Skandal erreicht Deutschland Kokainschmuggel aus russischer Botschaft – Festnahme nahe Berlin

Von dpa

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Fast 400 Kilogramm Kokain sind laut Behörden in der russischen Botschaft in Argentinien entdeckt worden. Foto: Str/ARGENTINE SECURITY MINISTRY/AP/dpaFast 400 Kilogramm Kokain sind laut Behörden in der russischen Botschaft in Argentinien entdeckt worden. Foto: Str/ARGENTINE SECURITY MINISTRY/AP/dpa

Moskau/Berlin. Koffer voller Drogen in einer russischen Botschaftsschule, Festnahmen auf zwei Kontinenten – das Außenministerium in Moskau steckt in einem filmreifen Krimi. Mittlerweile ist auch Deutschland Schauplatz.

Der Skandal um einen Fund von fast 400 Kilogramm Kokain in der russischen Botschaft in Argentinien hat Deutschland erreicht. Der mutmaßliche Drahtzieher des Schmuggelversuchs, ein 49-jähriger Russe, wurde am Freitag nahe Berlin festgenommen. Russland habe um die Fahndung ersucht, teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit. In Moskau prüfte der Inlandsgeheimdienst FSB, ob es schon früher Kokaintransporte aus der Botschaft in Buenos Aires nach Russland gegeben habe. Das berichtete die Zeitung „Kommersant“.

Der russische Botschafter Viktor Koronelli hatte den argentinischen Behörden im Dezember 2016 mitgeteilt, dass in der russischen Botschaftsschule 12 Koffer mit 389 Kilogramm Kokain gefunden worden seien. Argentinische und russische Ermittler begannen danach eine 14-monatige gemeinsame Operation. Das Kokain sollte auf Betreiben des 49-Jährigen wohl als Diplomatengepäck nach Russland geschickt werden.

Droge mit Mehl ausgetauscht

Die Fahnder tauschten die Droge gegen Mehl aus und verfolgten die Sendung mit GPS-Geräten. In der russischen Hauptstadt wurden beim Empfang zwei Männer festgenommen. Als dritter kam ein ehemaliger technischer Mitarbeiter der russischen Botschaft in Gewahrsam. Zwei Festnahmen gab es nach Mitteilungen von Ende Februar in Buenos Aires.

Dem russischen Außenministerium ist der Fall peinlich, es hat jede Verwicklung dementiert. Die Koffer seien nicht als Diplomatenpost geschickt worden, sagte eine Sprecherin. Vizeminister Sergej Rjabkow sprach von einem Versuch, die bilateralen Beziehungen zu belasten.

Schmuggel verschwiegen

Moskauer Behörden bestritten auch, dass die Koffer in einer Regierungsmaschine transportiert worden seien. Allerdings identifizierten argentinische Stellen eindeutig ein Flugzeug vom Typ Iljuschin 96 aus der Flugbereitschaft der russischen Regierung.

Der 49-Jährige soll sich in Argentinien als Sicherheitsmitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin ausgegeben haben. Für die Bewachung der Botschaften ist nicht das Außenministerium zuständig, sondern der Geheimdienst. Russische Experten in Moskau vermuten, dass Geheimdienstler den Schmuggel betrieben oder zumindest deckten.

Der am Scharmützelsee bei Berlin Festgenommene soll schon 2012 und 2015 Koffer aus der russischen Botschaft in Buenos Aires nach Moskau auf den Weg gebracht haben, wie „Kommersant“ berichtet. Wenn der Mann in Deutschland in U-Haft kommt, hat die russische Justiz 40 Tage Zeit, seine Auslieferung zu beantragen.

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