Jobs in der Kälte Osnabrücker über Dachdeckerarbeiten im Winter

Von Mareike Eigenwillig

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Bei Minusgraden und Dauerfrost müssen Dachdecker ihre Arbeit meist einstellen. „ Wenn die Sonne aber rauskommt und es anfängt zu tauen, können die Jungs wieder rauf aufs Dach“ erzählt Stefan Wagener, der einen Betrieb in Osnabrück betreibt. Symbolfoto: dpa/Patrick PleulBei Minusgraden und Dauerfrost müssen Dachdecker ihre Arbeit meist einstellen. „ Wenn die Sonne aber rauskommt und es anfängt zu tauen, können die Jungs wieder rauf aufs Dach“ erzählt Stefan Wagener, der einen Betrieb in Osnabrück betreibt. Symbolfoto: dpa/Patrick Pleul

Osnabrück. Die Arbeit von Zimmereien und Dachdeckerbetrieben ist im Winter besonders stark von der Witterung abhängig. Der Osnabrücker Stefan Wagener beantwortete unserer Redaktion einige Fragen zum Thema Schlechtwetter im Baugewerbe, Kälteschutz, der Auftragslage in den Wintermonaten und verständnislose Kunden.

Minusgrade bis in den zweistelligen Bereich herrschten in der vergangenen Woche. Einigen erschwerten diese den Weg zur Arbeit oder nach Hause. Für Personen, die beruflich draußen tätig sind, machten sie sogar das Arbeiten teilweise unmöglich. Viele Zimmereien und Dachdeckerbetriebe schickten ihre Mitarbeiter aufgrund des Schlechtwetters nach Hause.

Was bedeutet Schlechtwetter?

Schlechtwetter umfasst Wagener zufolge witterungsbedingte Verhältnisse, die das Arbeiten unmöglich machen. Es wird nicht nur die Möglichkeit der technischen Ausführung, sondern auch die Zumutbarkeit für Arbeitnehmer geprüft. Schnee, Starkregen, Dauerfrost, Nebel und Sturm können Faktoren sein, die zur vorübergehenden Niederlegung der Arbeit führen. Für diese Zeit erhalten die Handwerker meist Geld aus der Schlechtwetterkasse, die versicherungsähnlich organisiert ist. Von der Höhe der eingezahlten Beiträge ist abhängig, wie viel Prozent des Lohnes die Kasse übernimmt.

Zwiebelsystem und Heizsohlen

„Der Kälteschutz ist prinzipiell jedem selbst überlassen. Die meisten tragen mehrere Kleidungslagen übereinander. Wir stellen Arbeitskleidung, gefütterte Handschuhe und haben es auch mal mit beheizbaren Schuhsohlen versucht. Da wurden die Akkus dann aber nie aufgeladen“, erzählte Stefan Wagener, der gemeinsam mit seinem Bruder Gert eine Kombination aus Dachdeckerbetrieb, Zimmerei und Tischlerei betreibt. Da die Brüder meist mit auf den Baustellen arbeiten, können sie die Lage vor Ort genau beurteilen. „Wir schicken niemanden bei -10 Grad auf eine Baustelle. Das wäre unmenschlich“, so Wagener.

Kündigungen und Arbeitsverlagerung

Im Baugewerbe ist es nicht unüblich, dass Mitarbeiter zum Winter gekündigt und im Frühling wieder eingestellt werden. „Das kommt für uns nicht in Frage. Wir versuchen, auch über den Winter einen gewissen Standard zu halten, damit wir niemanden entlassen müssen“ , sagt Wagener. Zwei, drei Tage können die meisten Unternehmen bei Schlechtwetter mit Aufräumarbeiten im Lager, Wartung der Maschinen oder Inventur überbrücken. „Das geht allerdings keine vier Wochen. Aus diesem Grund gibt es kaum noch reine Dachdeckerbetriebe. Die meisten sind Kombibetriebe und verrichten zusätzlich Klempner- oder Zimmerarbeiten. So können im Winter zumindest noch Innenarbeiten ausgeführt werden“, berichtet Wagener.

Mildere Winter

Die Winter seien wesentlich milder geworden in den vergangenen Jahren, berichtet Wagener. Das letzte lange Schlechtwetter hätten sie vor zehn Jahren zur Zeit des Orkans Kyrill gehabt. „Im Januar und Februar sind vielleicht mal ein paar schwierige Tage. Im Vergleich zu vor 40 Jahren ist das sicherlich gar nichts mehr“, vermutet Wagener.

Verständnislose Kunden

Ab und zu erreichen den Betrieb der Wagener Brüder wütende Anrufe. Kunden die wissen wollen, warum es auf ihren Baustellen nicht weitergeht. „Da frage ich mich schon, ob die eine Vorstellung davon haben, wie sehr unsere Arbeit vom Wetter abhängig ist. Mit gefrorenem Arbeitsmaterial kann niemand arbeiten.“

Lehrlingsmangel und Schönwetterarbeiter

In den vergangenen Jahren habe sich der Handwerkernachwuchs zu einem immer größer werdenden Problem entwickelt. „Die Lage ist äußerst schwierig. Es fehlt an Interesse und Motivation“, sagt Wagener. Durch Autokrane und andere Maschinen soll die körperliche Arbeit entlastet werden, doch trotzdem gewinnt das Baugewerbe nicht an Attraktivität. „Viele jungen Leute, die neu im Gewerbe sind, könnte man fast als Schönwetterarbeiter bezeichnen. Im T-Shirt in der Sonne ist alles okay, aber sobald es ein wenig regnet oder windet, melden sie sich krank.“


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