„Gott führt mich“ Die Juristin, die Nonne werden wollte und nun ein Kloster besetzt

Von dpa

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Das Kloster Altomünster. Foto: dpaDas Kloster Altomünster. Foto: dpa

München/Altomünster. Eine Juristin möchte Nonne werden, doch das ausgesuchte Kloster wurde nach ihrem Einzug aufgelöst. Nun wehrt sie sich weiter gerichtlich gegen ihren Auszug – Gott führe sie, sagte sie. Es sei ihre Berufung, in Altomünster Nonne zu werden.

Diese Woche hat Claudia Schwarz nur Brot eingekauft. Es ist ja Fastenzeit. Tee ist noch schachtelweise da - aus dem ehemaligen Gästehaus des Klosters Altomünster in Bayern, in dem Schwarz seit Monaten allein quasi als „Hausbesetzerin“ lebt.

Sie protestiert mit ihrer Aktion nicht gegen die desolate Wohnungssituation rund um München, sondern sie kämpft darum, in dem Kloster Nonne zu werden. Dass sei ihre Berufung. „Gott führt mich. Gott schützt mich und lenkt mich“, sagt sie. Die redegewandte 39-Jährige ist Juristin, sie widersprach der Auflösung des Klosters und weigert sich ausziehen.

Zivilverfahren beginnt am 26. Februar

Einen juristischen Etappensieg hat sie Mitte Februar errungen: Sie musste vorerst nicht wegen mangelnden Brandschutzes ausziehen. Das Verwaltungsgericht München entschied, die Klage der Frau gegen eine Nutzungsuntersagung des Landratsamtes Dachau ruhen zu lassen, bis über das Schicksal der Nonne in spe und des Klosters entschieden ist.

Denn noch läuft ein Räumungsverfahren der Erzdiözese München und Freising, in deren Besitz das Kloster und seine Liegenschaften übergegangen sind. Darum wird in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht München II am 26. Februar weiter gestritten.

Kloster des alten Birgitten-Ordens

Das Verbot aus Brandschutzgründen, in ihrer Zelle 7 zu bleiben, hat Schwarz umschifft: Sie zog in eine andere Zelle. Das Landratsamt sah keinen akuten Handlungsbedarf mehr. „Es gibt in dem Kloster sicher auch Räume, die nicht zu einer Nutzungsuntersagung führen“ - weil sie so nahe am Ausgang liegen, dass eine Flucht möglich ist, sagte der Abteilungsleiter Baurecht, Alexander Krug.

Seit Hunderten Jahren lebten in Altomünster Ordensleute, Mönche und Nonnen. Zuletzt war das einzige Kloster des alten Birgitten-Ordens in Deutschland ein reines Nonnenkloster - mit am Ende nur noch einer Nonne, der Ordensfrau Apollonia Buchinger. Die Mindestbesetzung bestünde nach Kirchenrecht aber aus drei Ordensfrauen.

Der Vatikan entschied, das Kloster aufzulösen. Apollonia, mit ihrem Einsatz für ihr Kloster zu Bekanntheit gelangt, fügte sich und zog in eine Wohnung in Vilseck in der Oberpfalz um. Die fromme Juristin kämpft indessen weiter. Für Apollonia hat sie einen Widerspruch beim Vatikan gegen die Auflösung des Klosters formuliert.

Klägerin Claudia Schwarz zeigte Mitte Februar in einem Gerichtssaal vom Verwaltungsgericht ein Foto auf ihrem Laptop. Foto: dpa

Vatikan will, dass sie auszieht

Nach einem vor Gericht ausgehandelten Kompromiss mit der Erzdiözese sollte Schwarz im Kloster bleiben dürfen, bis Rom über den Widerspruch entschieden hat. Nach Auffassung des Erzbistums hat der Vatikan inzwischen abschlägig entschieden. Schwarz hingegen sieht dies noch nicht als endgültig an - der Streit geht weiter.

„Solange die Frau dort lebt, können wir keine Nutzungskonzepte entwickeln - und keine baulichen Untersuchungen vornehmen. Das Kloster verfällt weiter - und liegt brach, obwohl es ein bedeutender geistlicher Ort ist, den wir weiterentwickeln möchten“, sagte eine Sprecherin der Erzdiözese. Das Gebäude muss saniert werden, voraussichtlich sind Investitionen in Millionenhöhe nötig.

Viele hätten das Kloster gerne behalten

Auf einem Teil des Klostergrundes könnten Wohnhäuser entstehen. Auch damit geht es nicht weiter. Nur die Hälfte gehört der Gemeinde und das Gelände ist noch nicht erschlossen. „Da könnte morgen der Bagger kommen und für junge Familien Wohnungen bauen“, sagt Gemeinderat Wolfgang Grimm (CSU). Das werde durch die „Hausbesetzung“ verhindert. Viele in der Gemeinde hätten das Kloster mit seinen Nonnen gerne behalten. „Natürlich herrscht in Altomünster gewisse Trauer, dass diese jahrhundertealte Tradition nun vorbei ist“, hört man.

Die Rokokokirche Sankt Alto ist Namensgeber und Wahrzeichen des Ortes mit seinen knapp 8000 Einwohnern. Es gibt ein Klostermuseum, einen Klosterladen - und sogar Bier wird im Namen von Ordensleuten getrunken. Die Brauerei Kapplerbräu braut ihr „Pater Simon Premium Pils“ und das „Pater Simon Piccolo Weizen“ zu Ehren des ehemaligen Priors; er war der Sohn des Bierbrauers Anton Hörmann.

„Wir bedauern wie die Gemeinde, dass das Kloster wegen fehlenden Nachwuchses aufgelöst werden musste“, sagte auch die Sprecherin des Erzbistums. Schwarz bleibt auch hier unerschüttertlich, sie sieht noch immer eine Zukunft für den Orden und das Kloster. „Es gibt Kandidatinnen.“ Sie sei in Kontakt mit fünf anderen Frauen, die gerne in Altomünster Nonne werden wollen.


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