Mordkommission ermittelt 17-Jährige in Flensburg erstochen: Beziehungsdrama wahrscheinlich

Von Gunnar Dommasch

Die versiegelte Wohnungstür in Flensburg. Foto: Gunnar DommaschDie versiegelte Wohnungstür in Flensburg. Foto: Gunnar Dommasch

Flensburg. Nach dem gewaltsamen Tod einer 17-Jährigen in Flensburg hat sich der Tatverdacht gegen einen afghanischen Flüchtling erhärtet. Die Mordkommission ermittelt.

Das Schloss ist versiegelt, davor liegt eine Fußmatte mit dem Motiv fröhlicher Weihnachtswichtel – in harmonischer Zweisamkeit. Doch in der Wohnung ging es weniger harmonisch zu. Jetzt flackern Grablichter vor der Haustür. Konflikte zwischen Mireille B. und einem aus Afghanistan stammenden 18-jährigen Freund eskalierten in heftigen körperlichen Auseinandersetzungen, eine Gewaltspirale mit tödlichem Ende.

Haftbefehl wegen Totschlags

Am Mittwoch wurde bekannt, dass der zuständige Richter des Amtsgerichts auf Antrag der Staatsanwaltschaft am späten Dienstagnachmittag Haftbefehl wegen Totschlags gegen den jungen Mann erließ. Er befindet sich gegenwärtig in Untersuchungshaft. Viele Indizien deuten auf eine Beziehungstat hin.

Aus dem Umfeld der Flensburgerin wurde bekannt, dass sie im vergangenen Jahr ihren Hauptschulabschluss gemacht und sich zuletzt in Ausbildung befunden habe. Sie soll eine psychisch belastete Kindheit gehabt haben, mit zwischenzeitlicher Heimunterbringung. Die Wohnung an der Straße Zur Exe war offenbar von einer Jugendeinrichtung angemietet worden, deren Mitarbeiter sie ambulant betreuten.

Opfer soll Kopftuch getragen haben

Als das Mädchen den jungen Afghanen kennenlernte, so berichten Anwohner, habe sie begonnen, ein Kopftuch zu tragen. „Es gab häufig Streit, den man durch die dünnen Wände deutlich vernehmen konnte“, sagt eine Nachbarin. Die Jugendliche sei seitdem immer zurückhaltender geworden.

Am Montagabend war das Opfer in der eigenen Wohnung erstochen aufgefunden worden. Wiederbelebungsversuche – erfolglos. Bereits die Auswertung erster Spuren ergab einen Tatverdacht gegen den 18-Jährigen. Er wurde von der Polizei vorläufig festgenommen.

Abgelehnter Asylbewerber

Am Mittwoch bestätigte die Staatsanwaltschaft offiziell, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um einen afghanischen Flüchtling handelt, der seit 2015 in Deutschland lebte. Der Antrag des Asylbewerbers, sagte Ulrike Stahlmann-Liebelt, sei bereits abgelehnt worden. Damit drohte ihm die Abschiebung in sein Heimatland. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Es handele sich, so hieß es, um ein laufendes Verfahren.

Bestätigt wurde auch, dass es der mutmaßliche Täter gewesen sei, der selbst die Rettungskräfte alarmiert hatte. Die Vernehmung bei der Haftvorführung sei bislang ohne Ergebnis geblieben. „Der Mann“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, „machte keine Angaben.“

Leiche ist obduziert worden

Unterdessen ist eine Obduktion des Opfers von Rechtsmedizinern der Kieler Christian-Albrechts-Universität durchgeführt worden. Diese hat laut Kriminalpolizei ergeben, dass die schweren Verletzungen einer Fremdeinwirkung zuzuordnen sind. In der Wohnung waren bereits am Montag umfangreiche Spuren gesichert worden. So konnte eine Stichwaffe sichergestellt werden, die als Tatwaffe infrage kommt. Die Mordkommission ermittelt weiter. Rosen vor dem Hauseingang künden von großer Anteilnahme der Flensburger.