Strafen für Sauforgien und Wildpinkeln steigen Partytempel Megapark auf Mallorca soll verkleinert werden

Von Ralph Schulze

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Zahlreiche Gäste feiern in der Partylocation Megapark an der Playa de Palma Foto: Jens Kalaene/dpaZahlreiche Gäste feiern in der Partylocation Megapark an der Playa de Palma Foto: Jens Kalaene/dpa

Madrid. Die Verantwortlichen in Palma de Mallorca greifen durch. Jetzt soll das größte Vergnügungszentrum der Stadt, der Megapark, um die Hälfte verkleinert werden.

Die Saubermann-Kampagne im spanischen Ferienparadies Mallorca geht weiter. Nun geht es dem größten Party- und Sauftempel auf der Insel, dem Mega-Park, an den Kragen.

Die Stadtverwaltung in Palma beschloss, dass der bekannteste Trink- und Amüsierclub der Insel, der sich an der Playa de Palma befindet, sehr viel kleiner werden muss. Rund die Hälfte des mehrstöckigen Vergnügungszentrums, in das schätzungsweise bis zu 6000 Partygäste passten, wird nun dichtgemacht.

Ein schwerer Schlag für das Vergnügungsimperium, das bisher das Epizentrum des deutschsprachigen Partytourismus an der Playa de Palma war. Dort, im Ortsteil S’Arenal, befinden sich Hunderte von Strandlokalen, Bierterrassen, Diskotheken und Sexclubs. Alkoholexzesse, etwa das inzwischen verbotene Sangria-Saufen aus großen Eimern, haben diesem Viertel den Beinamen „Ballermann“ eingebracht.

Hintergrund der Entscheidung ist offenbar eine illegale Erweiterung des Mega-Parks, die von den städtischen Aufsichtsbehörden nicht genehmigt war. Wie Palmas Baudezernent José Hila mitteilte, muss nun die Größe der Anlage wieder auf die ursprünglich genehmigte Dimension zurückgestutzt werden. Mehrere illegale Anbauten sollen abgerissen werden. Der städtischen Genehmigung zufolge dürfen sich künftig maximal 2500 Menschen gleichzeitig im Megapark aufhalten.

„Niemand kann sich über das Gesetz hinwegsetzen“, erklärte Hila. Er meinte damit wohl den Megapark-Betreiber Bartolomé Cursach, der seit einem Jahr wegen Korruptionsverdacht in Untersuchungshaft sitzt. Dieser gilt als der schillerndste Unternehmer der Vergnügungsszene Mallorcas und regiert über ein Imperium aus Biergärten, Diskotheken und Restaurants. Cursach wird beschuldigt, jahrelangstädtische Beamte und Polizisten bestochen zu haben, damit sie in seinen Etablissements über Ungesetzlichkeiten hinwegsehen.

Die polizeilichen Ermittlungen gegen Cursach, der auf der Insel als „Pate des Nachtlebens“ gilt, wurden bereits einem weiteren seiner Partytempel zum Verhängnis. Cursachs Diskothek Pachá, die nicht in S’Arenal, sondern an der Meerespromenade der Inselhauptstadt Palma liegt, musste wegen illegaler Umbauten und Verstößen gegen das Besucherlimit schließen.Auch an anderen Fronten will Palmas Stadtregierung, eine Koalition aus Sozialisten und der Insel-Ökopartei Més, weiter aufräumen und für gute Sitten sorgen. Die Außenbewirtungszonen von Lokalen, die sich in Palmas Altstadt, an der Hafenpromenade oder auch im Vergnügungsviertel Playa de Palma immer weiter auf den Bürgersteigen ausbreiten, sollen verkleinert werden, damit die Fußgänger wieder mehr Platz haben. Auch wird darüber nachgedacht, ein Werbeverbot für Saufpartys und Happy Hours zu erlassen, um Exzessen von Urlaubern vorzubeugen.

Im britischen Partyort Magaluf, westlich von Palma, wurden derweil die Strafen für „unbürgerliches Benehmen“ erheblich verschärft. Für ein lautstarkes öffentliches Besäufnis drohen dort künftig 500 Euro Strafe. Wer nackt oder mit unbedecktem Oberkörper in der Öffentlichkeit und abseits der Strände oder Pools erwischt wird, muss 400 Euro zahlen. Die gleiche Sanktion gilt für Wildpinkler. Und wer Zigarettenstummel, Plastikbecher, Bierbüchsen und sonstigen Unrat auf der Straße oder am Strand hinterlässt, muss mit 200 Euro Buße rechnen.In Palma wird bereits über eine ähnliche Verschärfung der Benimmregeln debattiert. Hoteliers und Bürgerinitiativen, die sich in der Plattform „Por una Playa de Palma Cívica“ („Für einen zivilisierte Playa de Palma“) zusammengeschlossen haben, fordern die Stadtverwaltung auf, mit „drastischen Maßnahmen“ gegen die Auswüchse des Sauftourismus vorzugehen, „den dieses Gebiet seit Jahren ertragen muss“.


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