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24.02.2018, 08:30 Uhr KOLUMNE

Wie mich die Wohnungssuche Leidensfähigkeit lehrt

Von Lorena Dreusicke


Die Kolumnistin sucht eine nette Wohnung in Hamburg. Im beliebten Hamburger Bezirk Eimsbüttel schleimte ein Wohnungsbewerber beim Vermieter mehr als alle anderen. Foto: imago/Hoch Zwei Stock/AngererDie Kolumnistin sucht eine nette Wohnung in Hamburg. Im beliebten Hamburger Bezirk Eimsbüttel schleimte ein Wohnungsbewerber beim Vermieter mehr als alle anderen. Foto: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Osnabrück. Ich suche eine Wohnung. In Hamburg. Das ist eigentlich schon die Pointe. Denn wer dort hinziehen will, kann sich im Grunde gleich in Pinneberg einquartieren. Das Interesse an Wohnungen in Großstädten ist bekanntlich groß. Meine Leidensfähigkeit ist es mittlerweile aber auch.

Zwar werden ständig nette Wohnungen in Hamburg frei, doch ist die Zahl der Wohnungssuchenden exponentiell höher: Lädt ein Vermieter zur offenen Besichtigung, erscheinen Dutzende Obdachsuchende. Und ich. Denn auf meine ungefähr 40 schmeichelnden Anfragen habe ich bislang nur schlappe zwei Einladungen erhalten. Der eine Vermieter wollte mich nicht, die andere Wohnung wollte ich nicht. Aber um sie mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Die Rumpelkammer in einem Altbau mit brachliegenden Leitungen und Sandloch im Treppenhaus hat bei der Besichtigung direkt Liebhaber gefunden. Ein Schleimer übertraf uns 30 Interessenten. Er duckte sich ehrfürchtig vor dem Vermieter und lobhudelte die perfekte Lage und die perfekte Wohnung. Ob er den Zuschlag erhielt, weiß ich nicht, aber beim Rausgehen hätte ich gerne ins Sandloch gekotzt. Es muss doch möglich sein, eine Wohnung zu mieten, ohne sich beim Anbieter derart anbiedern zu müssen!

Eine gewisse Exzentrik nehme ich ja hin. So fordern die meisten Vermieter fantasievolle Nachweise à la Mietschuldenfreiheitsbescheinigung. Doch bis ich in die Anfrage getippt habe, dass ich über eine solche verfüge, ist das Angebot oft schon wieder gelöscht. Wie Sisyphos kriege ich einfach nicht den Stein auf den Berg, beziehungsweise mich in eine neue Wohnung. Am Ende bleibt mir womöglich nur Pinneberg. Dann ist es die tägliche S-Bahn-Fahrt nach Hamburg, die meine Leidensfähigkeit prüfen wird.

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