Mordprozess in Australien Herzfrequenz aufgezeichnet: Apple Watch soll Mord aufklären

Von Barbara Barkhausen

Die Daten aus einer Apple Watch werden als Beweise in einem Mordprozess vorgelegt. Foto: dpaDie Daten aus einer Apple Watch werden als Beweise in einem Mordprozess vorgelegt. Foto: dpa

Sydney. Auf den ersten Blick schien Myrna N. das Opfer eines brutalen Überfalls mehrerer Männer. Doch jetzt hat die Polizei in Australien Daten aus einer Apple Watch als Beweise in einem Mordprozess vorgelegt. Sie deuten auf einen völlig anderen Tathergang.

Eine Apple Watch könnte in Australien nun helfen, den Mord an einer 57-jährigen Großmutter aufzuklären. Myrna N. trug die Uhr, als sie im September 2016 in ihrem Haus in Adelaide getötet wurde.

Zunächst deutete alles auf einen brutalen Einbruch hin. Es war kurz nach 22 Uhr am Abend, als die Schwiegertochter des Opfers völlig aufgelöst aus dem Haus gerannt kam. Ein Nachbar rief die Polizei, die sich die Aussage der jungen Frau anhörte.

Daten der Uhr widersprechen Zeugenaussage

Demnach sei eine Gruppe Männer ihrer Schwiegermutter am frühen Abend mit dem Auto gefolgt. Diese habe sich etwa 20 Minuten vor dem Haus mit ihnen gestritten, während sie selbst in der Küche gewesen sei. Von dem tödlichen Angriff auf ihre Schwiegermutter habe sie dann nichts mitbekommen. Die Angreifer hätten sie schließlich aber auch überfallen und gefesselt und geknebelt, bis sie sich selbst habe befreien können.

Doch die 26-Jährige hatte nicht an die Apple Watch gedacht, die ihre Schwiegermutter trug. Die intelligente Uhr hatte Daten aufgezeichnet, die der Version des Tathergangs, den die junge Frau, die selbst Mutter dreier Kinder ist, präsentierte, widersprachen. Sie deuten vielmehr daraufhin, dass die Schwiegertochter den Einbruch selbst inszeniert hat, um ihre eigene Verwicklung in den Mord zu vertuschen. Inzwischen steht die Frau deswegen in Südaustralien vor Gericht.

Herzfrequenz stoppte um 18.45 Uhr

Die australische Staatsanwältin Carmen Matteo legte in dem Mordprozess nun Daten der Smartwatch als entscheidende Beweise vor. Sie würden nachweisen, dass die Angeklagte falsch ausgesagt habe. „Eine Uhr dieser Art enthält Sensoren, die in der Lage sind, die Bewegung und die Bewegungsrate eines Menschen zu verfolgen, sie speichert die tägliche Aktivität des Trägers und misst auch die Herzfrequenz“, wurde die Staatsanwältin in lokalen Medien zitiert.

Die Apple-Daten würden zeigen, dass Myrna N. kurz nach 18.30 Uhr angegriffen wurde, als sie nach Hause kam. Zu diesem Zeitpunkt zeigten die Aktivitäts- und Herzfrequenzmessungen, dass ihr Körper nach einem Anstieg der Aktivität plötzlich in eine Art Schockzustand ging und sie wohl das Bewusstsein verlor. „Die verstorbene Frau muss gegen 18.36 Uhr angegriffen worden sein und ist mit Sicherheit um 18.45 Uhr bereits tot gewesen“, sagte Matteo. Sollten diese Daten als Beweise anerkannt werden, würden sie dem von der Angeklagten geschilderten Tathergang widersprechen.

Verräterische Anmeldung bei eBay

Erschwerend kommt für die junge Frau hinzu, dass Nachbarn ihre Version ebenfalls nicht bestätigen können. Niemand hatte einen Streit oder das beschriebene Auto gesehen und es fanden sich keinerlei DNA-Spuren möglicher fremder Angreifer am Tatort. Zudem schickte sie kurz nach 19 Uhr eine Textnachricht an ihren Mann und ging etwa zehn Minuten später auf die Seite von eBay, obwohl sie ihren eigenen Aussagen nach zu diesem Zeitpunkt bereits gefesselt war. Die drei Stunden zwischen dem Tod der Großmutter und dem Hilferuf der Schwiegertochter hätte letztere nach Meinung der Staatsanwaltschaft zum Beseitigen von Spuren und blutiger Kleidung verwenden können. Ein Urteil steht noch aus, der nächste Verhandlungstag ist für Juni angesetzt.

Der Fall in Australien ist nicht der erste, in dem die Polizei digitale Daten zur Aufklärung eines Verbrechens herangezogen hat. Auch im Freiburger Sexualmordprozess untermauerten die Ermittler die Vorwürfe gegen den Flüchtling Hussein K. mit Hilfe von Handydaten, die seinen Standort und seine Bewegungen nachvollziehen ließen.