Für ein besseres Selbstgefühl Kriegsveteranen helfen Jugendlichen im Bootcamp bei Handysucht

Von Barbara Barkhausen

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n Amerika sind die sogenannten Bootcamps für aufmüpfige Jugendliche gang und gäbe. In Australien soll ein ähnliches Konzept nun junge Leute von ihrer Abhängigkeit von Handy und Internet befreien. Kriegsveteranen finden dadurch selbst auch wieder ins Leben. Foto: dpan Amerika sind die sogenannten Bootcamps für aufmüpfige Jugendliche gang und gäbe. In Australien soll ein ähnliches Konzept nun junge Leute von ihrer Abhängigkeit von Handy und Internet befreien. Kriegsveteranen finden dadurch selbst auch wieder ins Leben. Foto: dpa

Sydney. In Amerika sind die sogenannten Bootcamps für aufmüpfige Jugendliche gang und gäbe. In Australien soll ein ähnliches Konzept nun junge Leute von ihrer Abhängigkeit von Handy und Internet befreien. Kriegsveteranen finden dadurch selbst auch wieder ins Leben.

Ein wenig geht es in dem Erziehungslager an der australischen Gold Coast wie bei der Armee zu. Es wird marschiert und trainiert, die Betten müssen ordentlich gemacht werden, die Schuhe geputzt sein. Es wird auf Pünktlichkeit und gutes Benehmen geachtet. Doch das sogenannte Bootcamp will nicht junge Menschen wieder „zurechtbiegen“. Vielmehr geht es darum, mehr Selbstvertrauen und ein besseres Selbstgefühl aufzubauen.

Für Durchschnittsjugendliche gedacht

„Unsere Programme sind für den Durchschnittsjugendlichen“, heißt es deswegen auch auf der Internetseite. Für 12- bis 17-Jährige, denen es an Selbstvertrauen oder Selbstwertgefühl fehlt, die Computerspiele oder soziale Medien priorisieren und Schwierigkeiten haben, Freunde im echten Leben zu finden. Das Programm eigne sich aber nicht für Jugendliche, die drogenabhängig seien oder ernsthaftere Probleme hätten.

Und die Kinder müssen freiwillig an dem neuntägigen, 4000 Australische Dollar (2500 Euro/3000 Franken) teuren Kurs teilnehmen, den die Veteranen, die alle in Afghanistan und im Irak gedient haben, entwickelt haben. Denn eingesperrt werden sie nicht, das Gelände hat beispielsweise keinen Zaun. Die Schüler seien allgemein ohne persönliche Disziplin und Motivation, wenn sie ankommen, sagt Troy Methorst, einer der Gründer des Programms Veteran Mentors.

Veteranen finden neuen Sinn im Leben

Schuld daran ist die Technologiesucht, so die Meinung des Veterans, der durch das Projekt selbst auch wieder mehr Lebenssinn gefunden hat, nachdem er aus der Armee ausgeschieden ist. Diese Sucht ist in seinen Augen inzwischen ein großes Problem für die heutige Jugend.

Methorst moniert als Folgen die schlechte Körperhaltung vieler Jugendlichen und, dass sie oftmals zu wenig Schlaf bekämen. Aggressives Verhalten, schlechte soziale Fähigkeiten, und sogar Depressionen und Angstzustände, insbesondere wenn Cybermobbing mit dazu kommt, könnten daraus entstehen.

Zum Abschluss ein Tandem-Fallschirmsprung

Sein Programm will deswegen den Fokus der Jugendlichen verschieben. Sämtliche elektronischen Geräte müssen gleich zu Beginn des Programms abgegeben werden. Stattdessen werden die Jugendlichen mit Klettern, Abseilen, Hindernisparcours, Floßbauen, Buschwanderungen und zum Abschluss sogar mit einem Tandem-Fallschirmsprung beschäftigt. Das gesamte Programm basiert dabei auf einem militärischen Ethos von Selbstdisziplin, Teamarbeit, moralischem und körperlichem Mut.

All das hebe das Selbstbewusstsein der Kinder ganz enorm, sagte Methorst. In 98 Prozent aller Fälle sei das Camp erfolgreich. „Am Ende des Programms sind die Jugendlichen stolz und selbstbewusst“, sagte der Veteran. Ein Jugendlicher, der dem australischen Sender Channel 7 ein Interview gab, bestätigte die Sicht von Methorst. Er habe durch das Programm beispielsweise begriffen, dass er seine elektronischen Geräte gar nicht wirklich brauche.


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