten handelt es sich um den damals 28-jährigen Victor Salazar. Er geriet am 3. Mai 2017 in Brand, als er mit anderen Demonstranten versuchte, ein Polizei-Motorrad zu zerstören und dessen Tank explodierte. „Ich fühlte die Explosion hinter mir und spürte die Hitze, und in diesem Moment habe ich mich umgedreht und schon fotografiert, ohne zu sehen, was vor sich ging“, schilderte Schemidt. Salazar überlebte den Vorfall mit Verbrennungen ersten und zweiten Grades.

Bei der Verkündung der Sieger-Pressefotos des Jahres am Donnerstagabend in Amsterdam lobte die Jury-Vorsitzende Magdalena Herrera von der französischen Ausgabe der Zeitschrift „Geo“, Schemidts Foto habe „eine unmittelbare Energie und Dynamik“ und sei „sehr gut aufgebaut“. Die stellvertretende Fotochefin des Magazins „National Geographic“, Whitney C.Johnson, sagte, der Demonstrant auf dem Foto stehe symbolisch für die Vorstellung eines „brennenden Venezuela“.

Der 46-jährige Schemidt ist selbst Venezolaner, verließ das Land aber bereits vor 18 Jahren und lebt in Mexiko. Auch Schemidts Verwandte litten unter dem Hunger, der galoppierenden Inflation und den Lebensmittelengpässen in dem südamerikanischen Krisenland. Er wisse daher, „was Venezuela durchmacht“, erklärte Schemidt. In seiner Dankesrede widmete er den Preis seiner „Familie und allen Menschen in Venezuela“. Was er während seiner Arbeit in Venezuela gesehen habe, habe ihn sehr schockiert, sagte Schemidt. „Ich habe noch nie so etwas Gewalttätiges gesehen.“ In dem sozialistisch regierten Land herrscht eine schwere Wirtschaftskrise. Kritiker machen Staatschef Nicolás Maduro dafür verantwortlich, dem sie überdies die Unterdrückung der Opposition vorwerfen. Bei den landesweiten Protesten im vergangenen Jahr wurden mindestens 125 Menschen getötet.

Schemidts Foto holte neben dem Hauptpreis „Pressefoto des Jahres“ auch den ersten Platz in der Kategorie „Spot News“. Der dritte Platz in dieser Kategorie ging ebenfalls an einen Fotografen der Nachrichtenagentur Agence France-Presse: Auch der in Caracas ansässige Juan Barreto überzeugte die Jury mit Aufnahmen des brennenden Demonstranten in der venezolanischen Hauptstadt. Der in London ansässige freie AFP-Mitarbeiter Oliver Scarff gewann in der Kategorie Sport mit einem Schwarz-Weiß-Foto: Es zeigt zwei Mannschaften beim historischen Royal Shrovetide Football Match im englischen Ashbourne, die um einen Ball ringen. Die aus sieben Mitgliedern bestehende Jury wählte die Preisträger in den verschiedenen Kategorien aus mehr als 73.000 Fotos aus, die von 4548 Fotografen aus 125 Ländern eingereicht wurden. Die Verleihung des Welt-Pressefotos findet seit 1955 in Amsterdam statt.