Niedersachsens Umweltminister für stärkere Kontrolle Jäger wollen Wölfe in das Jagdrecht aufnehmen

Von dpa

Wolf „Alexander“ streift im Wildpark Eekholt durch sein Gehege. Foto: Carsten Rehder/dpaWolf „Alexander“ streift im Wildpark Eekholt durch sein Gehege. Foto: Carsten Rehder/dpa

Berlin. Die steigende Zahl der Wölfe bringt auch Probleme mit sich. Risse von Nutztieren und Begegnungen mit wenig scheuen Wölfen lassen Rufe nach einer Regulierung lauter werden. Jetzt fordern die Jäger eine Aufnahme ins Jagdgesetz - eine generelle Jagd wollen sie aber nicht.

Die Jäger fordern eine zeitnahe Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Das sagte ein Sprecher des Deutschen Jagdverbandes (DJV) am Mittwoch. Hintergrund seien Vorstöße in Brandenburg und Südwestdeutschland, spezielle Entnahmetrupps ohne Rücksprache mit den örtlichen Jägern zu bilden. Das habe zu einer Änderung der bisherigen Position geführt, erklärte DJV-Sprecher Torsten Reinwald in Berlin. (Weiterlesen: Erster bestätigter Wolfsriss im Umland von Osnabrück)

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) setzt sich seit Monaten für eine stärkere Kontrolle ein. „Wir müssen die Ausbreitung des Wolfes managen, auffällige Wölfe müssen konsequent kontrolliert, zügig vergrämt und nötigenfalls erschossen werden, um eine Gewöhnung der Wölfe an den Menschen zu unterbinden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur im Februar. Wölfe zu vergrämen bedeutet, sie dauerhaft zu vertreiben. Eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz lehnte Lies aber ab. Die Sicherheit der Menschen habe oberste Priorität, betonte er wiederholt.

Aufnahme ins Bundesjagdgesetz?

Bei der geforderten Aufnahme ins Bundesjagdgesetz gehe es um die Grundlage für einen bundesweit einheitlichen Umgang mit dem Wolf wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, betonte Reinwald. „Eine generelle Bejagung ist damit nicht möglich, weil der Wolf über EU-weite Regelungen weiterhin streng geschützt ist“, erklärte er.

„Wenn es um die Entnahme von Wölfen geht, muss immer der ortskundige Jäger erster Ansprechpartner sein, alles andere wäre ein inakzeptabler Eingriff ins Eigentumsrecht“, sagte dazu DJV-Präsident Hartwig Fischer. Nur wenn der berechtigte Jäger vor Ort notwendig gewordene Managementmaßnahmen nicht umsetzen könne oder wolle, sollten Behörden eingreifen können. (Weiterlesen: Wölfe töteten 2017 mehr als 500 Nutztiere in Norddeutschland)

Union und SPD wollen die Ausbreitung der Wölfe laut Koalitionsvertrag stärker kontrollieren, zugleich sollen Nutztiere besser vor Angriffen geschützt werden. Die Weidetierhaltung sei zu erhalten, die Sicherheit des Menschen genieße oberste Priorität, heißt es dort. „Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden.“ Wiederholt hatten sich Wölfe anders als von Experten erwartet wenig scheu gezeigt. Im April 2016 war deshalb ein erster sogenannter Problemwolf in Niedersachsen legal erschossen worden, im vergangenen Februar ereilte einen auffälligen Wolf in Sachsen dasselbe Schicksal.

Wolf ist eine geschützte Art

Laut Bundesnaturschutzgesetz ist eine solche sogenannte letale Entnahme bislang nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich. Als geschützte Art darf der Wolf nicht geschossen werden. Ausnahmen kann es laut Bundesumweltministerium im Extremfall geben, wenn ein Problemwolf ganze Herden reißt oder dem Menschen zu nahe kommt.

Der DJV begrüße es, dass laut Koalitionsvertrag der Schutzstatus überprüft werden solle, um eine „notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können“, so Reinwald. Laut Vertrag soll ein Katalog von Kriterien zur Entnahme von Wölfen entwickelt werden.

Seit im Jahr 2000 wieder ein erstes Rudel in Deutschland nachgewiesen wurde, hat die Wolfspopulation deutlich zugenommen, immer wieder werden Schafe und andere Nutztiere gerissen. Die Zahl der von Wölfen getöteten Nutztiere hat sich so in Niedersachsen im vergangenen Jahr auf rund 380 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

Bundesweit rund 800 Wölfe

Der DJV geht von bundesweit 800 Wölfen aus. Allein in Niedersachsen werde der Bestand derzeit auf rund 150 Tiere geschätzt, sagte Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der dort für das Monitoring der Tiere zuständigen Landesjägerschaft. Ab Mai kämen die neuen Welpen dazu. Bundesweit gebe es mehr als 60 nachgewiesene Rudel. Schätzungen seien sehr schwierig, betonte Reding. Der Bestand dürfte in den vergangenen Jahren um jeweils mindestens 30 Prozent gestiegen sein, sagte er.

Der Umweltverband NABU spricht sich für einen verbesserten Schutz der Herden etwa mit speziellen Hunden und ausreichend hohen Elektrozäunen aus. Der DJV sieht darin laut Reinwald keine praktikable Lösung. „So besteht etwa die Gefahr einer Verdrahtung der Landschaft durch immer höhere Zäune, die dem Gedanken einer Biotopvernetzung widerspricht“, sagte Reinwald. Notfalls müssten auch ganze Rudel entnommen werden. Wölfe seien bereits verhaltensauffällig, wenn sie tagsüber mehrfach in Siedlungsnähe auftauchten. „Eine natürliche Scheu vor dem Menschen besitzt der Wolf nicht“, betonte er.