Containerschiff steckte fest Handy-Video: Angler filmte Schleusen-Crash in Kiel

Von Christina Norden

Vor einer Woche ist das Containerschiff „Akacia“ in Holtenau ungebremst ins Schleusentor gefahren. Foto: Carsten RehderVor einer Woche ist das Containerschiff „Akacia“ in Holtenau ungebremst ins Schleusentor gefahren. Foto: Carsten Rehder 

Kiel/Holtenau. Vor einer Woche ist das Containerschiff „Akacia“ in Holtenau ungebremst ins Schleusentor gefahren. Torsten Forkert hat das Unglück gefilmt. Ab heute soll das defekte Tor geborgen werden.

Eigentlich ist es eine Nacht wie jede andere am Nord-Ostsee-Kanal: Der Kieler Torsten Forkert will gerade von einem Angelausflug an der Holtenauer Schleuse zurückkehren, Möwen kreischen, ein Containerschiff ist unterwegs – doch es wird einfach nicht langsamer. Forkert trifft auf mehrere Lotsen, die bereits berichten, dass es mit dem Schiff Probleme gibt. Der Angler zückt sein Handy und filmt den Moment, als die „Akacia“ vor einer Woche in der großen Südschleuse mit dem Schleusentor kollidiert:

„Zehn Knoten hat der drauf, der fährt da glatt durchs Tor durch. Du liebe Güte! Gleich knallt’s da vorne“, kommentiert Forkert. „Jetzt gibt’s gleich den Aufschlag. Ich hoffe ja, dass die das Tor vielleicht aufgezogen haben.“ Doch dem war nicht so. Im nächsten Moment folgt der Zusammenprall: „Hör‘ dir das mal an. Wahnsinn! Jetzt steckt er fest. Scheiße! Hätten die die Maschine nicht stoppen können?“

Schiff steckte fest

Eine Woche nach dem Unglück ist die Ursache noch immer unklar. Der Kapitän soll noch den Anker geworfen haben, aber das Schiff war nicht mehr zu stoppen und fuhr mit etwa zehn Knoten gegen das Tor. Möglicherweise gab es einen Fehler in der Elektrik, mutmaßt Forkert. Lotsen haben ihm berichtet, dass das Schiff bei zwei Knoten auf Null runterbremsen sollte. Doch stattdessen gab es Vollgas.

Foto: Carsten Rehder

Südschleuse ist defekt

Inzwischen wurde die „Akacia“ aus der Schleuse geborgen und liegt im Nord-Ostsee-Kanal im Nordhafen, um repariert zu werden.

Doch die Folgen bleiben: Die Südschleuse ist defekt. Der Schaden am Schleusentor geht laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau mindestens in den zweistelligen Millionenbereich. Ganz genau kann man das aber erst sagen, wenn der Schaden von Experten im Detail analysiert wurde. Die Lage unter Wasser ist unübersichtlich. Sicher ist: Der Frachter hat das Tor bis sieben Meter unter der Wasserspiegeloberfäche zerstört. Ein großes Teil des Schleusentores ist nicht mehr vorhanden.

Rendsburger Werft soll das Tor ausbauen

Am heutigen Montag soll damit begonnen werden, das defekte Tor aus der Torlaufbahn zu entfernen, teilt das Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel mit. Den Auftrag dazu hat die Rendsburger Werft Nobiskrug erhalten. Aus Hamburg wird ein Schwimmkran erwartet, der ab Dienstag verbogene und überstehende Stahlteile demontieren soll.

Erst dann könne das Tor selbst entfernt werden. Ob es in einem Stück geborgen wird, ist ebenfalls noch unklar. Als Ersatz gibt es ein Reservetor, das bereit steht. Es soll schnellstmöglich eingebaut werden, damit die Schleuse wieder in Betrieb genommen werden kann. Das könne laut WSA normalerweise bei unbeschädigten Toren zwei bis drei Tage dauern. Doch nun wird es wohl bis in den März hinein dauern.