Folgenreiches Nachspiel Polizei erklärt Flensburger Innenstadt zum „gefährlichen Ort“

Von Gunnar Dommasch

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Die Polizei erklärt die Innenstadt in Flensburg zum „gefährlichen Ort“. Symbolfoto: Michael GründelDie Polizei erklärt die Innenstadt in Flensburg zum „gefährlichen Ort“. Symbolfoto: Michael Gründel

Flensburg. Die handfesten Auseinandersetzungen aggressiver Jugendlicher in der Flensburger Innenstadt haben ein folgenreiches Nachspiel: Wie die Polizei gestern mitteilte, will sie die bereits verschärften Kontrollen weiter intensivieren und – begrenzt bis zum 20. April – die rechtlichen Möglichkeiten der Ortshaftung nutzen.

Mit sofortiger Wirkung wurden Bereiche zum „gefährlichen Ort“ erklärt. Das heißt: An diesen Plätzen genügt allein die Anwesenheit einer Person, um kontrolliert zu werden – verdachtsunabhängig. Eine konkrete Gefahr wird dabei nicht vorausgesetzt.

Am Montagnachtmittag waren fünf deutsche Jugendliche in Gewahrsam genommen worden. Bis zu 50 zum Teil aggressive Mädchen, Jungen und Heranwachsende unterschiedlicher Nationalitäten im Alter von 13 bis 21 Jahren hatten sich mit der Polizei wilde Verfolgungsjagden geliefert. „So etwas habe ich in unserer Stadt noch nicht erlebt“, sagte der Landtagsabgeordnete und Ratsherr Kay Richert (FDP). Er sei der Polizei dankbar, dass sie so schnell und umsichtig eingegriffen habe – und zeigte Verständnis für die aktuelle Maßnahme. „Die Vorkommnisse zeigen aber auch, dass wir ein Problem mit Sicherheit und Ordnung haben. Arne Rüstemeier (CDU). „Es ist die richtige Antwort des Rechtsstaates.“ Bei der SPD indes hat man die Sorge, dass „eine Kultur der Kontrolle die Kultur der Vorbeugung und Sozialarbeit ersetzt“.

Schwerpunkt der zielgerichteten Kontrollen sind Jugendliche, die im Zusammenhang mit Straftaten stehen könnten. „Aber auch Mitläufer und Schaulustige sollen dabei identifiziert werden“, betonte Polizeisprecherin Sandra Otte. „Rädelsführer sollen isoliert, Auseinandersetzungen und Straftaten verhindert werden.“ Unruhestifter werden des Ortes verwiesen. Jugendliche, die den Platzverweisen nicht nachkommen, werden in Polizeigewahrsam genommen. So erst am Mittwochabend, als sich ein 17-Jähriger den Anordnungen der Polizei widersetzte.

„Aggressives Verhalten“, so Sandra Otte, „ wird nicht geduldet und sofort unterbunden.“ Außerdem sollen sich möglicherweise anbahnende Strukturen erkannt und verhindert werden. Bislang geht die Polizei nicht davon aus, dass die Jugendgruppen als rivalisierende Banden in Erscheinung treten.


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