Verdächtiger in U-Haft Pfleger unter Mordverdacht: Hinweise auf viele weitere Fälle

Von dpa

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Dem Hilfspfleger wird der Mord an einem 87-Jährigen durch Insulin vorgeworfen. Foto: Oliver Berg/SymbolDem Hilfspfleger wird der Mord an einem 87-Jährigen durch Insulin vorgeworfen. Foto: Oliver Berg/Symbol

München. Ein Hilfspfleger soll bei München einen 87-Jährigen mit Insulin ermordet haben. Mit einer bundesweiten Fahndung wollen die Ermittler herausfinden, wo genau er noch beschäftigt war.

Der Fall eines Hilfspflegers, der in der Nähe von München einen 87-Jährigen mit Insulin getötet haben soll, weitet sich möglicherweise aus.

Der 36-Jährige hat vor dem mutmaßlichen Mord auch einen anderen älteren Menschen im Kreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz betreut, der einige Tage nach Verschwinden des Pflegers starb. Das teilte die Polizei Mainz mit. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Tod und der Arbeit des Pflegers gibt, werde ermittelt. Der Hilfspfleger sitzt derzeit in München unter anderem wegen Mordes in Untersuchungshaft. Er hatte an vielen Orten in Deutschland gearbeitet.

Am Dienstag hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft in München an die Öffentlichkeit gewandt. Die Ermittler wollen herausfinden, wo überall der Pfleger noch gearbeitet hat und ob es noch mehr mutmaßliche Opfer gibt. Bis Mittwoch gingen bei der Münchner Polizei 26 Hinweise aus der Bevölkerung ein, darunter Informationen zu acht Orten, an denen sich der Mann aufgehalten oder gearbeitet haben soll.

Der 87-jährige Pflegebedürftige aus Ottobrunn bei München soll gestorben sein, nachdem der Pfleger ihm Insulin - ein Blutzucker senkendes Hormon - verabreicht hatte. In vier weiteren konkreten Fällen wird geprüft, ob ihm versuchter Mord vorgeworfen werden kann, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag erklärt hatten. Die Patienten in Waiblingen (Baden-Württemberg), Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) sowie in Weilheim und Aresing (Bayern) kamen mit extrem niedrigen Blutzuckerwerten ins Krankenhaus, drei von ihnen überlebten.

Der Patient aus Mülheim, den der Hilfspfleger betreut hatte, starb jedoch zwei Monate, nachdem er ins Krankenhaus gekommen war. Jetzt sollen die genauen Umstände geklärt werden, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I erklärte. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt, das Verfahren sei jedoch nach München abgegeben worden, sagte eine Sprecherin.

Vor dem mutmaßlichen Mord in Ottobrunn betreute der Pfleger zudem einen älteren Menschen im Kreis Mainz-Bingen. Dieser sei einige Tage nach dem Verschwinden des Pflegers gestorben, erklärte die Polizei Mainz am Mittwoch. Aufgehalten haben soll sich der Mann außerdem im Bereich der Polizeidirektion Rheinpfalz.

Der Pole war als ungelernte Pflegehilfskraft ab 2008 im Ausland aktiv - mal in England, immer öfter auch in Deutschland. Der Kontakt zu den Pflegebedürftigen und ihren Familien kam über ein Geflecht von Vermittlungsagenturen zustande.

Der Fall weckt Erinnerungen an den zu lebenslanger Haft verurteilten Patientenmörder Niels Högel. Er soll für die größte Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte verantwortlich sein - mehr als 100 schwer kranke Menschen soll der Ex-Krankenpfleger an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg zwischen 2000 und 2005 getötet haben.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte eine amtsärztliche Leichenschau für alle verstorbenen Pflegebedürftigen. „Nirgendwo ist es so einfach zu morden, wie in der Pflege“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Denn Sterben komme bei Pflegebedürftigen nicht unerwartet. „Es ist alarmierend, wenn ein Drittel aller Totenscheine schwerwiegende Fehler aufweist. Deshalb sind die Bundesländer aufgefordert, amtsärztliche Leichenschauen bei allen Pflegebedürftigen verbindlich vorzuschreiben.“


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