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Von Hamburg nach Köln Neue Konkurrenz für die Bahn – Flixbus startet Fernzugangebot

Von dpa

Der „Flixtrain“ hielt auf seiner Premierenfahrt auch am Hauptbahnhof Osnabrück. Foto: David EbenerDer „Flixtrain“ hielt auf seiner Premierenfahrt auch am Hauptbahnhof Osnabrück. Foto: David Ebener 

Hamburg. Neben grasgrünen Bussen auf den Autobahnen gibt es im Fernverkehr nun auch grüne Züge. Flixbus startet sein neues Bahnangebot und rechnet mit mehr als 500 000 Fahrgästen in diesem Jahr. Die Deutsche Bahn gibt sich derweil gelassen.

Es ist 8.20 Uhr, als Sekt den grasgrünen Lack des ersten offiziellen „Flixtrains“ am Hamburger Bahnhof Altona benetzt. „Es ist wirklich ein sehr besonderer Moment und das real zu sehen, fühlt sich schon anders an, als es auf Bildern zu sehen“, sagt Flixbus-Mitgründer Andre Schwämmlein. „Viele unserer Fahrgäste wollten ein bisschen schneller reisen und das können wir jetzt anbieten.“ Gute vier Stunden soll die Fahrt von Hamburg nach Köln planmäßig dauern und ist damit teilweise doppelt so schnell wie der Bus. Auch der ICE der Deutschen Bahn ist nicht nennenswert schneller.

Von Stuttgart nach Berlin ab Mitte April

Flixbus sei jedoch ein bescheidenes Unternehmen, ergänzt Schwämmlein. „Wir wollen nicht die zweite Deutsche Bahn werden.“ Die Züge sollen täglich außer mittwochs zwischen der Hansestadt und der Rheinmetropole pendeln, eine weitere Strecke soll Mitte April zwischen Stuttgart und Berlin eröffnet werden. Die Bahn reagiert gelassen auf den neuen Konkurrenten. „Wir bejahen den Wettbewerb, denn der Kunde profitiert davon. Auch wir als DB sind durch den Wettbewerb besser geworden.“ (Weiterlesen: Flixtrain übernimmt HKX-Linie über Osnabrück)

Angesprochen auf einen möglichen Verlust an Fahrgästen heißt es nur, dass man sicher sei, auch künftig Reisende von der Deutschen Bahn überzeugen zu können. Doch wenn die Erwartungen von Geschäftsführer Schwämmlein zutreffen, werden mehr als eine halbe Million Menschen die „Flixtrains“ bis Ende des Jahres nutzen. Die geplante Strecke zwischen Stuttgart und Berlin ist dabei schon eingerechnet. Dabei muss der „Flixtrain“ gleich zu Beginn vom Fahrplan abweichen. Schon von Samstag an können wegen Bauarbeiten im Ruhrgebiet für gut zwei Wochen beispielsweise Essen und Osnabrück nicht durchgehend angefahren werden.

Günstige Preise ein Anreiz

Bei der Jungfernfahrt am Freitag nutzen nach Angaben von Flixbus rund 500 Reisende das Angebot – und viele tun es wegen der günstigen Tickets, lockt das Unternehmen doch mit Sparangeboten von knapp zehn Euro. „Ich besuche meine beste Freundin in Köln und die Preise der Bahn sind ein bisschen zu teuer für mich“, sagt Jennifer Circelli. Da sie mit dem Flixbus „ungefähr tausend Stunden“ unterwegs sei, nutze sie nun gerne diese Alternative.

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Selbst wenn die Ticketpreise wie beim Flixbus auch steigen können, zeigte sich ein Flixbussprecher bereits am Donnerstag überzeugt: „Es wird aber immer günstiger als die Bahn sein.“ Darüber hinaus gebe es an Bord Wlan und Steckdosen in den Abteilen.

Andre Schwämmlein, Unternehmer und Gründer von Flixbus, startet mit einer Flasche Sekt die Premierenfahrt des neuen Fernzugs Flixtrain auf dem Bahnhof Altona. Foto: dpa

Das Unternehmen ist nicht der erste Anbieter auf dieser Strecke. Zuvor versuchte sich der Hamburg-Köln-Express (HKX) bereits als Alternative zur Bahn. Dieser Anbieter sei jedoch daran gescheitert, genügen Fahrgäste zu finden, sagt Schwämmlein. Flixbus bringe jedoch schon Millionen Fahrgäste mit. Daher sei er überzeugt, dass das Projekt rentabel sei. Zumindest die erste Fahrt des „Flixtrains“ ist aus Unternehmenssicht schon mal ein großer Erfolg gewesen, auch wenn der Zug Köln zu spät erreicht – um vier Minuten.