Nach „Kontoinhaber“-Urteil Sprachexperte: Keine einfache Lösung für gerechte Sprache

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Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Ludwig M. Eichinger, sieht aktuell keine allgemein akzeptierten Antworten für die Forderungen nach geschlechterneutralen Sprachformen und Regeln. Foto: dpaDer Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Ludwig M. Eichinger, sieht aktuell keine allgemein akzeptierten Antworten für die Forderungen nach geschlechterneutralen Sprachformen und Regeln. Foto: dpa

KNA Mannheim. Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Ludwig Eichinger, sieht aktuell keine einfachen und allgemein akzeptierten Antworten für die Forderungen nach neuen, geschlechterneutralen Sprachformen und Regeln.

„Es ist sehr positiv, dass es derzeit ein breites Nachdenken darüber gibt, wie Frauen und Männer auf neue Weise sprachlich gleichberechtigt behandelt werden können. Aber unsere Forschung zeigt, dass sich im Sprachgebrauch noch keine Lösung durchgesetzt hat“, sagte Eichinger am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur in Mannheim.

Eichinger verwies auf verschiedene Vorschläge wie ein Binnen-I (etwa bei PolitikerInnen), einen Schrägstrich ( für Polizisten/Polizistinnen) oder die Verwendung eines Sternchens (Bürger*innen). „Alle diese Formen werden bislang nur in verschwindend geringer Zahl genutzt.“

Der Sprachwissenschaftler Eichinger bezog sich auch auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Dienstag. Der BGH hatte die Klage einer Bankkundin abgewiesen, die in Vordrucken und Formularen als „Kontoinhaberin“ und nicht als „Kontoinhaber“ angesprochen werden wollte. Die Richter argumentierten, dass die grammatisch männliche Form „Kontoinhaber“ auch Frauen miteinschließe.

Generisches Maskulinum

„Das ist linguistisch argumentiert richtig, weil es das sogenannte generische Maskulinum gibt“, betonte Eichinger. „Eine andere Frage ist aber, ob breite Teile der Gesellschaft diese etablierte Sprachnutzung auch künftig weiter akzeptieren wollen.“ Antworten könnten hier aber letztlich nur in einer gesamtgesellschaftlichen Debatte gefunden werden, so Eichinger.

Das IDS diskutiert bei seiner Jahrestagung noch bis Donnerstag mit rund 400 Wissenschaftlern aus mehr als 20 Staaten. Dabei geht es neben den Fragen nach geschlechtergerechter Sprache beispielsweise um die Besonderheiten von Sprache im Internet oder um die Verbreitung und Akzeptanz von Dialekten. Das IDS mit rund 120 wissenschaftlichen Mitarbeitern ist als Grundlagenforschungsinstitut einzigartig für den gesamten deutschen Sprachraum.


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